Noch ein Social Network für Studenten – sogar mit Chancen

studinet1.jpgJedem, der momentan plant, ein Social Network für Studierende auf die Beine zu stellen, würde man wohl sofort abraten. Der Markt ist aufgeteilt und nahezu gesättigt. International dominiert Facebook, in Deutschland und Europa ist studiVZ der Big Player. Trotz Funktionsarmut wächst die Holtzbrinck-Community unaufhörlich. Die reine Masse der registrierten User macht es. Und doch versucht es mit studi.net nun noch ein neuer Anbieter, Studierende in sein Social Network zu locken. Im Gegensatz zu den vielen Imitaten der beiden erfolgreichsten Studenten-Netzwerke geht der Dienst aus Marburg dabei eigene Wege und macht das sogar ziemlich gut.

Es liegt in der Natur eines Social Networks, dass die Nutzer sich mit Profilen darstellen und miteinander in Kontakt treten können. Da macht studi.net auch keine Ausnahme. Doch der Aufbau des Mitgliederbereiches sowie die Navigation unterscheiden sich von studiVZ & Co – eigentlich schlimm, dass man das mittlerweile schon als Pluspunkt zählen muss. Das Design ist simpel und gefällig, könnte an einigen Stellen aber noch einen wenig mehr “Kick” vertragen.

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten verfügt studi.net über mehr Möglichkeiten, Mediadateien zu veröffentlichen. Im “Media Center” gibt es neben den obligatorischen Fotoalben eine integrierte Videosharing-Funktion. Videos bis 100 MB Größe können direkt hochgeladen und anderen Nutzern präsentiert werden. Die Clips haben eine Bewertungsfunktion, die Populärsten von ihnen werden an verschiedenen Stellen in der Community prominent gefeatured.

Eine andere nützliche Sache ist der Bereich «Online Resources«. Dort kann von den Usern Studien-Material hochgeladen werden, also z.B. Skripte, Präsentationen, Handouts etc. Vor dem Upload muss bestätigt werden, dass man der Urheber des Materials ist bzw. dieses veröffentlichen darf. Wer sich eine Datei herunterladen möchte, muss dafür mit so genannten studi.points bezahlen. Diese erwirbt man durch ein aktive Teilnahme an der Community. Die Points soll man in Kürze auch für den Zutritt zu Extra-Bereichen oder für andere Spezial-Funktionen verwenden können. Je aktiver ein Mitglied bei studi.net ist, desto mehr Möglichkeiten erhält es, diese zu nutzen.

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal von studi.net ist aber eigentlich ein anderes. Die verschiedenen nationalen Versionen von studiVZ sind nicht miteinander verbunden – ein länderübergreifendes Networking ist also nicht möglich. Wer beim deutschen studiVZ angemeldet ist, kann kein Nachrichten an User der französischen Plattform schicken. Bei Facebook dagegen ist zwar die Community international, dafür fehlt die deutsche Sprachversion und Lokalisierung. studi.net versucht, beides unter einen Hut zu bringen: Die Seite ist in zahlreichen Ländern über nationale Domains und landessprachliche Loginseiten zu erreichen, doch das Netzwerk ist länderübergreifend. Dies ist ein sehr sinnvoller Ansatz. Mit studi.net ist es also möglich, einerseits mit allen Freunden aus Deutschland in der lokalen, deutschen Version in Kontakt zu bleiben, als auch internationale Bekanntschaften zu pflegen. Die Betreiber von studi.net sollten sich damit beeilen, auch den Mitgliederbereich in die lokalen Sprachen zu übersetzen – der ist derzeit unabhängig von der angewählten Domain auf Englisch. Abgesehen davon muss man sich fragen, ob der Name studinet.pl studinet.ru oder studinet.cn in Polen Russland bzw. China wirklich funktioniert – immerhin gehört das Wort «studi« dort wohl nicht zum Vokabular.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass es studi.net gelingt, eine so große Zahl Studierender von studiVZ (und Facebook) abzuwerben, dass ein Netzwerkeffekt entsteht. Ganz auszuschließen ist es aber zumindest in Deutschland nicht. Studi.net hat einiges dafür getan, sich von seinen Konkurrenten positiv abzuheben. Das Mediacenter sowie der länderübergreifende Ansatz sind eindeutige Pluspunkte. Wenn der Mitgliederbereich nun schnell lokalisiert und sprachlich angepasst wird, einige Bugs behoben werden sowie das Design den letzten Feinschliff erhält, dann ist studi.net durchaus eine chancenreiche Zukunft vorauszusagen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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9 Kommentare

  1. Markus
    schrieb am 13. Juli 2007 um 20:50 Uhr (#)

    Danke für die ausführliche Vorstellung von studi.net.

