Moritz Leuenberger hat angeblich einen YouTube-Schaden

Die Mittelland Zeitung hat ein Filmchen mit dem Schweizer Medienminister auf YouTube gesehen und glaubt, das sei zu seinem Schaden. Da bin ich anderer Meinung.

Heute in der Mittelland Zeitung auf Seite 4 steht ein Artikel mit dem Titel “Der Kommunikationsminister und sein unbotmässiger Auftritt im Netz”. Eigentlich steht der in der Aargauer Zeitung (AZ), doch in der Kopfzeile steht MZ – es ist nicht ganz klar, welches Medium man nun zitieren kann. Der Werbeslogan der Mittelland Zeitung lautet: “Die Nr. 3 der Schweiz”. Das klingt ja schon mal nicht so grossartig. Schlechter aber noch, dass diese Nummer 3 der Schweiz keinen Internetauftritt hat. Das heisst, die Zeitung hat einen Internetauftritt, aber nur mit Informationen über das Produkt. Inhalte sind nur kostenpflichtig verfügbar. Das komplexe Gewebe der verschiedenen zur MZ gehörenden Produkte zu entflechten, würde einen eigenen Text erfordern, weshalb ich darauf verzichte.

Das Wichtigste vorweg – der durchaus erheiternde Auftritt von Moritz Leuenberger (youtube.com, 2:23 Minuten, teilweise Dialekt, Kategorie: Comedy):

Der Artikel von Gieri Cavelty in der Mittelland Zeitung ist nicht online verfügbar. Was uns nicht daran hindert, daraus zu zitieren:

Entsprechend verärgert sind die Kommunikationsverantwortlichen in Leuenbergers Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Man muss sich das einmal vorstellen: Da arbeitet ein vierköpfiges Team Tag für Tag daran, dass Leuenberger in den Medien gut rüberkommt, und da zeigt sich der Kommunikationsminister höchstpersönlich Tag und Nacht im schlechtesten Licht – das zweieinhalbminütige Video auf dem Filmportal Youtube sitzt als Stachel im Fleich der Imagepolierer.

Damit das Filmchen nicht mehr soviel Aufmerksamkeit erregt, soll das UVEK nach Informationen der Südostschweiz am Sonntag mit dem Gedanken spielen, andere Leuenberger-Filme auf Youtube zu schalten. Damit es nicht mehr gefunden werden kann in der Menge von anderen Filmen. Weiter heisst es:

Dem Vernehmen nach rechnet die Kommunikationsabteilung damit, dass von Leuenberger begeisterte Privatpersonen sowie die SP ab und an einen Leuenberger-Clip ins Netz stellen und dass die viel besuchte Schimpftirade dadurch leise, aber sicher untergeht.

Liebe Freunde: Bei YouTube wird bei einer Suche (-> Leuenberger) immer zuerst das beliebteste Video angezeigt, das heisst das mit der grössten “Relevance”. Und das ist und bleibt, solange nicht ein witzigeres kommt, dieses. Der Versuch der Unterspülung mit anderen Videos ist wohl eine gute Idee, wird aber mit konventionellen Methoden kaum Früchte tragen.

Hochgeladen wurde der Clip von einem “jackdaniels1985″, einem, sollte man von Nicknames auf Eigenschaften schliessen können, 22jährigen Whiskeyliebhaber. Ich finde den Clip für Leuenberger nicht besonders peinlich. Der Vorfall ist Jahre her und der Bundesrat ist von den Journalisten vielleicht zurecht genervt. Vermutlich hat er einen schlechten Tag gehabt oder er war überarbeitet und übermüdet. Besonders unsympathisch oder verwerflich wirkt sein Verhalten auf mich jedenfalls nicht. Warum sollte man nicht ab und zu mal was einen totalen Mist finden und das auch sagen? Auf mich wirkt Leuenberger vor allem wie ein Mensch mit Emotionen. Der sich nicht scheut, die auch mal zu zeigen.

Ich führe ein kurzes Telefonat mit Matthias Brüllmann, Pressesprecher & Webredaktor beim UVEK. Er ist “sehr erstaunt” über das Vorgehen der Mittelland Zeitung. Brüllmann habe zweimal mit dem MZ-Journalisten Cavelty telefoniert und ihm dann folgendes Zitat zum Abdruck geliefert:

Youtube ist eine private Anbieterin. Wir verfolgen, was über Bundesrat Leuenberger und UVEK-Themen angeboten wird, stellen aber selber keine Videoclips ein. Und so lange wir keine Rechtsverstösse feststellen, haben wir auch keinen Grund, um einzugreifen.

Im Artikel konnte er es aber nicht wiederfinden. Dafür Verdächtigungen über die Pläne, gegen das Youtube-Video vorzugehen. Was wohl, wenn man es sich so überlegt, nichts weiter als die tägliche Arbeit einer Medienstelle ist.

Brüllmann dazu weiter:

Im übrigen handelt es sich bei besagtem Clip um einen alten Hut. Es stimmt überhaupt nicht, dass wir verärgert sein sollen. Natürlich überlege ich mir als Webmaster, wie ich mit neuen Entwicklungen im Internet umgehen soll. Die Behauptung, dass wir mit dem Gedanken gespielt hätten, andere Leuenberger-Filme auf Youtube aufzuschalten, ist jedoch eine Unterstellung, die wir zurückweisen. Wir haben so etwas weder im Kommunikationsteam noch mit BR Leuenberger je diskutiert.

Verärgerte UVEK-Kommunikationsverantwortliche? Ja, aber nicht wegen dem Video. Ein unbotmässiger Auftritt im Netz und ein nachhaltiger Schaden für Blogger Leuenberger? Glaub ich nicht. Eher für die Mittelland Zeitung, von denen viele im Artikel getätigte Aussagen ins Gegenteil gekehrt werden können.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. mad
    schrieb am 27. August 2007 um 17:27 Uhr (#)

    Eine tolle Idee, um ein politisches Image zu formen, um aus all den gleichförmig gebürsteten Politikern herauszuragen: Fluchen wie ein Rohrspatz!

    Degressive Steuern – eine unglaubliche Scheissidee!

    Die Ausschaffungsinitiative der SVP – ein unfassbarer Haufen Mist!

    Steuern erhöhen – der grösste und blödsinnigste Scheiss der letzten Jahre!

    Und so weiter. Grundkurse in politischer Fluchkommunikation bietet Bundesrat Leuenberger an.

    Auf in die farbige Politik der Zukunft: “Isch doch en Scheiss!”

  2. saxou
    schrieb am 27. August 2007 um 21:17 Uhr (#)

    so ne olle kamelle…

    ob wohl die webmaster der anderen bundesräte auch versuchen, diese filmchen mit fluchtiraden ihrer chefs und chefinnen ins hintertreffen zu bugsieren?

    Der Jean Ziegler ist übrigens grandios ;-)))!!!

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