Facebook-Epidemie im hohen Norden
Ich wohne und arbeite derzeit in Stockholm. Die Schweden sind ein dem Internet sehr aufgeschlossenes Volk. Das Land mit neun Millionen Einwohnern liegt im weltweiten Vergleich unter den Spitzenländern hinsichtlich der Anzahl prozentualer Internetnutzer und auch in Bezug auf die Breitbandpenetration. Schweden lieben ihre zahlreichen schwedischsprachigen Webangebote, sind aber gleichzeitig offen für internationale Dienste. Da von Jung bis Alt die meisten Menschen gutes oder sehr gutes Englisch sprechen, stellt das Nichtvorhandensein einer schwedischen Sprachversion in der Regel kein Problem dar. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Facebook in Schweden eine große Anhängerschaft gewinnen konnte. Doch welche Ausmaße der Facebook-Hype hier in den letzten Wochen angenommen hat, ist schon beeindruckend.
Obwohl es zahlreiche andere Social Networks und Community-Dienste gibt, scheint es so, als hat für die meisten jungen Leute zwischen 20 und 30+ Jahren derzeit nur Facebook Relevanz. Innerhalb eines Monats haben sich mindestens 15 Kollegen von mir dort angemeldet - und wir sind kein Internet- oder Web-2.0-Unternehmen. Die Anzahl von Gesprächen mit Freunden oder Kollegen, bei denen in den vergangenen Wochen das Stichwort “Facebook” fiel, ist zweistellig. Die Folge: Wer selbst noch nicht angemeldet ist, wird solange mit dem Thema konfrontiert und bearbeitet, bis er sich einer Anmeldung nicht mehr entziehen kann. Während das Network “Germany” momentan 44.000 Mitglieder hat, kommt “Sweden” bereits auf 72.000 - bei nur einem Zehntel der Bevölkerung Deutschlands. Da nicht alle User einem Landes-Netzwerk beitreten, liegt die Zahl der Mitglieder aus beiden Ländern jeweils etwas höher.
Im Nachbarland Norwegen sieht es für Facebook noch besser aus. emerge, einer der führenden schwedischen Internet- und Web-2.0-Blogs, bezeichnet die Situation in Norwegen als “Facebook-Epidemie”. “Es wirkt, als wenn das Community-Phänomen gerade erst Norwegen erreicht hätte und die Norweger nun ein bisher nicht befriedigtes Bedürfnis stillen können”, so emerge. Im Network “Norway” sind knapp 300.000 Mitglieder. Bei 4,7 Millionen Einwohnern immerhin fast zehn Prozent der dortigen Internetbevölkerung.
Neben der Affinität zu englischsprachigen Internetangeboten spielt für die Beliebtheit von Facebook auch die Tatsache eine Rolle, dass es keinen skandinavischen Klon gibt. Die meisten anderen Social Networks richten sich entweder an Teenager oder haben eine bestimmte Ziel- bzw. Interessengruppe im Visier (Dating, Musik, Spiele etc.). Facebook dagegen steht der gesamten (gebildeten) Masse offen. Gerade das kommt an in Skandinavien, wo der Drang, sich einer Subkultur anzuschließen und von anderen abzuheben, noch nicht so ausgeprägt ist wie anderswo.
Neben Usern aus Norwegen und Schweden sind auch die Briten stark in Facebook vertreten. Im Norden unseres Kontinents entsteht damit Europas erste Facebook-Bastion - ohne dass das Social Network irgendetwas dafür getan hätte. Meine Freundesanfragen aus Deutschland erhalte ich nach wie vor ausschließlich über studiVZ. Die Frage, wie lange das so sein wird, bleibt aktuell.
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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(21. Juli 2007 15:39) - Aufgepasst, ich komme… - Sajonara.de - Internetmagazin
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(11. Oktober 2007 11:34)
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ikonos
Na wenn das mal kein Grund für studiVZ ist nach Skandinavien zu expandieren….
oder tun sie das schon?
Martin Weigert
Bisher noch nicht. Der Markt ist natürlich trotz aller Vorzüge vergleichsweise klein. Und meine persönliche Meinung: Dort, wo Facebook sich einmal ausgebreitet hat, kann studiVZ mit seinem viel geringeren Funktionsumfang nichts mehr holen.