Online-Netzwerke mit Mehrwert für das reale Leben

Die Zeiten, in denen der Fokus von Social Networks auf einer reinen Online-Existenz lag, sind vorbei. Seiten, die soziale Netzwerke mit dem echten Leben zu verbinden versuchen, schießen im deutschen Internet wie Pilze aus dem Boden. Das Ziel: Die User sollen die Möglichkeiten des Web 2.0 nutzen, um damit ihr lokales, reales Leben zu bereichern. zweinull.cc stellt sechs deutsche Plattformen vor: Qype, Yumondo, Townster, Townkings, meinNachbar, Yoci.de.
Qype
Qype ist im Vergleich zu den vielen kürzlich gestarteten deutschen Web-2.0-Diensten fast ein Urgestein. Auf der Seite, die in der ersten Hälfte 2006 online ging, dreht sich alles um das Bewerten von Dienstleistern, Geschäften und sonstigen öffentlichen Orten in Deutschland. Nebenbei kann man interessante Leute kennenlernen, die ähnliche Interessen haben oder das Klamottengeschäft um die Ecke ebenfalls toll finden. Bewertungen durch andere User und das Sammeln von Punkten für Beiträge signalisieren anderen Nutzern, wie vertrauenswürdig und relevant die Empfehlungen eines Qypers sind. Laut Wikipedia verzeichnete Qype im April diesen Jahr 25.000 Mitglieder und rund 50.000 lokale Bewertungen. Derzeit befindet sich das Unternehmen mitten in der Internationalisierung. Vor kurzem ging Qype in Großbritannien online, außerdem veröffentlichte man eine Applikation für Facebook.
Prognose: Qype hat sich etabliert, wenn auch ohne viel Lärm und wenige Überraschungen. Die Internationalisierung bringt Chancen, die vom gefälligen, kurzen und einprägsamen Namen unterstützt werden.
Yumondo
Auch Yumondo ist eine Empfehlungsplattform, allerdings mit globalem Schwerpunkt. Daher entschieden sich die Macher, trotz des Firmensitzes in Berlin von Beginn an auf Englisch loszulegen. Yumondo bildet Beziehungen von Menschen, Orten, Events und Dingen ab, deren Verknüpfungen auch im realen Leben zu finden sind. Im Interview mit zweinull.cc wies Robert Tied von Yumondo auf die Unterschiede zu Qype hin: Bei Qype stehen Orte aller Art im Vordergrund, auf Deutschland (und nun Großbritannien) begrenzt. Yumondo bietet auch Event- und Produktempfehlungen und spricht eine internationale, global denkende und agierende Zielgruppe an. Außerdem ist eine Suche nach Empfehlungen im eigenen sozialen Umfeld möglich – das sind üblicherweise die Personen, auf deren Meinung man persönlich Wert legt.
Prognose: guter Start mit Berichten in nationalen und internationalen Blogs. Nun heißt es, weiter im Gespräch zu bleiben und einen Stamm aktiver User zu schaffen. Der wenig einzigartige Name mit starker Web-1.0-Assoziation ist eher von Nachteil.
Townster
Townster ging in der vergangenen Woche online. Hier dreht sich wie bei Qype alles um interessante Orte. Der Dienst bezeichnet sich als Kombination eines sozialen Netzwerks mit einer lokalen Suchmaschine. Nutzer bekommen über bestehende Kontakte automatisch neue Orte empfohlen und können über ihre Lieblingsplätze andere interessante Menschen kennenlernen. Mit der steigenden Anzahl an eingetragenen und bewerteten Orten nimmt der Nutzen der Suchefunktion, die bei Townster eine zentrale Rolle spielt, zu. Zum Start stehen 2500 populäre Locations in ganz Deutschland zur Auswahl.
Prognose: Schönes, übersichtliches Design und marketingfreundlicher Name. Ob das ausreicht, sich von Qype und anderen ähnlichen Diensten abzuheben, muss sich zeigen.
Townkings
Das Ziel von Townkings ist es, Leute miteinander zu verbinden und im realen Leben zusammen zu bringen, die in der selben Umgebung wohnen. Der Schwerpunkt liegt auf Spaß und gemeinsamen Parties. Die farbenfrohe Flash-Oberfläche (die auf Dauer etwas nervt) und die Art, wie Townkings sich selbst beschreibt, lässt vermuten, dass eine vergleichsweise junge Zielgruppe angesprochen werden soll. Die Plattform steht sowohl für den deutschsprachigen als auch in Englisch für die US-Markt zur Verfügung.
