Neuster Google-Trick:
Wir basteln uns eine virtuelle Salesforce

Andreas Göldi, 7. August 2007 01:56 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Google will weiterhin stark im lukrativen Markt für lokale Werbung wachsen. Die bisher dort tätigen Vehikel wie Gelbe Seiten, Lokalzeitungen und dergleichen sind zusammengenommen nämlich einer der grössten (und vor allem profitabelsten) Werbemärkte überhaupt. Werbung an Abertausende von Kleinunternehmen zu verkaufen, lohnt sich sehr. Man braucht sich nur mal die Gewinne der Gelbe-Seiten-Firmen anzuschauen.

Das Problem für Google ist nur: Alle diese Konkurrenten haben lokale Verkaufsmannschaften. Hunderte von Verkäufern klappern täglich Friseursalons, Metzger- und Bäckereien, Restaurants und alle möglichen anderen kleinen Firmen ab, um denen Werbeeinträge zu verkaufen. Beispiel: LTV, der führende Gelbe-Seiten-Verlag in der Schweiz, beschäftigt allein schon 400 Aussendienst-Mitarbeiter.

Da Google ja nicht so gern Nicht-Programmier anstellt, hat man sich in Mountain View nun eine andere Problemlösung überlegt: In den USA können Möchtegern-Verkaufstalente jetzt nämlich “Google Business Referral Representative” werden und als Nebenjob Einträge in Google Maps verkloppen. Wer mit Digitalkamera und Notizblock bewaffnet lokale Firmen abklappert, deren Daten aufnimmt, ein Foto des Ladens macht und den Besitzer über die wundervollen Werbemöglichkeiten auf Google “informiert”, kann bis zu … gasp … $10 pro Eintrag verdienen.

Das ist vielleicht nicht wahnsinnig viel für vermutlich locker eine gute Stunde Arbeit pro Kunde, aber die Leute machen das sicher ja primär aus Begeisterung für Google und nicht aus schnödem Profitstreben. So muss man auf dem Anmeldeformular denn auch angeben, warum man denn gern freiberuflicher Google-Verkäufer werden will, und die Begründungen “Ich will lokale Firmen zu Google Maps hinzufügen” und “Ich interessiere mich für Google-Produkte” sind die prominentesten Optionen. Immerhin steht da auch noch irgendwo “Ich will Geld verdienen”, denn das könnte bei einigen wenigen Interessenten ja auch der Fall sein. Aber bitte nur in zweiter Linie. “Do no evil” und so.

Mal im Ernst: Was denkt Google eigentlich, was für eine Art von Leuten man mit so einem Programm anzieht? Gut, vielleicht sind ein paar Studenten dabei, die sich ein Zubrot verdienen wollen, aber ansonsten wird man da nicht gerade die höchste Kompetenzstufe an Online-Verkäufern zusammenkriegen. $10 sind zwar immerhin fast das Doppelte des amerikanischen Mindeststundenlohns, aber trotzdem: Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass da plötzlich recht zweifelhafte Gestalten den Google-Brand vertreten werden.

Denn eins weiss man, wenn man mal mit solchen Verkaufsmannschaften auch nur von weitem zu tun hatte: Die Qualität des Verkaufspersonals zu managen, ist eine echte Herausforderung. Nicht umsonst haben beispielsweise Telefongesellschaften immer wieder mal Probleme mit Kundenklagen über ihre aggressiven Haustürverkäufer. Vielleicht zahlt Google darum keine echte Kommission auf die Werbeumsätze, sondern nur eine Flat Fee pro Eintrag. Aber ob man damit wirklichen Erfolg haben wird, darf man nun wirklich bezweifeln.

Unter dem Strich ist es aber vor allem interessant, dass Google mit diesem Programm implizit zugibt, dass man nicht die ganze Bevölkerung rein virtuell erreichen kann, sondern halt am Schluss doch wieder “Boots on the ground” braucht, wenn man in der breiten Masse verkaufen will.

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