    Das länderübergreifende Netzwerk schient mir – gerade für Studierende, die einen Auslandsaufenthalt planen oder bereits absolviert haben, ein großer Vorteil zu sein.

  2. Martin
    schrieb am 14. Juli 2007 um 13:10 Uhr (#)

    Genau. Immerhin haben viele Studierende in höheren Semestern ausländische Bekanntschaften z.B. durch Erasmus etc. Aber natürlich setzt das voraus, dass sich studi.net in viele Ländern der Welt etabliert. Ein mehr als schwieriges Unterfangen.

  3. Rafa
    schrieb am 14. Juli 2007 um 21:20 Uhr (#)

    Das studinet-Argument lasse ich nicht gelten. Student heißt auf Polnisch student und das Studium heißt auf Polnisch… wow, tatsächlich studium.

    Es gibt zwar keinen “Studi”, jedoch ist das ja gerade das Alleinstellungsmerkmal der Plattform (oder kann zu einem werden).

    Wie heißt denn Student auf Englisch? Student! Wow ;) Wo liegt also das Problem und was für ein schwaches Argument war das eben gerade? ;)

    Der Beitrag hätte mal lieber um einen halben Absatz kürzer sein sollen, dann wäre mein Blutdruck nicht so stark angestiegen :D

  4. Martin
    schrieb am 14. Juli 2007 um 21:51 Uhr (#)

    Selbst wenn “Student” auch auf Polnisch oder Englisch so heißt, so ist dies nicht automatisch auch im Russischen, Chinesischen oder Französischen so. Die Abkürzung “studi” gibt es im Englischen auch nicht.

  5. Rafa
    schrieb am 14. Juli 2007 um 21:54 Uhr (#)

    Wo kommt denn das Wort Student her? Aus dem Deutschen?

  6. Martin
    schrieb am 14. Juli 2007 um 23:13 Uhr (#)

    Nein. Aber die Abkürzung “studi”, oder? Außerhalb des vom Lateinischen beeinflussten Sprachraumes ist weder “Student” noch “Studi” gängig. Fakt ist: ein globaler Begriff ist “studi” nicht, darauf wies ich in meinem Beitrag hin. Nun weiß ich, dass das Wort “Student” in Polen üblich ist und freue mich über das hinzugewonnene Wissen. Dabei können wir es belassen, oder?

  7. Mehmet
    schrieb am 20. Juli 2007 um 10:37 Uhr (#)

    Ich habe die Seite getestet. Die scheint mir ein wenig zu professionell und komerziell ausgerichtet zu sein. Die ist mir nicht sympatisch. Da finde ich http://www.studentsn.com oder http://www.vkontakte.ru sympatischer. :-)

  8. Rafa
    schrieb am 22. Juli 2007 um 13:22 Uhr (#)

    Hm, Martin, ich weiß nicht so recht. Ich bin da wirklich nicht deiner Meinung (was aber nicht so wirklich schlimm ist). Auch wenn studi nicht überall ein Begriff ist und student hauptsächlich im lateinischen Sprachraum bekannt ist, so sind das keine wirklichen Argumente. Wir wissen schließlich wo die Wurzeln des Englischen liegen.

    Jeder Student auf der Welt sollte zumindest zum kleinen Teil ein wenig der englischen Sprache mächtig sein. Bei studi fällt mir zum Beispiel sofort das Wort study ein. Ich sehe hier immer noch keinen Punkt, wieso du diese Aussage triffst. Solche doch kontroversen Aussagen machst du aber scheinbar in vielen Artikeln in deinem Blog :) Vielleicht ist das sogar gut. Wenn man die Voraussetzung nicht macht, dann hast du wahrlich Recht.

    Ich bin jetzt ein wenig abgenervt von dieser Diskussion und würde doch vorschlagen, dass wir das lieber hiermit beenden ;)

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 22. Juli 2007 um 20:52 Uhr (#)

    ACK :)

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