Stefan Aust im letzten Cash
Stefan Aust, Chefredaktor des Spiegels, gibt der letzten Ausgabe von Cash ein Interview.
Zusammen mit der Zeitschrift Facts erschien heute auch die letzte Ausgabe der Wirtschaftszeitung Cash. Warum? Medienkritiker Kurt W. Zimmermann schrieb es für Abonennten der heutigen Weltwoche so:
Cash und Facts (…) machten seit Jahren keinen guten Journalismus mehr. Sie waren fad und öd geworden. Ihre Parallele ist, dass ihre Mutterhäuser absichtlich dafür gesorgt hatten, dass sie fad und öd wurden.
(…)
Cash wurde journalistisch domestiziert, verlor Unabhängigkeit und Biss und war nur noch fad und öd.
(…)
Facts wurde journalistisch domestiziert. Man verwechselte intern Seriosität mit Stinklangweiligkeit, zog dem Blatt die Zähne, und Facts war nur noch fad und öd.
In einer Kolumne die Wendung “fad und öd” viermal zu verwenden, könnte man entweder als Stilmittel oder als fad und öd auslegen, aber darum geht es gar nicht.
Es geht um den Chefredaktor des Spiegels, Stefan Aust, der für die letzte Ausgabe von Cash interviewt wird. Und erklärt, wie man erfolgreich ein Magazin macht.
Schon der Titel des Interviews sagt einiges: “Die Flucht aus dem Print ist eine Flucht aus dem Journalismus”.
Stefan Aust verneint im Interview, von einem Masterplan zu wissen, mit dem der Spiegel eine Schweizer Ausgabe lanciert. Er hält es für reinen “Zufall, dass wir mit dem Schweiz-Supplement in der gleichen Woche erscheinen”. Es soll bei diesem Extra bleiben:
Wir hatten durchaus Bedenken und stellten uns die Frage: Wollen die Schweizer die Schweiz von uns erklärt haben?
Er beantwortet seine Frage gleich selbst:
Eher nicht.
Die Reaktionen darauf sind meiner Meinung nach klar: Nein. Ich deute es so, dass die Schweizer zwar ein Produkt mit dem Qualitätsanspruch des Spiegels möchten, aber kein Produkt, das in Hamburg gemacht wird. Die vier für die Beilage geholten Schweizer Journalisten haben an dieser sehr deutschen Sicht auf die Schweiz meines Erachtens nicht viel geändert.
Weiter: Mit Spiegel Online werde Geld verdient, wenn auch in einer Mischrechnung. Er sei “der Letzte, der die Bedeutung der elektronischen Medien unterschätzt”. Man müsse sich “mit dieser Internetwelt dauernd bewegen”, dürfe sie aber auch nicht überschätzen, denn “die weitere digitale Entwicklung ist nicht im Entferntesten abzusehen”.
Falls jemand in den 1990er-Jahren schlechte Zeitschriften gekauft hat, dann soll er bitte nicht enttäuscht sein:
In den Neunzigerjahren sind Zeitschriften doch oft nur gegründet worden, um den expandierenden Anzeigenmarkt abzuschöpfen.
Sonst aber ist er ganz auf der Seite des Lesers. Zum Beispiel wenn es darum geht, für Printprodukte Geld auszugeben:
In Deutschland ist es gelungen, Gratistitel weitgehend fernzuhalten, indem man rechtzeitig entsprechende publizistische Abwehrmassnahmen traf. Das nützt letztlich auch dem Leser. Um den Wert eines Produkts zu schätzen, muss man Geld dafür ausgeben. Das ist auf allen Gebieten so. Die Leute sind überhaupt nicht müde, Zeitungen und Zeitschriften zu kaufen.
Seltsam. In der Schweiz, wo es Gratiszeitungen gibt, sind sie ziemlich müde geworden. So müde, dass eben zwei Wochentitel eingestellt wurden. Was genau im Sinne des Lesers ist, kann dabei nur schwer beurteilt werden. Denn ein einzelner Leser ist nur ein einzelner Leser.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.





















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Die vier Schweizer Journalisten, die das Heft gemacht haben, sind keineswegs für diese Beilage geholt worden, sondern arbeiten seit Jahren beim Spiegel.
Danke für die Präzisierung.
“Um den Wert eines Produkts zu schätzen, muss man Geld dafür ausgeben.”
Was las ich einst im “heute”? “Wenn im Internet etwas kostet, kann es nichts wert sein.”
Jep.