medienlese – der Wochenrückblick

20min Schreibfehler, ein Blog, das sich dem Aufspüren von Rechtschreibefehlern der Gratiszeitung 20 Minuten verschrieben hat, erhielt offenbar elektronische Post aus der Redaktion: “Wo gehobelt wird, fallen Spähne. Und wo schnell gehobelt wird, fallen noch mehr Spähne. Aber wir haben das Problem erkannt und werden per 1. August ein Korrektorat einsetzen. Damit sollte sich die Fehlerquote massiv reduzieren. Freundliche Grüsse”. Die Jagd nach den Fehlern, die viele als kleinlich einschätzen, hat dennoch konkrete Aussagen hervorgebracht. In nur 20 Tagen wurden nach Angaben des Bloggers über einhundert Rechtschreibefehler gefunden. Eines der Online-Projekte der NZZ, NZZ Campus, wird ab dem 25.09.2007 gedruckt und die bisherige Beilage “Studium und Karriere” ersetzen. “Unter Anleitung der Redaktion” werden auch Blogger Texte beisteuern. Die Anzahl und Auflage von in der Schweiz erscheinenden Kaufzeitungen ging zurück: “1939 erschienen in der Schweiz noch 406 verschiedene Titel. Danach ging diese Zahl kontinuierlich um rund die Hälfe zurück. 1950 sank die Zahl unter 400 und 1980 unter 300. 2006 wurden noch 205 Titel gezählt.”

Zeit-Kolumnist Harald Martenstein änderte seine Strategie. Statt wie bisher Schmähbriefen “eisig-korrekt” zu entgegnen, will er neu stets die im Brief angeschlagene Tonlage wählen. So beantwortete er einen Leserbrief, der ihm vorschlug, die Fresse zu halten, so: “Sie haben Gehirn und Seele eines Dobermanns. Wenn Sie Hautausschlag kriegten, wäre es mir sehr recht.”

Exponenten des Tages-Anzeigers und der NZZ zofften sich. (jr) schrieb in einer Bildunterschrift, den Artikeln in der NZZ würde es meistens an Anmut fehlen, worauf NZZ-Redaktor Andreas Honegger einen Leserbrief schrieb: “Das war nun wirklich ein Hick unter der Gürtellinie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Werdstrasse.” Er beklagte sich darin über “dumme Sprüche” und “peinliche Anwürfe”, die “weder witzig noch bissig, noch geistreich sind”. Übrigens, weiss jemand, was ein Hick ist? In Ermangelung eines Dudens konnte ich nur bis zur Definition in der englischen Wikipedia vorstossen: “Hick is a derogatory term for an unsophisticated person from a rural area.” Blogger begaben sich in die Badeanstalt, fotografierten sich nicht in der Kabine umkleidende Menschen und empörten sich über deren Nacktheit. Die britische Regierung wollte zum Klimaschutz verstärkt gegen rülpsende Kühe und Schafe vorgehen und David Beckham begann zu bloggen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. monarch
    schrieb am 16. Juli 2007 um 08:39 Uhr (#)

    Übrigens, weiss jemand, was ein Hick ist?

    “Hick” ist das schweizerdeutsche Wort für eine Kerbe oder Scharte. Anwendungsbeispiel: Kinder, die mit dem Besteck auf den Tisch trommeln (“mach das nöd, das git Hick in Tisch!”).
    In Bern sagt man dem Hick übrigens “Näggi”. Vgl. auch “dä hett äs Näggi ab” = der ist nicht ganz normal. Womit wir wieder beim Thema Bildunterschriften sind …

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 16. Juli 2007 um 09:01 Uhr (#)

    @Monarch: Na dann war der Angriff also nur ein wenig unter der Gürtellinie.

  3. monarch
    schrieb am 16. Juli 2007 um 11:34 Uhr (#)

    Unter der Gürtellinie spielt die Höhe meist keine Rolle mehr. Aber solangs nur ein Hick ist und keine Beule …

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