Eine Zusammenkunft – vier Versionen

Der Schweizer Rapper und WOZ-Kolumnist Greis und der Weltwoche-Redaktor Peer Teuwsen treffen sich und reden etwas miteinander. Inhalte daraus erscheinen gleichentags in zwei Wochenpublikationen. Und nun auch noch auf Myspace. Das Verhältnis zwischen Medien und Politik wird derweil endlich zur Debatte.

Wir sammeln mal, was wir alles gefunden haben:

23.08.2007, WOZ: Ein Gespräch mit Peer Teuwsen

23.08.2007, Weltwoche: 14 Fragen an Greis (nur für Abonennten zugänglich)

23.08.2007, Myspace: WOZ-Kolumne August UNZENSIERT

23.08.2007, Myspace: 14 Frage an Greis in der “SVP-Woche” (“ursprüngliche Version, mit Korrekturen in Grossbuchstaben”)

Inhaltlich wurde nicht viel verschwiegen. Peer Teuwsen findet, dass das Magazin nach seinem Abgang zu einem “Lifestyle-Heftli” geworden ist und dass er seine Meinung, der Koran sei vermutlich blutrünstiger als die Bibel, nicht unbedingt abgedruckt sehen müsste. Offensichtlich ist jedenfalls, dass die Wahrnehmung eines Vorgangs oft etwas Persönliches ist.

In der Schweiz gibt es nach dem kürzlichen Tod der Wochenpublikationen Facts und Cash, vereinfacht gesagt, noch eine linke und eine rechte Wochenzeitung: die WOZ und die Weltwoche. Und die reden in ihren Blättern gerne auch mal über sich selbst und ihre gegenseitige Wahrnehmung. Zum Thema wird jedoch nur die Weltwoche, ihre Beziehung zur Partei SVP und deren Bundesrat Christoph Blocher.

WOZ-Chefredaktorin Susan Boos beklagt sich, dass sich niemand der PR-Abteilung des Bundesrats entgegenstellen könne.

Niemand scheint dem Justizminister Paroli bieten zu können, keine Experten, keine Journalistinnen, keine Politikerinnen, keine Bundesräte, keine Künstler, keine Schriftstellerinnen. Die einen sagen, er habe ja schon ein bisschen recht. Die anderen schweigen, weil sie nicht in den Gutmenschenverdacht geraten wollen, oder sagen sich, dass sie nicht Teil dieses bösen Spiels sein möchten. Aber wir alle, die in diesem Land leben, sind bereits Teil davon, nur ist es kein Spiel mehr.

Das sagt auch Roger Schawinski:

Er [Blocher] ist ein Polittalent, wie es die Schweiz seit langem nicht mehr gekannt hat. Er besorgt das Agenda-Setting des Landes. Er bestimmt die Themen, und alle hecheln hinterher.

Ich sehe das nicht anders. Aber muss es auch so sein? Was genau bringt es, sich darüber auf Seite 1 zu beklagen? Warum hecheln denn die Journalistinnen seinen geschickt platzierten Aussagen nach? Warum schreiben sie nicht einfach lesenswerte und von einem Agendasetting unabhängige Texte? Sowas würde ich gerne lesen, vor allem in einer Wochenzeitung.

In der heutigen Ausgabe des Magazins schaltet sich auch Michael Herrmann in diese Debatte ein:

Die persönliche Läuterung im Umgang mit Christoph Blochers SVP hat dazu geführt, dass viele Medienschaffende, welche die Partei und ihre Führungsfiguren lange kleingeschrieben hatten, diese heute oft grösser und erfolgreicher erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind. Das Ende der linksliberalen Selbstgewissheit in der Medienszene hat zwar den erfrischenden Effekt, dass nicht mehr jede rechtskonservative Position a priori niedergeschrieben wird. Sie hat aber nicht selten zu einer erneuten Verengung der Wahrnehmung geführt. So werden noch heute instinktiv die SVP und ihre Anliegen stets im Vormarsch, alle anderen Kräfte dagegen stets in der Defensive gesehen.

Der Stimmungs- und Sinneswandel in der Medienszene, die ein für die Gesamtgesellschaft nicht sehr repräsentatives Milieu vertritt, führt manchen Journalisten und manche Journalistin zur Überzeugung, dass die Politik als Ganzes von einer konservativen oder bürgerlichen Wende erfasst worden sei. Betrachtet man das breite Spektrum politischer Entwicklungslinien, so kann diese Lesart jedoch nicht aufrechterhalten werden.

Schön, dass die Blogger nun die Möglichkeit haben (oder hätten), dieses nicht sehr repräsentative Milieu zu erneuern.

(Myspace-Links via heidi und peter, infam.antville.org)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. Jean-Claude
    schrieb am 26. August 2007 um 12:36 Uhr (#)

    Interessante Analyse von Michael Hermann, womit wieder einmal belegt wäre, wie sehr Schweizer Journalisten das Lemming-Verhalten als durchgehende Charaktereigenschaft angenommen haben. Jahrelang haben sie auf die SVP eingedroschen, weil sie glaubten, sie lägen damit im mainstream.

    Jetzt können sie von lauter Blocher-Bewunderung nicht genug kriegen. Öfters schlägt diese nun in ein Adoremus um(lat. “Lasset uns anbeten”). Wie z.B. gestern Samstag im neuen Wirtschaftsmagazin der “Handelszeitung” auf SF2, wo man dessen Chefredaktor als willigen Stichwortgeber von Herrn Doktor Blocher sehen konnte. Das alles tun Journalisten offenbar, weil sie wiederum glauben, sie lägen damit im mainstream. Lemminge*) halt.

    *) Duden-Lexikon: Lemminge (lat.lemmus), Gattung der Wühlmäuse; periodische gewaltige Massenvermehrungen sind die Ursache ihrer Wanderzüge, der sog. Lemmingzüge, die zum Meer führen, wo die Lemminge ertrinken.

  2. Don Blue
    schrieb am 26. August 2007 um 19:29 Uhr (#)

    Seltsam, dieser Rapper!

    Die Weltwoche will nicht den Islam als Feinbild etablieren, der Islam ist schon lange ein Feinbild! Religion des Friendes? Pah. Religion der Gewalt, gerade auch gegen uns. Und Europa schaut der Islamisierung tatenlos zu. Wie lange noch?

  3. medienkenner
    schrieb am 27. August 2007 um 13:05 Uhr (#)

    Apropos Weltwoche:
    Auch ganz lustig, oder?
    http://infam.antville.org/stories/1681484/

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