10 Tipps, um User an ein Web-2.0-Angebot heranzuführen

Martin Weigert, 13. August 2007 17:56 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Als Web-2.0-Blogger geraten mir täglich mindestens fünf bis zehn neue oder zumindest bisher unbekannte Internet-Startups unter die Augen. Da zweinull.cc ein Hobby ist und ich für das Lesen der Meldungen des Tages, für das Verfassen neuer Artikel und für das Anschauen frischer Webangebote nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung habe, muss alles sehr effizient ablaufen. Gerade das Umschauen auf neuen Seiten darf nicht zu lange dauern. Meine Idealvorstellung ist, dass nach fünf bis zehn Sekunden das Prinzip sowie der Nutzen eines Dienstes oder einer Onlineanwendung klar ist. Nach maximal einer Minute auf der Seite sollten mir auch die wichtigsten Leistungsmerkmale bekannt sein.

Es mag Ausnahmen geben, bei denen es gerechtfertigt ist, wenn der Sinn & Zweck einer Seite nicht sofort deutlich wird. In der Regel sollte aber allen Startups daran gelegen sein, den Besuchern unmissverständlich klarzumachen, worum es geht und was die Vorzüge des Angebots sind. Das galt schon 1999 und hat mit dem Web 2.0 und dessen Vielfalt an neuartigen, komplexen Anwendungen weiter an Bedeutung gewonnen. Leider beherrschen und berücksichtigen noch lange nicht alle Web-2.0-Unternehmen diese “Kunst”.

Dabei geht es nicht darum, mich und eventuell einige andere Blogger und Online-Journalisten glücklich zu machen, die jede Woche auf der Suche nach Stoff für einen guten Artikel zahlreiche Neugründungen unter die Lupe nehmen. Doch wenn schon mit dem Internet stark vertrauten Anwendern der Kernnutzen und das Funktionsprinzip einer Site nicht klar werden, wie soll sich dann ein durchschnittlicher Gelegenheitssurfer zurecht finden? Im Folgenden liste ich zehn Tipps auf, die bei der Planung und Gestaltung der Webpräsenz berücksichtigt werden sollten, um Usern kurz, prägnant und ohne Missverständnisse zu vermitteln, was sie auf einer Seite erwartet.

1. Slogan
In der Regel erscheint der Titel einer Seite im Browser, bevor deren Inhalt geladen wurde. Ein klarer, aussagekräftiger und sinnvoller Slogan im Seitentitel (sowie natürlich auch prominent auf der Seite selbst) sorgt für eine erste, wichtige Orientierungshilfe.

2. Gut sichtbare Beschreibung & Alleinstellungsmerkmal
Auf den ersten Blick sollte dem Nutzer eine sachliche und prägnante Beschreibung des Angebots ins Auge stechen. Es empfehlen sich Schlagworte und kurze Sätze. Gerne darf auch das Alleinstellungsmerkmal des Dienstes aus der Beschreibung hervorgehen: Was ist DIE Eigenschaft, die ihn von anderen Anbietern abhebt?

3. Site-Tour
Als Ergänzung der Beschreibung eignet sich eine Site-Tour, auf der interessierte und neugierige Nutzer mehr über die einzelnen Funktionen und Leistungsmerkmale erfahren. Üblich und praktisch sind Grafiken und Flash-Animationen. Häufig kann auch ein Video gute Aufklärungsarbeit leisten.

4. Feature-Übersicht
Im Rahmen der Site-Tour oder an anderer Stelle macht sich eine Auflistung der tatsächlichen Features sehr gut - z.B. die fünf oder zehn wichtigsten Punkte, die für den Dienst sprechen. Hier sollte man leere Worthülsen und rein werbliche Produkteigenschaften weglassen. Wer mutig ist und sich vor Konflikten nicht scheut, kann auch Unterschiede zur Konkurrenz aufzeigen - diese müssen dann aber Wahrheit entsprechen.

5. Angaben über das Unternehmen
Auch wenn der Großteil der Nutzer sich vermutlich nicht besonders für das Unternehmen hinter einem Webangebot interessiert, so ist ein Link zu einer Seite mit Informationen über die Macher für mich essentiell. Gerade bei englischsprachigen Angeboten, die kein Impressum haben, helfen Angaben zu den Gründern, zum Unternehmen und zum Firmensitz sehr bei der ersten Bewertung und Einschätzung einer Seite. Aber auch bei deutschen Anbietern freue ich mich immer über einige Hintergründe zum Unternehmen. Zumal das Leistungsspektrum des Webangebots dort nochmals treffsicher und sachlich zusammengefasst werden kann.

6. FAQ
Für User, die bereits beim ersten Blick auf die Seite Fragen haben, sollte eine leicht auffindbare FAQ schnelle Antworten liefern.

7. Registrieren leicht machen
Wer sich auf einer Seite registrieren möchte, soll nicht lange nach einem entsprechenden Link suchen müssen. Es gilt, den Zugang für Interessierte so leicht wie möglich zu machen.

