Mobile Tagging:
Hyperlinks im realen Leben

Martin Weigert, 20. Juli 2007 20:55 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Als ich das erste Mal von Hyperlinks im realen Leben las, klang das für mich absurd. Wie sollte das funktionieren und wozu könnte es gut sein? Doch tatsächlich ist das so genannten “Mobile Tagging” eine sehr simple und praktische Sache, die den (mobilen) Internetalltag in Zukunft stark vereinfachen kann. Beim Mobile Tagging wird ein 2D-Barcode auf einem beliebigen Objekt angebracht. Dieser Code enthält einen Link zu einer Website. Mit geeigneten Smartphones und PDAs, die über eine Kamera und einen installierten Barcode-Reader verfügen, kann der Code fotografiert werden. Die Reader-Software liest den enthaltenen Link und öffnet ihn im Browser des Mobiltelefons. Je nach Hersteller, Handymodell und Art des 2D-Barcodes existieren unterschiedliche Reader-Programme. Mit einer Standardisierung der Mobile-Tagging-Technologie ist zu erwarten, dass sich ein oder zwei Systeme durchsetzen werden.

Doch was bringt dieses Verlinken von Objekten eigentlich? Mit der zunehmenden Verbreitung mobiler Internetzugänge wächst auch die Zahl der Gelegenheiten, in denen Menschen von unterwegs Informationen aus dem Netz laden möchten. Sei es auf dem Bahnhof, um schnell aktuelle Fahrplanergänzungen abzurufen, oder im Elektronikmarkt, um an zusätzliche Infos zum Produkt zu kommen. Das Eintippen von Internetadressen in Handys ist aber umständlich. Gerade bei längeren URLs mit Subverzeichnissen oder kryptischen Session-IDs wäre eine komfortablere Möglichkeit, auf die jeweilige Website zu gelangen, sehr praktisch. Mobiles Tagging ermöglicht genau das. Nach dem Fotografieren eines Barcodes wird man automatisch auf die festgelegte Seite geleitet. Das ist bequem und kostet wenig Zeit. Um auf mein Beispiel zurückzukommen: Im Bahnhof könnte ein Barcode, angebracht neben dem regulären Fahrplan, auf die entsprechende Informationsseite der Bahn leiten, im Elektronikfachgeschäft auf eine Webseite mit weiteren Produktdetails.

Abgesehen vom Nutzen in Alltagssituationen ist Mobile Tagging für Werbetreibende von großem Interesse. In nahezu allen nur vorstellbaren Situationen, in denen über den begrenzten Platz einer Außenwerbefläche hinaus weitere Informationen, Kontaktmöglichkeiten oder eine Bestellmöglichkeit angeboten werden sollen, reicht ein gut sichtbarer Barcode mit einem entsprechenden Hinweis zur Erfüllung dieses Zwecks aus. Der Barcode-Dienstleister ShotCode zeigt in folgendem Video, welche Einsatzmöglichkeiten Mobile Tagging für Unternehmen bietet:

Eine anderes Scenario des mobilen Taggings stellt die Vermittlung von Wissen zu Objekten und Gebäuden dar. Das Ziel von Semapedia ist es, die physische Welt mit dem Wissen, das wichtig ist, zu verbinden. Nutzer von Semapedia wählen einen Wikipedia-Artikel zu einem Gegenstand in ihrer Nähe und erstellen auf der Seite einen dazugehörigen Barcode. Sie drucken diesen dann aus und bringen ihn gut sichtbar auf dem Objekt an. Interessierte, die an diesem Objekt vorbeikommen und mehr darüber wissen wollen, nutzen die Kamera und den Code-Reader des Mobiltelefons, um zum verknüpften Wikipedia-Artikel zu gelangen.

Um Mobile Tagging für eine große Nutzerzahl interessant zu machen, müssen sich noch Standards entwickeln und die Kosten für mobiles Internet weiter sinken. In ein oder zwei Jahren wird dies hoffentlich erreicht sein. Dann kann Mobiles Tagging breiten Einzug in den Useralltag halten und sowohl für Benutzer als auch für Lieferanten von Informationen viele praktische Anwendungen mit sich bringen.

Ein umfangreiches PDF zum Thema “Mobile Tagging” bietet Pixelpark (via Computerwoche).

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Benedikt

    schrieb am 24. Juli 2007 um 13:55 Uhr (#)

    Interessanter Beitrag. Ich kannte das bisher in der umgekehrten Variante, z.B. von Berners-Lee/Hendler/Lassalia 2001 beschrieben: als Ausdehnung des semantischen Webs in die physische Umgebung, also URIs, die nicht auf Internetressourcen verweisen, sondern auf Gegenstände wie Mobiltelefone, Fernseher etc. Das Ankleben von Barcodes zur “Zurückverlinkung” der physischen Umwelt erscheint mir aber doch ein bisschen zu umständlich.

  2. Martin Weigert

    schrieb am 24. Juli 2007 um 15:59 Uhr (#)

    Ich denke auch, dass sich Mobile Tagging primär für Unternehmen und Einrichtungen eignet, die mobilen Internetnutzern eine bequeme (und besser steuerbare) Möglichkeit bieten wollen, zu einer bestimmten Website zu gelangen.


3 Trackbacks

  1. Doktorsblog
    (23. Juli 2007 15:01)
  2. Erfreuliches aus der Zeitungswelt: Welt Kompakt verlinkt mit 2D-Codes » Beitrag » zweinull.cc
    (9. November 2007 09:28)
  3. missfitsbiz » Blog Archive » Der Backlink aus der realen Welt: 2D Codes in Deutschland
    (17. März 2008 08:55)

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