Prognose: Die Anmeldebarriere ist aufgrund der umständlichen Flash-Navigation und dem Zwang, bei der Anmeldung ein Foto einzustellen, sehr hoch. Informationen über das, was den Nutzer im Inneren der Community erwartet, sind spärlich gesät. Ebenfalls merkwürdig: Obwohl ich die deutschsprachige Version der Seite sehe, werden Elemente der US-Version angezeigt.
meinNachbar
Der Name ist hier Programm. Bei meinNachbar geht es darum, herauszufinden, wer im selben Haus, in der selben Straße oder im selben Viertel wohnt. Am 19. Juni ging die Community online und vermittelt bereits den Eindruck reger Nutzeraktivität. Das Aufspüren anderer User in der Nachbarschaft geschieht entweder durch das Anklicken auf einer Karte oder mit der Suchefunktion. Die Profile und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme ähneln anderen Social Networks.
Prognose: optisch ansprechende Seite, die bei mir allerdings häufiger Ladeprobleme hatte. Nicht revolutionär, aber die simple Idee, Nachbarn die Kontaktaufnahme zu ermöglichen, gefällt mir. Einfachheit ist bekanntlich manchmal ein guter Weg zum Erfolg.
Yoci.de
Das Motto bei Yoci.de heißt “online verabreden – offline treffen”. User verabreden sich auf der Plattform zu Aktivitäten und Veranstaltungen, zu denen sie sich dann im realen Leben treffen. Die Spannung liegt insbesondere darin, zu sehen, wer zu einem angekündigten Event erscheint. Die Seite ist gerade erst an den Start gegangen, entsprechend wenige Veranstaltungen sind bisher eingetragen.
Prognose: Die Idee ist prinzipiell nicht schlecht, immerhin kann man mit einer solchen Plattform auch private oder öffentliche Parties, Konzerte oder andere selbst organisierte Veranstaltungen bekannt machen. Allerdings braucht es dazu Nutzer. Wer die Seite zum ersten Mal betritt, wird leider (noch) nicht unbedingt zum Registrieren animiert. Der zusätzliche Slogan “Online leben? Nein Danke” macht deutlich, an wen sich Yoci.de primär richtet: Die große Zahl der deutschen Internetnutzer, die das Netz nicht für “Spielereien” verwendet sondern ausschließlich für praktische, notwendige Dinge. Fragt sich, ob diese Leute nicht lieber den Offline-Weg gehen, um sich zu verabreden?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.




















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Vielen Dank für das Lob.
Grüße aus Köln,
Gleb (Townster)
Schöne Liste.
Townster find ich persönlich auch sympathischer.
Ich habe mir jetzt nur Qype angeguckt, befürchte aber, dass die anderen Plattformen ähnlich aussehen. Nicht wirklich viele Nutzer, einige Empfehlungen direkt von den Clubs / Locations oder was weiß ich was… viel Hype um wenig. Auch hier gilt: nur wenn eine Community entsteht wird es ein sinnvoller Dienst. Ich beobachte das gerne, wie immer, werde mich allerdings nicht registrieren. :)
Danke für den Beitrag!
Gerade der Hype ist es eigentlich, der noch fehlt, damit diese Seiten an Fahrt gewinnen.
Wow, Danke für die Übersicht. Wusste gar nicht, dass es so viele Neuerscheinungen gibt. Es gab noch eine ganze Menge mehr über das letzte Jahr. dialo, vagabund, tupalo fallen mir noch ein, aber es waren definitiv auch zwei oder drei andere, die ich jetzt vergessen habe.
Danke für die Hinweise. Dialo und Tupalo kannte ich noch gar nicht. Beide scheinen aber keine signifikante Bedeutung zu haben.
Hallo,
nach dem traurigen Ende der alten Townster Seite und einem Jahr Arbeitszeit des neuen Teams in Berlin steht die Seite nun kurz vor dem Relaunch. Das Stadtportal wurde grundlegend erneuert und in seiner Funktionalität verbessert, so dass es konkurrenzfähig in den Markt eintreten kann. Mehr Informationen gibts unter http://blog.townster.de oder
http://deutsche-startups.…r-das-neue-townster/! Viel Spaß beim Lesen!
Philipp Böttcher (Marketing / Online-Marketing)