Xing öffnet sich für Drittanbieter – macht das Sinn?

xing.gifNach MySpace und LinkedIn hat nun auch Xing angekündigt, seine Seite in Kürze für externe Anbieter zu öffnen. Das berichtete das Handelsblatt gestern in seiner Onlineausgabe. Xing erhofft sich offenbar, mit diesem Schritt einen ähnlichen Erfolg zu erzielen wie Facebook. Das Social Network verzeichnet zwei Monate nach dem Start seiner Entwicklerplattform mehr als 2000 Applikationen anderer Anbieter sowie einen enormen Popularitätsschub. Doch es stellt sich die Frage, ob dieser Schritt für Xing tatsächlich sinnvoll ist.

Während Facebook hauptsächlich eine Freizeitbeschäftigung darstellt, handelt es sich bei Xing um ein Business-Netzwerk. Facebook nutzt man, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, ggf. um neue Menschen kennenzulernen und Interaktion zu betreiben. Dafür können gut und gerne einige Stunden am Tag drauf gehen. Sich die Zeit vertreiben möchte bei Xing niemand. Wer sich dort einloggt, sucht nach einer Telefonnummer, möchte einen neuen Kontakt zu seinem Adressbuch hinzuführen oder hat ein anderes, im weiteren Sinne berufliches Anliegen. Da chronischer Zeitmangel für die meisten Berufstätigen ein großes Problem ist, möchte man als Xing-Nutzer sein Anliegen schnellstmöglich erledigen und dann zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen.

Doch gerade die Applikationen bei Facebook beanspruchen viel Zeit. Wer selbst einige ausprobiert hat, weiß, dass diese im Prinzip wenig Nutzen haben und primär dafür gut sind, zu unterhalten und die eigene Person noch umfangreicher darzustellen: Welche Musik hat man gerade gehört, wo in der Welt macht man gerne Urlaub und wer sind die Lieblingsfreunde. Solche Funktionen sind ideal für die Individualisierung des Profils. Eine echte Problemlösung stellen sich aber nur selten dar. Natürlich gibt es auch “ernsthafte” Applikationen, wie Office-Tools oder Funktionen zum Teilen von Dateien. Dabei handelt es sich aber meist eher um “Gimmicks”, die nicht mit außerhalb von Facebook verfügbaren Angeboten mithalten können. All das, was im Freizeit- und Unterhaltungsumfeld von Facebook wunderbar funktioniert, ist für ein Business Network kontraproduktiv.

Der Erfolg oder Misserfolg einer offenen Xing-Entwicklerplattform hängt davon ab, welche Art von Applikationen verfügbar sein werden. Ich als langjähriger Xing-Nutzer vermisse derzeit nichts, was in Form einer Applikation meinem Profil hinzugefügt werden könnte, lasse mich aber gerne überraschen. Ein echtes Bedürfnis nach zusätzlichen “Spielereien” bei Xing habe ich aber nicht und fände es schade, wenn die Übersichtlichkeit der Profile anderer Nutzer durch unzählige sinnvolle/sinnlose Applikationen beeinträchtigt würde.

Nebenbei berichtete das Handelsblatt im gestrigen Artikel, dass Xing in wenigen Tagen eine Newsfeed-Funktion starten wird. Wie bei Facebook wird man dann fortlaufend über neue Kontakte der Kontakte, Profiländerungen und Ähnliches informiert. Je nach Umsetzung kann das zu einer sehr interessanten Funktion werden, die die Anzahl von Profilbesuchern ordentlich in die Höhe treibt. Aber auch hier lauert eine Gefahr: Als Facebook im September vergangenen Jahres den Newsfeed einführte, sorgte dies für Boykottaufrufe und Empörung bei vielen Facebook-Usern. Diese sahen damit für Stalker Tür und Tor geöffnet. Da deutsche Nutzer im Vergleich zu den US-Amerikanern allgemein noch mehr Wert auf Datenschutz legen, ist hier sehr vorsichtiges Vorgehen angeraten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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10 Kommentare

  1. Jan
    schrieb am 19. Juli 2007 um 12:47 Uhr (#)

    Sollte nicht auch eine API für XING kommen!? Habe ich den Start verpasst, oder wurde die Idee stillschweigend wieder fallen gelassen?

    btw: Was ist das für eine Checkbox UNTER dem Kommentarfeld!? Könnte Probleme bei der E-Mail-Benachrichtigung geben, wenn ihr sie so stehen lasst.

  2. marcel weiss
    schrieb am 19. Juli 2007 um 15:57 Uhr (#)

    Die Frage, was das für Xing-Nutzer bringen soll, hab ich mich auch schon gefragt. Man wird sehen.

    Die Facebook-apps als Gimmicks abzutun, ist aber ein wenig untertrieben. Es gibt schon praktische Geschichten, dopplr zB. Und sehr viel mehr wird kommen. Das hat ja erst angefangen. Sachen wie dopplr würden sich zB auch gut bei xing machen.

