Visions trägt Kulturkampf ins Netz

visions_kulturkampf.jpgAuf einer extra eingerichteten Webseite und auf dem Titel der September-Ausgabe ruft die Visions den Kampf der Kulturen aus. Durch “Shuffle Mode”, “Blog”, “Online-Shop” und “Einzelgang” von Musikern ohne Label ist die Musikkultur bedroht. Es geht um Raubkopien, um große wie kleine Labels und um Plattenläden.
Den Überblick über das große Durcheinander der Musikbranche gibt es gedruckt für 4,50? am Kiosk oder umsonst im Internet.

“Album”, “Musik-Mag”, “Plattenladen” und “Label” geht es an den Kragen und die Leser sollen sich entscheiden: Die gute, alte Musikkultur betrauern (“solange Du noch kannst!”) oder sich (wenn sie sich noch trauen) über eine frische, neue Musikkultur freuen. Dazu stehen auf der Kulturkampf-Seite diverse Foren bereit. Die Titelgeschichte gibt es hingegen nur als sperriges PDF.

Warum die Texte nicht gleich fürs Web aufbereiten? Die Antwort liegt in der Titelgeschichte, die nicht nur den Niedergang der Musikindustrie beschreibt, sondern auch Musikmagazinen eine düstere Zukunft zeichnet. Also werden Blogs heruntergeschrieben (“hohe Beliebigkeit”), man versichert sich der Bedeutung von kritischem Musikjournalismus in gedruckter Form (“Scharfsinn”) und klagt über Sabrina Setlur (auf dem Cover des WOM-Magazins) und Modestrecken (in der Spex).

Im zweiten Quartal 2007 haben rund 6.000 Leser weniger die Visions gekauft als noch zwei Jahre zuvor. So lässt sich das PDF erklären: Es ist so dermaßen unpraktisch, dass sich der geneigte Leser die vielbeschworene “Haptik” geradezu herbeiwünschen muss und gar nicht anders kann, als gleich zum nächsten Kiosk zu rennen. Die Visions kaufen und ein Stück Musikkultur retten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. DB
    schrieb am 18. August 2007 um 13:55 Uhr (#)

    Das letzte Aufbäumen eines Sterbenden?

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