Die Auferstehung der Wandzeitung, by maxiprint.ch

Neue Werbung am HB Zürich, gleich mehrfach nebeneinander:

CIMG1992

Hintergrund: Schon vor Beginn des siebenstündigen (!) Konzerts zum zehnten Todestag von Diana war bekannt, dass Elton John es eröffnen und abschliessen würde. Allerdings wusste man nicht, ob er der Bitte von William und Harry nachkommen würde, nochmal die Diana-Version von “Candle in the Wind” zu singen (“Goodbye England’s Rose”), die er für Dianas Trauerfeier 1997 gedichtet hatte.

Er sang sie nicht. Und für die Tageszeitungen kam die Nachricht zu spät.

20 Minuten klammerte die Tatsache bewusst aus:

Den Höhepunkt lieferte schliesslich aber Dianas alter Freund Elton John.

Der Tagesanzeiger stand dazu:

Unklar blieb bis Redaktionsschluss, ob Elton John den Prinzen den Wunsch erfüllen würde, zum Abschluss des Konzerts jene Version seines Liedes “Candle in the Wind” zu singen, die er für Dianas Beerdigung gedichtet hatte. Er hatte damals geschworen, diese Version nie wieder aufzuführen.

Und nun also maxiprint.ch – “schneller druckt keiner”. Mit einem aktuellen Foto von Elton John von gestern Abend (vgl. das Reuters-Foto bei SpiegelOnline) und der Tatsache “Elton sang es trotz Prinzenwunsch nicht”, die erst nach Mitternacht klar war (NZZ Online berichtete um 6.44 Uhr).

Keine schlechte Aktion aus meiner Sicht: Die “Wandzeitung” ist schneller als die klassischen Zeitungen. Auch eine respektable Übung mit Auswählen der News, DTP, Druck, Transport und Kleben zwischen etwa 1 Uhr und vermutlich 5 Uhr (in der Sihlpost-Unterführung ist es zur Zeit so eng, da lassen die SBB danach sicher keinen Plakatkleber mit Leiter mehr rein).

Zwei Dinge verstehe ich allerdings nicht:

Erstens, warum man nicht auch den Grafiker am Sonntagabend reingeholt, sondern das Plakat lieber in WordArt oder so gemacht hat, was zu einem scheusslichen Layout geführt hat.

Und zweitens, warum die Website maxiprint.ch nicht im geringsten mit dem Plakat korrespondiert.

maxiprint

Da muss man doch was machen! Wenn schon keine Landing Page, die mit einem Diana-Sujet mit der Kampagne korrespondiert und dann mit einem Text aufgelöst wird (“Wussten Sie schon, dass wir Plakate für nur CHF X zu unserem Expresstarif in nur Y Stunden drucken?”), dann muss wenigstens der Spruch “Schneller druckt keiner” auftauchen. Und nicht “Kostenlos online Drucksachen gestalten”.

Sorry, die Impressions mögen ja stimmen, aber wenn gemäss dem ollen AIDA-Modell mal einer Action macht und gleich auf die Website geht, ist leider die Hälfte der Wirkung verschenkt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Werbekunden sollen zur Rechenschaft gezogen werden: Datenschutz mit Kollateralschaden

10.6.2011, 16 KommentareWerbekunden sollen zur Rechenschaft gezogen werden:
Datenschutz mit Kollateralschaden

Das Verbraucherschutzministerium prüft laut Spiegel Online, inwieweit Werbekunden von Websites, die gegen deutsche Datenschutzgesetze verstoßen, zur Rechenschaft gezogen werden können.

\

4.3.2011, 4 Kommentare"Promoted Tweets":
Wie Unternehmen mit Twitter-Promis werben

Twitter bietet Unternehmen die Möglichkeit, Tweets als Werbung zu schalten und prominent in den Suchergebnissen für einzelne Schlüsselwörter zu platzieren. Clevere Firmen machen sich so die Popularität von Prominenten zunutze.

Linkwertig: HTC, Facebook,  Recht auf Vergessen, Werbung

9.11.2010, 0 KommentareLinkwertig:
HTC, Facebook, Recht auf Vergessen, Werbung

HTC plant einen App Store, Facebook ermöglicht das Schlucken von Community Pages, EU plant ein Recht auf Vergessen und mehr.

9 Kommentare

  1. Der Perfektionist
    schrieb am 3. Juli 2007 um 21:19 Uhr (#)

    Aha, die Jungs und Mädels von maxiprint.ch haben eure Vorschläge zu Herzen genommen:

    http://www.maxiprint.ch/

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 3. Juli 2007 um 22:26 Uhr (#)

    Ja, hab ich gesehen. Ob ich ihnen eine Rechnung schicken sollte für 1 Tag* Marketing-Consulting (* Mindestmenge).

  3. O. Lympia
    schrieb am 5. Juli 2007 um 09:40 Uhr (#)

    Ebenfalls exklusiv heute im HB: Olympia 2014 in Sotchi. Die Maxiprint-Newsweek: 2 Sekunden statt 20 Minuten?

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 5. Juli 2007 um 10:25 Uhr (#)

    Ja, habe ich gesehen. Und die News war erst von 1.42 Uhr, wenn man davon ausgeht, dass die Zeiten bei search.ch die der Agenturen sind.

  5. You&Us
    schrieb am 6. Juli 2007 um 14:12 Uhr (#)

    “jetzt” (13.40 Uhr) hängt im Hauptbahnhof Zürich die ziemlich schnelle Schlagzeile “Rohner ersetzt Wuffli – Ungeahnter Milliardenverlust?”

  6. Heute
    schrieb am 6. Juli 2007 um 14:58 Uhr (#)

    Heute lassen Walker und Maxiprint das Heute verblassen

  7. Bernd
    schrieb am 11. Juli 2007 um 00:10 Uhr (#)

    Was mich immer wieder erstaunt ist, dass Leute die offensichtlich keine Ahnung von Gestaltung haben, sich das recht rausnehmen und Kritik üben.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 11. Juli 2007 um 07:47 Uhr (#)

    Bernd: Ja, das ist ein ziemlicher Skandal. Ich finde, es dürften nur Leute über Gestaltung urteilen, die eine mindestens dreijährige Ausbildung abgeschlossen haben und ein entsprechendes, staatl. anerk. Zetifikat vorweisen können.

  9. Bernd
    schrieb am 16. Juli 2007 um 21:43 Uhr (#)

    “… warum man nicht auch den Grafiker am Sonntagabend reingeholt, sondern das Plakat lieber in WordArt oder so gemacht hat, was zu einem scheusslichen Layout geführt hat.”

    Sowas nennst du urteilen? Dann zweifle ich an deinem Urteilungsvermögen.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.