NYT:
Meinungen bald für alle

Florian Steglich, 8. August 2007 17:28 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Logo TimesselectDie New York Times wird ihr Bezahl-Content-Modell Times Select beenden, hat die New York Post herausgefunden. Ein Modell, das auf den ersten Blick gar nicht so desaströs klingt.

Immerhin haben zuletzt knapp 220.000 Abonnenten monatlich 7,95 $ (oder jährlich 49,95 $) bezahlt, um die Artikel (vor allem Kolumnen und Kommentare, aber auch das Archiv zurück bis ins Jahr 1851) bei Times Select lesen zu können. Aber offenbar wiegen die Argumente der größeren Leserschaft, der Erreichbarkeit für Suchmaschinen und der größeren Zahl möglicher Werbeeinblendungen mittlerweile schwerer.

Kein Wunder, meint Scott Karp von Publishing2.com in einer sehr plausiblen Analyse: Im Internet seien so viele kostenlose Inhalte verfügbar, dass “Paid Content” in der Regel nicht mehr attraktiv sei. Und zwar nicht unbedingt erstklassige, professionelle Inhalte, sondern “lediglich” solche, die gut genug sind, um das Informations- oder Unterhaltungsbedürfnis der Nutzer zu befriedigen. Und das dürfte der Knackpunkt sein. Natürlich ist die Vielzahl der Blogs, Podcasts etcetera im Zweifelsfall nicht so “gut” wie der Output einer Vollredaktion, das wird in den nicht tot zu kriegenden Blogs-versus-Journalismus-Diskussionen oft genug betont. Aber das “Gut genug” genügt eben in sehr vielen Fällen. Möglicherweise ist also genau das noch fataler für die eingezäunten Mediengärten, denn die Konkurrenz ist dadurch übermächtig und das Qualitätsbewusstsein im Sinken.

Möglicherweise. Die Gegenthese ist, dass durch das große Angebot an “Gut-genug-Content” das Bedürfnis nach erstklassigem Inhalt steigt; die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Die Zeit steigern ihre Auflagen, vielleicht ein Beleg. Dass sich mit zuletzt kress.de, jetzt der New York Times und demnächst auch Spiegel Online aber viele gegen die Barrieren entscheiden, spricht die andere Sprache.

» Zur Analyse von Publishing2.com

[via hackr.de]

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. marcel weiß
    schrieb am 8. August 2007 um 19:13 Uhr (#)

    Ich denke, Du missverstehst Karp da etwas. Er spricht keineswegs von einem Qualitätsabfall:

    “As smart, talented, and insightful as the New York Times columnists behind the paid wall are, the are too many other smart, talented, insightful commentators publishing their thoughts on the web for free.”

    Ich denke er meint vielmehr, dass online eine riesige Menge an frei erhältichen Content entsteht, von mäßig bis überragend gut, der den Bedarf einfach ausreichend deckt um für Ähnliches noch Geld lockerzumachen. Das muss nicht zwingend von minderer Qualität sein. Und wenn man dann nur die besten Angebote online/free und /paid vergleicht, dürfte die Qualität (subjektiv) nicht sonderlich unterscheidbar sein. DAS ist das Problem des Bezahlcontents. Wo ist der Mehrnutzen für den Konsumenten, der den Preis rechtfertigt?
    Ich denke, interessanter ist, wo das mehr und wo das weniger zutrifft. So kannst Du online kaum Geld verdienen mit Kommentaren zum Tagesgeschehen. Aber vielleicht schon eher mit sehr speziellen und aufwendigen Reportagen. Stichwort: Alleinstellungsmerkmal. Aber auch dort wird es schwierig, weil Dir die Aufmerksamkeitsströme, die Links und Diskussionen, fehlen, um die Konsumenten zu Dir zu lotsen.

    Denn letztlich arbeitet der Siegeszug der partizipativen Medien und untereinander diskutierenden Mikropublikationen gegen jedes Konzept mit eingezäuntem Content, wie ich auch auf meiner Seite kurz ausgeführt hatte.

    Seiten mit Paid Content sind wie kleine Inseln umringt von Pangäa.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 9. August 2007 um 18:28 Uhr (#)

    » Marcel: Richtig, muß nicht zwingend mindere Qualität sein. Aber der Punkt mit dem nicht zwingend guten Content scheint mir der interessante, weil so nicht ganz so oft gehörte. Karp:

    “The web and digital media have generated an overabundance of content ? not just a spike in high-quality content but, more disruptively, and even larger spike in ?pretty good? or ?good enough? content.”

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