Web 2.0 nur 15 Prozent der Deutschen ein Begriff
85 Prozent der Bundesbürger ist der Begriff “Web 2.0″ nicht geläufig. Dies ist eines der Ergebnisse einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers unter 501 repräsentativ ausgewählten Haushalten in Deutschland. Selbst bei den Befragten, die sich als “Technik-Kenner” einstufen, wussten nur 30 Prozent, was mit dem Web 2.0 gemeint ist. Zum Vergleich: 84 Prozent der Umfrageteilnehmer kannten Digitalfernsehen, 78 Prozent mobile Navigation und 72 Prozent die Voice-over-IP-Technologie.
Die Unkenntnis über den Begriff “Web 2.0″ ist erst einmal neutral zu bewerten. Letztlich besteht keine Notwendigkeit, die Marketing- bzw. Fach-Terminologie zu kennen, um Web-2.0-Dienste zu verwenden. Für viele User ist studiVZ ganz einfach eine Community, YouTube eine Videoseite und Wikipedia ein Online-Lexikon. Allerdings lässt die relative Unbekanntheit des Begriffs in weiten Teilen der Bevölkerung die Vermutung zu, dass klassische Massenmedien wie TV und Print noch viel zu wenig über das berichten, was allgemein als Web 2.0 bezeichnet wird (wenig verwunderlich bei den Existenzängsten der traditionellen Medien). So sehr manch einer den Web-2.0-Begriff verabscheuen mag, so ideal ist er für die einfache Zusammenfassung verschiedener neuer Internet-Phänomene unter einer medial wirksamen Bezeichnung.
Anlass zur Beunruhigung gibt das Ergebnis dieser Umfrage nicht. Für mich als einen aktiv am Web-2.0-Geschehen beteiligten User wird aber deutlich, wie tief man selbst in der Materie steckt und wie weit andere von dieser eigentlich entfernt sind.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
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Markus
Das Problem ist m.E. nach nicht, dass 85% den Begriff Web 2.0 nicht kennen (und dabei eben trotzdem wie du schön sagst die Dienste nutzen können), das Problem ist, dass 95% von denen die den Begriff zu kennen glauben ein im besten Fall schwammiges und auf falschem Hörensagen weitergegebenes Verständnis davon haben - und traurigerweise nicht nur die Massenmedien.
Martin Weigert
Benötigt man denn überhaupt eine nicht schwammige und völlig eindeutige Definition? Mir persönlich ist es lieber, wenn jemand den Begriff zumindest oberflächlich einordnen kann, statt ihn gar nicht zu kennen. Wobei an dieser “Problematik” nicht mein Herzblut hängt.
Markus
Eindeutig geht sowieso nicht, aber der Wert von Begrifflichkeiten liegt in ihrem Differenzierungsvermögen - wird damit was denkbar, befähigt sie uns auf was zu kommen auf das wir sonst nicht gekommen wären, usw. - und da wird einfach einiges an Möglichkeiten verspielt. Das Problem mit dem oberflächlich Kennen sind die falschen Assoziationen die mit dem 2.0 verbunden sind, vor allem wenn das falsch verstärkt wird. Auch egal.
mk
Zur gleichen Thematik hatte ich im März auch mal was geschrieben: http://marco-kitzmann.de/heidelberger-englaender-und-das-klickdingsbums-97.html
Mein Schluss damals:
Martin Weigert
Ein zutreffender Schluss. Zudem bleibt die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, weiterhin mit dem Web-2.0-Begriff im Gepäck missionieren zu gehen, wo doch manch einer die Halbwertzeit des Begriffes bereits überschritten sieht. Aber wie Markus schon schrieb - eigentlich egal. Letztlich zählt, was dabei rauskommt. Mir persönlich gefällt der Begriff, er ist “handlich”. Und zweinull.cc wird auch noch so heißen, wenn das Web 2.0 Schnee von gestern ist. ;)
Matthias
Gut beschrieben, ich teile genau diese Ansicht: Ob die Leute den Begriff kennen oder nicht ist für den Gebrauch der Seiten im Netz (YouTube…) ja egal. Schlimm dagegen scheint mir dieses tendenzielle “Totschweigen” in den klassischen Medien, die wohl vielfach glauben, das Ganze würde mit der Zeit schon wieder irgendwie vergehen.
Martin Weigert
Es wird interessant zu sehen sein, wie in den kommenden Jahren manch eine rückswärts gewandte Medienmarke langsam den Auflagen- bzw. Quotentod sterben wird.
Tobias (www.whatsyourquestion.de)
@ markus: hab genau die gleiche erfahrung gemacht, dass der schwammige gebrauch von “web 2.0″ probleme verursacht. wir haben für unser startup einen mitarbeiter gesucht - viele von den bewerber waren zwar ganz begeistert von dem schlagwort “web 2.0″, konnten aber keine fünf 2.0 portale nennen…
@ martin weigert: finde den begriff auch passend. warum nicht den entwicklungsstand des Web als Versionsnr. beschreiben? Verstehe gar nicht, dass da teilweise peinlich berührt versucht wird, den begriff zu vermeiden, nur weil er inflationär gebraucht wird. muss ein begriff, der ein massenphänomen beschreibt, nicht zwangsläufig inflationär gebraucht werden? bin eh kein freund von insider-begriffen.
mario_knd
Interessante Studie, gute Schlussfolgerungen. Ja vermutlich haben “die Medien” das Thema noch nicht völlig aufgenommen. Daher würde ich den Begriff Web 2.0 auch nicht als “medial wirksam” beschreiben, offenbar ist er das (auf deutsch, für deutschsprachige Medien oder wie auch immer) ja nicht wirklich.
Und ja, man muss sich immer wieder klar machen wie hochspeziell alle Internetthemen für die absolute Mehrheit der Deutschen sind, die über t-online.de und web.de hinausgehen ;-)
Martin Weigert
Wenn der Begriff “Web 2.0″ in den traditionellen und reichweitenstarken Massenmedien abseits des Internets nicht oder kaum verwendet wird, hatte er dort folglich auch noch keine Möglichkeit, sich auf seine Wirksamheit hin zu beweisen. Im Netz selbst halte ich ihn für extrem wirksam - wie 284.000.000 Google-Resultate zeigen.
Chris
Naja, um es der breiten Masse “beizubringen” werden die “alten” Medien gebraucht. Und die sehen ja leider immernoch allzuoft eine “Gefahr” in der next-web-2.0 Geschichte. Schade eigentlich.
Einfach mal aus dem Fenster gelehnt: In 5 Jahren “wußten” alle was web2.0 ungefähr bedeutet (hat). Dann sind wir in der Web 2,5.-3-D Phase angekommen….
Gruß ( ohne ” :))