8. Zahlen & Beispiele
Um die theoretischen Erklärung praktisch zu verdeutlichen, eigenen sich je nach Thematik aktuelle Zahlen, z.B. über Mitglieder, Beiträge, Videos, Bilder etc. Da allgemein geraten wird, solche Angaben nicht zu veröffentlichen, solange man nur eine geringe Nutzeraktivität vorzuweisen hat, sollte man dies als noch unbekannter Anbieter tun, sobald die Post ab geht. Ansonsten wird man womöglich für unbedeutender gehalten, als man eigentlich ist. Und neue User gehen am liebsten dahin, wo schon andere sind.

9. Werbung
Gerade bei erklärungsbedürftigen, komplexen Web-2.0-Diensten stört übermäßig viel Werbung auf der Hauptseite die Übersicht und sorgt dafür, dass man die gesuchten Informationen über das Angebot nicht findet. Die potentiellen Nutzer, die einem dadurch verloren gehen, hätten bei einer sparsameren Verwendung von Anzeigen auf der ersten Seite als Stammuser langfristig deutlich mehr Werbeeinnahmen generieren können.

10. Weniger ist mehr
Google hat auf “Simplification” seinen Erfolg aufgebaut. Puristische Seiten mit wenigen Grafiken und nur den nötigsten Informationen - diese dafür gut formuliert, unmissverständlich und sachlich. Auch wenn es nicht darum geht, Google nachzuahmen, so sollte man versuchen, sich auf das Wichtige zu konzentrieren und die Übersicht störenden Schnickschnack wegzulassen bzw. auf Unterseiten zu verbannen.

All das sind keine Weisheiten und es wird auch immer Webangebote geben, die sich an keine Richtlinien und Konventionen halten und sehr erfolgreich sind. Wer aber sicherstellen möchte, seine anvisierte Zielgruppe vom Betreten der Seite an den Weg zu weisen und sie nicht wieder verschwinden zu lassen, der kann mit diesen zehn Punkten nicht viel falsch aber manches richtig machen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sergej

    schrieb am 14. August 2007 um 13:04 Uhr (#)

    Sehr fein zusammengefasst. Daumen nach oben.

  2. Martin Weigert

    schrieb am 14. August 2007 um 13:22 Uhr (#)

    Hey Sergej. Danke, freut mich :)

  3. Roland

    schrieb am 19. August 2007 um 12:34 Uhr (#)

    Das soll jetzt keine Werbung hier sein aber würd mich freuen wenn du dir mal esportin (www.esportin.de) ansehen würdest unter dem Aspekt dieser 10 Punkte. Bis auf die FAQ treffen meiner Meinung nach alle zu - aber hätte gern die Meinung von jemand “aussenstehenden” dazu der sich aber auch im Web 2.0 Bereich auskennt ;-)

    Schönen Sonntag noch!

  4. Martin Weigert

    schrieb am 19. August 2007 um 13:10 Uhr (#)

    Hi Roland. Wenn ich zum ersten Mal auf einer Seite vorbeikomme, dann geschieht diese 10-Punkte-Analyse größtenteils unterbewusst. Die zugrunde liegende Frage lautet “Finde ich mich sofort auf dem Webangebot zurecht und erkenne ich in kürzester Zeit, worum es geht”. Bei esportin bleiben eigentlich keine Fragen offen. Eine Site-Tour oder eine Flash-Präsentation könnten sicher nicht schaden. Allerdings bin ich ein absoluter Non-Gamer und damit nicht Teil der Zielgruppe. Gut möglich, dass Zocker keinen weiteren Erklärungsbedarf haben. Insgesamt jedenfalls schön übersichtlich.

    Dir auch einen schönen Sonntag.

  5. Roland

    schrieb am 19. August 2007 um 13:26 Uhr (#)

    Ui das ging ja schnell ;-) Vielen Dank für deine Einschätzung!

  6. jtoth

    schrieb am 27. August 2007 um 00:45 Uhr (#)

    Hallo, ich finde den Artikel super, eine sehr gute Beschreibung zur Verfolgung des Angebots an Web 2.0. Werde ab jetzt auch genauer unter diesen Gesichtspunkten hinschauen.
    Ich hätte eine Frage: Wäre es mögliche, Ihren Artikel ins Rumänische zu übersetzen? Ich arbeite bei einer Seite mit Empfehlungen zu Web und Software mit (www.cnet.ro) und würde das Thema dort weitergeben (nach Absprache mit dem jeweiligen Admin). Unter welcher CC-Lizenz stehen Ihre Artikel? Selbstverständlich würde ich Sie als Autor namentlich nennen und http://www.zweinull.cc erwähnen.

  7. Martin Weigert

    schrieb am 27. August 2007 um 09:03 Uhr (#)

    jtoth, ich habe Dir gemailt.


1 Trackback

  1. Cum recunosc ?i apreciez un sit Web 2.0? | CNET.ro
    (20. September 2007 13:28)

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