Das Ende der Google-Yahoo-Microsoft-Dominanz?
Die Zeiten, in denen Google, Yahoo und Microsoft (GYM) das Internetgeschehen dominierten und sich die dicksten und attraktivsten Brocken aus dem Web-2.0-Teich fischten, sind möglicherweise vorbei. Das deuten eine Reihe von Übernahmen kleiner und großer Startups durch Konzerne aus dem Internet-, Medien- und Non-Medien-Bereich an. Die aktuellsten Beispiele: VentureBeat will erfahren haben, dass der Social-Bookmarking-Dienst Clipmarks vom bekannten New Yorker Wirtschaftsmagazin Forbes Magazine gekauft werden soll. Das Wall Street Journal berichtet von einer geplanten Übernahme der Social-Shopping-Community Kaboodle durch den Medienkonzern Hearst Corporation. Das Unternehmen veröffentlicht in den USA bekannte Magazine wie Cosmopolitan und Marie Claire sowie zahlreiche lokale Tageszeitungen und hält Anteile an diversen Fernsehsendern. Kaboodle hat rund 250.000 registrierte Mitglieder und erreicht zirka zwei Millionen einzelne Besucher pro Monat.
Beide Deals verstärken den Eindruck, dass das Web 2.0 vermehrt ins Visier von Unternehmen rückt, die bisher ausschließlich auf die so genannten klassischen Medien gesetzt haben. Mit der Umschichtung der Werbebudgets von Print und TV ins Internet sehen sich die Konzerne veranlasst, den Werbegelder zu folgen, um am Ende nicht als große Verlierer dazustehen. Früher als Forbes und Hearst erkannte News Corporation die Zeichen der Zeit und erwarb bereits im Juli 2005 das weltweit größte Social Network MySpace. Im September 2006 folgte die Übernahme von 51 Prozent der Anteile des von den Samwer-Brüdern gegründeten Mobile-Entertainment-Anbieters Jamba. Ende Mai diesen Jahres verleibte sich Fox Interactive Media, die Tochterfirma von News Corp, außerdem die Foto- und Videoseiten Photobucket und Flektor ein.
Ein großer Coup war auch die Übernahme des Social Music Networks Last.fm durch den US-amerikanischen Radio- und TV-Anbieter CBS Broadcasting. Mit Amazon sorgt momentan außerdem ein klassisches E-Commerce-Unternehmen für Furore. Vor einigen Tagen gab Amazon bekannt, sich am Social Music Shop AmieStreet zu beteiligen. Mit einem eigenen Bezahldienst will der Onlineshopping-Pionier zudem Paypal, dem zu eBay gehörenden Marktführer bei Onlinezahlungen, Konkurrenz machen. Desweiteren betreibt Amazon verschiedene Webservices für Webseitenbetreiber und Entwickler und befindet sich unter anderem im Besitz des Statistikdienstleisters Alexa sowie der weltweit größten Filmdatenbank IMDb.
Dass die Attraktivität des Web 2.0 und Internets nicht nur von Medienfirmen erkannt wird, zeigen die letzten Akquisitionen des Mobilfunkherstellers Nokia. 2006 kauften die Finnen den Anbieter für Onlinemusik Loudeye und vor zwei Wochen die Foto-, Video- und Musik-Community Twango. Nicht zuletzt verschafft sich auch Apple mit dem iTunes Store, dem bis auf die fehlende UMTS-Eignung sehr online-affinen iPhone und verschiedenen Webservices verstärkt ein Standbein im Netz. Noch geschieht dies zwar in Kooperation mit Google, aber das muss ja nicht immer so bleiben. Auch in Deutschland erkennen mit Burda (u.a. Sevenload), Axel Springer (u.a. Zanox und buecher.de) sowie Holtzbrinck (u.a. studiVZ) zunehmend finanzkräftige Unternehmen, die sich bisher auf klassische Medien konzentriert haben, das Potential des Internetgeschäfts.
Diese Entwicklung ist mehr als zu begrüßen. Die Dominanz eines oder weniger Anbieter ist in keinem auf den Massenmarkt ausgerichteten Wirtschaftsbereich positiv. Verschiedene große, finanzstarke Internetplayer sorgen für mehr Innovation und Wettbewerb und kommen damit allen Nutzern zugute. Nicht zuletzt hilft es auch, eine zu starke Konzentration der von Usern im Netz abgelegten Daten bei einem einzigen Anbietern zu verhindern.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
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