Ein Nachschlag zu Schawinski

Ronnie Grob, 22. August 2007 12:57 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Leydendecker wusste schon alles, was Roger Schawinski in seinem Buch schreibt. Dieser plant derweil eine neue, eigene TV-Talkshow mit medienkritischen Inhalten. Zwei Pilotsendungen sollen schon im Kasten sein.

Wir haben ja bereits vermutet, dass es zu Roger Schawinskis Sicht der Dinge, die er in seinem Buch ?Die TV-Falle? darlegt, noch andere Perspektiven geben muss. Ein Teaser bei sueddeutsche.de lässt da aufhorchen:

?Wie der frühere Sat 1-Chef Roger Schawinski versucht, sich als Fels in der Brandung des Seichten darzustellen – und doch den üblichen Trash produzieren ließ.?

Das klingt gut. Was der sehr geschätzte Hans Leyendecker dann aber schreibt, bleibt leider auf dem Niveau eines mittelmäßigen Blogeintrags. Leyendecker selbst wusste offenbar bereits alles, was Schawinski in seinem Buch verrät; was schön und vom großen Rechercheur nicht anders zu erwarten ist, aber doch wohl kein Grund sein kann, ein Buch zu schmähen, das sich keineswegs nur an Insider wendet. Als Beleg für den Teaser kommen bloß zwei magere Beispiele, das kann nicht genügen. Und welche tiefere Erkenntnis darin steckt, dass alle drei schweizerischen Journalisten, die ?in den letzten Jahren im deutschen Journalismus eine Führungsposition? innehatten, Roger mit Vornamen heißen, das müsste Hans Leyendecker auch noch mal erläutern. Nicht bei Schawinski fehlen die neuen Inhalte, sondern in diesem Text von Leyendecker.

Vom ehemaligen Sat.1-Geschäftsführer gibt es unterdessen auch Neues. Wie blick.ch meldet, plant Roger Schawinski offenbar eine neuartige Talkshow, die unter anderem auch medienkritische Inhalte haben könnte.

Und zwar beim Schweizer Verlag Ringier. Der mit seinem Projekt Ringier-TV Inhalte herstellt für das Schweizer Fenster von Sat.1:

Ringier-TV-Chef Hannes Britschgi (52) bestätigt, dass schon zwei Pilotsendungen aufgezeichnet wurden. «Rogers Reflexe waren sofort wieder da», schwärmt er. «Er war angriffig, frisch, brachte sein ganzes Repertoire.» Worum geht es im Talk? Britschgi vorsichtig: «Er verrät etwas über die Arbeitsmethoden von Journalisten.»

Schawinski selbst sagt:

Meine Talkshow wird anders. Anders als jede andere in der Schweiz.

Gute News für medienkritische Seiten wie unsere, gute News aber auch für die Zuschauer. Auch wenn die Leser im Forum von blick.ch in ihrer Meinung über seine Rückkehr auf den Bildschirm gespalten sind. Einige Auszüge:

Wenn ich Schawi sehe, sehe ich: – einen eitlen, arroganten, voreingenommenen Menschen, der andere Meinungen und Einstellungen nur schwer akzeptieren kann. Der Andersdenkende nicht ausreden lässt. Einen rhetorischen Bluthund.

Schawinski BITTE bleibe in Deutschland. Die Zeit ohne dich war so schön.

Verschont uns mit diesem arroganten Bengel.

Schawinski ist der einzige der in der Fernsehlandschaft etwas bewegen könnte. Nur sind Macher und Beweger unter Versagern nicht gefragt. Schade!

Ja, denn er ist immer aktuell und ehrlich.

Ja, er soll wieder talken, er ist spritzig, witzig und interessant!

(Mitarbeit: Florian Steglich)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Täglich eingedampft: US-Politik in 100 Sekunden

4.3.2009, 3 KommentareTäglich eingedampft:
US-Politik in 100 Sekunden

Für Schnelldenker mit wenig Zeit: Montag bis Freitag fassen die Video-Nachrichten "The Day in 100 Seconds" des US-Blogs Talking Points Memo amerikanische Politik zusammen.

\

27.2.2009, 4 Kommentare"Spielzeugland":
Oscar-Kurzfilm im Nachtprogramm

Für "Spielzeugland" hat der Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank einen Oscar bekommen – eine Woche später versenkt die ARD den Kurzfilm im Nachtprogramm.

Internet-Fernsehen: Hulu kappt die Kanäle

19.2.2009, 0 KommentareInternet-Fernsehen:
Hulu kappt die Kanäle

Sendungen der amerikanischen Fernseh-Website Hulu lassen sich nicht mehr über Boxee und TV.com ansehen – die Medienkonzerne begehen Selbstmord auf Raten, findet Andreas Göldi.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Tückische Fotolizenzen: Haltbar bis 26. August 2010

12.9.2008, 5 KommentareTückische Fotolizenzen:
Haltbar bis 26. August 2010

Vermeintlich kostenlose Pressefotos können teuer werden: Immer öfter ist die Nutzung nur auf eine bestimmte Zeit erlaubt. Für Online-Medien ein Problem.

25.8.2008, 26 KommentareMainstreaming media:
Wozu Herausgeber?

Chefredakteure und Herausgeber waren einst die Wächter über die Qualität des Printprodukts. Online übernehmen diesen Job aber die Leser - wozu also brauchts den "Editor" noch?

1.8.2008, 1 KommentareZusammenarbeit:
Flickr-Bilder bei Getty

Jahresrückblick 2008: Januar bis April

28.12.2008, 0 KommentareJahresrückblick 2008:
Januar bis April

Wahn in der Datenbahn, Scheiß-Privatfernsehen, Friedhof für Freie und noch viel mehr: Wir blicken zurück auf ein lesenswertes Jahr medienlese.com.

Wochenrückblick: Radio 1, Cicero, Keira Knightley

2.11.2008, 2 KommentareWochenrückblick:
Radio 1, Cicero, Keira Knightley

Sparen, nachlegen, vermarkten. Außerdem: Pünktlich zum 25. Geburtstag des Schweizer Privatradios gibt es ein "Beben" in der Zürcher Radiolandschaft.

14.6.2008, 3 KommentareIm Test:
Dummy

Das Gesellschaftsmagazin Dummy widmet sich in Ausgabe 19 der Schweiz und knöpft sich die Rogers vor. Wir testen.

Fusion in der Schweiz: Tamedia übernimmt Edipresse

3.3.2009, 3 KommentareFusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

Nicht verpassen: Lokale Anzeigen als Chance

18.2.2009, 1 KommentareNicht verpassen:
Lokale Anzeigen als Chance

Kleine, regionale Unternehmen brauchen mehr als nur Anzeigen in Zeitungen und im Internet – Jeff Jarvis sieht hier Chancen für neue, zielgerichtete Angebote.

12.2.2009, 13 KommentareZukunft der Medien in 50 Zitaten:
Journalismus ohne Zeitung

Was in den vergangenen Monaten alles gesagt wurde ...

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.