persoenlich.com verrechnet ihren Newsletter

Das “Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft” des Schweizer Branchenmagazins Persönlich, verrechnet seinen per E-Mail zugestellten Newsletter. Bezahlt werden soll ein freiwilliger Jahresbeitrag. Der Verdacht, dass dabei vermeintlich vertraulich übermittelte Daten missbraucht wurden, liegt nahe.

Die Rechnung, die Gerhard Schriebl aus der Redaktion von Heute erhalten hatte, ist vom Chefredaktor, Oliver Prange, persönlich unterzeichnet. Sie verrechnet den auf persoenlich.com vermeintlich kosten- und folgenlos abonnierbaren Newsletter.

persoenlich
Mit freundlicher Genehmigung von Heute

Meldet man sich dort dafür an, erfährt man nicht, dass dafür einmal eine Rechnung ins Haus flattern könnte. Im Gegenteil, es wird Vertraulichkeit zugesichert:

Ihre Daten werden selbstverständlich zu 100% vertraulich behandelt.

Stattdessen wird man mit Sicherheitsbedenken konfrontiert:

Mit der Einführung des gestalteten HTML-Newsletters und den erhöhten Sicherheitsanforderungen in unserer Datenbank ist es erforderlich, dass jeder Newsletter-Empfänger auf “persoenlich.com” mit seiner Adresse hinterlegt ist.

Hat man dann die Rechnung vor sich, schwant einem, wieso es bei der Newsletter-Anmeldung eine E-Mail-Adresse nicht reichte, sondern die komplette Adresse verlangt wurde.

Das ist intransparent und irreführend. Und wirft Fragen auf. Warum werden Newsletter-Abonnenten wie Gerhard Schreibl zur Kasse gebeten, während ich, der ich alle Angebote von persoenlich.com auf der Hauptseite konsumiere, ohne Bitte nach Unterstützung davonkomme? Ist es etwa die Auslösung des Newsletters, der Kosten verursacht? Und nicht die in der Rechnung erwähnten täglichen News, Interviews, Kampagnen, Fotos und weiteren Dienstleistungen?

Wer alles eine solche Rechnung kriegt, ist unklar. Ein Zusammenhang zwischen der Anmeldung für den Newsletter und der Rechnungsstellung scheint aber zu bestehen. Wie der Empfänger des Newsletter, Gerhard Schriebl, telefonisch bestätigte, habe er lediglich den persoenlich.com-Newsletter bestellt. Ein anderes Redaktionsmitglied, das ebenfalls diesen Newsletter empfange, habe die gleiche Rechnung auch erhalten.

Somit liegt der Verdacht, dass persoenlich.com die “selbstverständlich” zu “100% vertraulich” behandelten Daten für Bettelbriefe missbraucht, nahe. Es sei denn, man betrachtet diese Bitte um eine Unterstützung als rein vertrauliche Aktion.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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6 Kommentare

  1. Patrick
    schrieb am 9. Juli 2007 um 10:13 Uhr (#)

    das ist nicht wirklich neu. haben sie letztes jahr auch schon gemacht. ich habe den bettelbrief doppelt bekommen. habe mich wohl zwei mal für den newsletter angemeldet. ab ins altpapier damit!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 9. Juli 2007 um 14:22 Uhr (#)

    Das ist nicht wirklich neu, aber schon bedenklich. Ich finde nicht den Bittbrief an sich ehrenrührig – sowas macht die deutsche TAZ seit 20 Jahren – sondern dass sie sich mit dem Rechnungslayout auf das Niveau dieser Spammer begeben, die z.B. nach Handelsregistereintragungen falsche, offiziell aussehende Rechnungen verschicken. Mit denen wollte ich nicht in einen Topf geworfen werden.

  3. schrieb am 9. Juli 2007 um 15:09 Uhr (#)

    @hogi: eben, ein paypal-spende-button auf der page wäre schlauer…

  4. Martin
    schrieb am 9. Juli 2007 um 21:19 Uhr (#)

    Zum Thema habe ich vor zwei Jahren unter dem Titel “persoenlich.com auf Betteltour” auf Medienspiegel.ch ebenfalls einen Eintrag verfasst.

    Ein hochrangiger “Persönlich”-Vertreter – Name der Redaktion bekannt ;-) – hat mich daraufhin höflich gebeten, den Eintrag wieder zu entfernen. Zitat: «Schön, dass wir auf Ihrem Medienspiegel sind, es würde mich allerdings freuen, wenn Sie die Meldung runternehmen. Wie ich höre, übernehmen Sie seit langer Zeit ja gerne unsere Meldungen. Ein freiwilliger Abobeitrag ist in unserer Branche nicht unüblich. Ich finde, wenn man täglich Leistungen bezieht, ist es eine Frage der Haltung, wenn man als Nutzer auch mal eine Gegenleistung erbringt. Da es freiwillig ist, ist es höflich. Finden Sie nicht auch?»

    Den Medienspiegel-Eintrag gibt es immer noch: http://www.medienspiegel.ch/archives/001079.html

  5. Daniela
    schrieb am 10. Juli 2007 um 07:00 Uhr (#)

    Auch ich kenne diese Briefe schon seit zwei Jahren und auch ich erhalte sie immer doppelt.

    @Martin
    Ich finde, der totale Skandal steckt vor allem in der Aussage “Wie ich höre, übernehmen Sie seit langer Zeit ja gerne unsere Meldungen. Ein freiwilliger Abobeitrag ist in unserer Branche nicht unüblich”. An anderer Stelle nämlich, als es darum ging, gegen eine Marketing-Plattform wegen systematischer Urheberrechtsmissachtung eine Sammelklage zu organisieren, tönte es ganz anders. Da hiess es, man sei eigentlich froh, wenn andere die Meldungen übernähmen, auch ohne Erlaubnis und im Volltext, da die Halbwertszeit der Meldungen so etwas verlängert werde.^

    @all
    Was im Zusammenhang mit persoenlich.com gerne vergessen wird: Es ist keine öffentliche Publikation im eigentlichen Sinn. Plattform und Newsletter sind Firmenpublikationen der Denon Publizistik AG und dienen in erster Linie dem Marketing und der Unternehmenskommunikation. Dass die Leser dies gerne vergessen, ist beabsichtigt. Ich denke aber, dass das Kind über seine Kinderstube hinaus gewachsen ist, sprich: Denon wird die publizistischen Geister, die sie rief, nicht mehr los. Und sicher hatte man die laufenden Kosten für dieses monstermässige Marketing unterschätzt.

    Das Problem ist einfach: Es gibt kaum gesunde Konkurrenz zu persoenlich.com. Die Werbewoche kränkelt dermassen vor sich hin, dass ich den Newsletter vor ein paar Wochen entnervt abbestellt habe. Der Kleinreport bringt zwar immer wieder spannende Themen, aber schon sehr subjektiv, mit manchmal zweifelhaften Wahrheitsgehalt und alles andere als userfreundlich aufbereitet (HTML was?!?).

    Weitere Vorschläge?

  6. haurim
    schrieb am 11. Juli 2007 um 15:58 Uhr (#)

    Aber, aber, Frau Gerhard Schriebl… ;-)

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