  3. Rafa
    schrieb am 19. Juli 2007 um 17:22 Uhr (#)

    Hin oder her: Ich denke, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist eine Applikation zu öffnen. Ob das jetzt von Nutzen ist oder nicht. Auf jeden Fall hat man mehr Möglichkeiten, die man aber auch nicht nutzen muss, wenn man nicht will. Es zwingt ja niemand einen.

    Und interessant kann es auf jeden Fall werden.

  4. Martin
    schrieb am 19. Juli 2007 um 17:35 Uhr (#)

    @ Jan

    Es gab dazu ja vor einigen Monaten ein paar Blogbeiträge – zumindest offiziell scheint sich da aber nichts getan zu haben. Oder weiß jemand mehr?

    Danke für den Hinweis, die Checkbox muss da natürlich weg ;)

    @ Marcel

    Zumindest die meisten Facebook-Apps sind für mich Gimmicks. Eine wirklich nützliche Anwendung, ohne die ich mein Social-Network-Leben nicht mehr führen könnte, habe ich noch nicht entdeckt. dopplr kenne ich nicht, werde ich mir angucken.

    @ Rafa

    Klar, es ist sicher erst mal kein falscher Schritt. Wenn aber zuviele Xing-Nutzer sich ihre Profile mit sinnlosen Dingen zuknallen, dann wäre das für mein Empfinden ein Qualitätsverlust für ein Business Network. Wie geschrieben, es kommt auf die Art der Apps an.

  5. marcel weiss
    schrieb am 19. Juli 2007 um 18:26 Uhr (#)

    @martin auch auf die Gefahr hin zu nerven, weil ich fast jeden deiner Texte auseinandernehm ;) hier ein zitat von dir:

    “Doch gerade die Applikationen bei Facebook beanspruchen viel Zeit. Wer selbst einige ausprobiert hat, weiß, dass diese im Prinzip wenig Nutzen haben und primär dafür gut sind, zu unterhalten”

    Dem kann ich einfach nicht zustimmen. Klar, ist der Großteil der Apps gimmicky. Das aber auf das Wesen von Apps bei SNs zu übertragen: neee. Zum einen dient FB als Anlaufstelle und Vereinigung für verschiedene Webdienste, bringt also den Nutzen nicht durch einzelne Apps sondern durch das Zusammenfügen. zum anderen, wie gesagt: fb ist erst seit ein paar Wochen offen. Was da in den nächsten Monaten noch kommt, kann gar niemand ahnen. außerdem gibt es sehr wohl schon viele nützliche apps für fb. man muss nur sachen wie die zombie-app einfach links liegen lassen. integration von dopplr und 30boxes zum Beispiel sind grandios.

    und xing, je länger ich darüber nachdenk desto mehr sinnige Dinge fallen mir da ein. spezielle onlinkollab-apps für webworker zum beispiel. xing-integriertes IM wäre auch eine möglichkeit.
    Doch, das ergibt schon Sinn.
    Wie Rafa schon sagt, es liegt letztlich an jedem Nutzer selbst.

  6. marcel weiss
    schrieb am 19. Juli 2007 um 18:27 Uhr (#)

    P.S.: Trotzdem gute und wichtige Gedanken im Text.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. Juli 2007 um 18:47 Uhr (#)

    Ich würde im Falle Xing nicht ausschließlich die Reaktion der Nutzer dafür heranziehen, um zu beurteilen, ob es für Xing ein sinnvolles Unterfangen ist. Vielleicht denke ich ein wenig altmodisch, doch für mich unterscheidet sich ein Business SN von einem Leisure SN. In einem Business SN müssen Dinge schnell und effizient von statten gehen, in einer Freizeit-Plattform dürfen Sachen auch mal länger dauern. Möglicherweise bietet die Zukunft tatsächlich Apps, die zeitsparendes und komfortables Arbeiten innerhalb eines SNs ermöglichen. Aktuell ist dies jedoch beim Großteil der Apps in Facebook nicht der Fall. Und mal ehrlich: Wer verwendet heutzutage eine Facebook App, um kollaborativ zu arbeiten??? Aber zurück zu den ganzen Spaß-Apps: Bei Xing wären iLike & Co ein Flop. Und selbst wenn Xing-Nutzer derartige Apps in ihre Profile einbauen würden, so würde es den Kernnutzen eines Business SN in meinen Augen verwässern. Langfristig könnte das ein Business SN und dessen Marke beschädigen.

    So gesehen hoffe ich, dass man die ganze Aktion so gestaltet, dass Xing nicht mit Apps zugemüllt wird.

  8. marcel weiss
    schrieb am 19. Juli 2007 um 19:23 Uhr (#)

    Stimmt, ilike co haben auf xing nichts zu suchen.

  9. Duden
    schrieb am 22. Juli 2007 um 01:06 Uhr (#)

    Sinn macht das gar nicht!
    Es kann höchstens Sinn ergeben. Das ist aber wieder eine andere Frage…

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 22. Juli 2007 um 10:00 Uhr (#)

    Wohl zuviel Zwiebelfisch gelesen, oder? ;)
    Danke für die Belehrung.

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