Schweizer Fernsehen im Online-Videogeschäft

Peter Sennhauser, 7. August 2007 07:15 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Die Schweizer Rundfunkgesellschaft SRG lanciert “Video on demand” online. Derzeit im Angebot: Vier (4) Dokumentationen, eine (1)Animation, ein (1) Kurz- und fünf (5!) Spielfilme. Und das alles sehr bequem (hüstel).

Tja, das wars denn auch schon. Fünf deutschsprachige Spielfilme finden sich auf dem grossartig angekündigten Schweizer Video-On-Demand-Portal der SRG. Eine gloriose “Idée Suisse”, das. Vor allem auch die Lancierung in der Webdomäne des Schweizer Farbfernsehens: Die Gebührenzahler werden sich freuen, beim Staatsbetrieb jetzt die von ihm mit seinen Abgaben kofinanzierten Filme gegen nochmalige Bezahlung herunterladen zu dürfen – bei einer per “Digital Rights Management” auf 48 Stunden beschränkten Abspieldauer. Und einem grossartigen, nur Windows-fähigen Bezahlsystem. Siehe Bildroman unten:

Aus der Pressemeldung der Schweizerischen Depeschenagentur:

Seit dem letzten Abkommen im Jahre 2006 fliessen jährlich 19,3 Millionen Franken der SRG in den Schweizer Film. Damit ist die SRG eine der wichtigen Säulen der Schweizer Filmproduktion. Zudem stellt die SRG für dieses Jahr eine Summe von 500′000 Franken als Promotionsförderung zur Verfügung.

Zunächst wecken die “Allgemeinen Geschsbedingungen” des “Schweizer Fernesehens” die erste “Mchkeit” einer Erheiterung:

Und dann wirds ganz schnell traurig: Download im Windows-WMV-Format, 1 Gigabyte grosser Film bei 350KB/s = knapp eine Stunde downloadzeit.

Ein Klick auf das zu 7% heruntergeladene File fördert Folgendes zu Tage:

Und danach das hier:

Und dann das, im Browser Opera (auf Windows – mein Notebook hat nur so ein nettes Theme, das aussieht wie Aqua auf Mac…):

ie

Und damit wäre ich eigentlich schon weg. Nebenbei: Einen Link, um den Paypal-Bezahlknopf in den IE zu kopieren, gibts nicht – der Explorer muss also als Standardbrowser definiert sein. Aber für Euch tue ich alles, also mache ich den IE zum Standardbrowser. Nun:

Und weiter gehts mit ein paar Eingabefeldern ( und nochm. tollen Abkürz.), Zum Glück habe ich ein Paypal-Konto.

Nach dem Bezahlen (das kleine Blaue da unten, das ist ein Button, den man klicken muss. Wer wartet, kann das tun, bis er schwarz wird….):

Das wars ja auch schon! Das war ja einfach, nicht?

Himmel. Würde ich in diesem Land Gebühren bezahlen, ich würde allein schon wegen Netflix in die USA auswandern.

Und dann noch die Krönung beim Abspielen: Rückspulen, nochmals von vorn gucken? Fehlanzeige. Geht nicht. Microsofts DRM macht keine halben Sachen: Einmal gucken bezahlt heisst einmal gucken.

Angesichts von derlei Projekten fange ich gaaaaanz Sachte an zu verstehen, worum es jenen Kreisen in der Schweizer Politik gehen könnte, die finden, dass die SRG nichts im Internet verloren habe.

Nur gehts ihnen eben grade nicht darum, dass SF mit peinlichen Anwendungen und mageren Inhalten einen kläglichen Geschäftsversuch lanciert.

Sie wollen der Organisation vielmehr verbieten, ihre hochwertigen und je länger je mehr einzigartigen Nachrichtenstoffe “gratis” im Internet zu verbreiten, weil das nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört.

Herrschaften: Hier ist mal was, was Ihr den SRG-Verantwortlichen wahrlich ankreiden könnt. Das Online-Zeug ist ganz offensichtlich weder eine Kern- noch irgendeine sonstige Kompetenz der SRG. Die kann ja nicht mal das Schweiz. Ferneseh. richtig schreiben.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Graxel
    schrieb am 7. August 2007 um 11:13 Uhr (#)

    Mmmh, wirklich sehr überzeugend dieses Angebot. Das steigert doch tatsächlich die Lust, sich einmal einen richtig schweizerischen Film zu Gemüte zu führen…

  2. Oliver
    schrieb am 7. August 2007 um 13:39 Uhr (#)

    Also ich hatte keine Probleme mit dem Video-on-Demand-Portal der SRG. Der 10-minütige Kurzfilm war in zwei Minuten runtergeladen und in einer weiteren Minuten bezahlt. Ich konnte ihn problemlos Speichern, zurückspulen, abbrechen und nochmals von vorne beginnen. Die Qualität war einwandfrei.
    Peinlich finde allerdings auch ich, dass die AGB von Rechtschreibefehlern nur so strotzen und ja, das Angebot ist bislang mehr als mager.
    Man kann lange darüber diskutieren, was die SRG im Internet soll, muss, oder darf. Wenn ich die SF-Homepage allerdings mit den Zeitungs-Homepages einiger durchaus renommierter und finaziell potenter Medienhäuser vergleiche, muss ich feststellen, dass das SF vielen davon meilenweit voraus ist.

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