Wie man in den USA Auflage bolzt

Peter Sennhauser, 23. Juni 2007 12:58 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

In den USA schrammen viele namhafte Blätter dicht an der Grenze zur Gratispublikation. Auflage ist alles, aber ganz gratis darf man offenbar nicht sein.

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Gleich vorneweg: Ich habe (noch) nicht recherchiert, wie es sich in den USA genau verhält mit Auflage und Beglaubigung ebendieser – aber als Leser fällt mir der Abopreis-Krieg hierzulande auf.

Kaum eine Zeitschrift oder eine Zeitung, die mir nicht Rabatte auf einem Abo anbietet, welche bisweilen die Frage aufwerfen, warum man mich überhaupt noch mit einer Rechnung belästigt und mir nicht einfach die Publikation zustellt. Der New Yorker, eine überaus erfreuliche Postille, die wöchentlich mit einem Füllhorn an journalistischen Glanzleistungen und hervorragend recherchierten und geschriebenen Texten gefällt, ist da trotz “78 %” Einsparung noch recht konservativ, immerhin kostet mich das Abo einen spürbaren Betrag.

Andere gehen da viel weiter:

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Mit diesem Angebot übertrifft Newsweek nicht nur die prozentuale Einsparung des “New Yorker”, es handelt sich in der Tat um ein Angebot, das ich kaum mehr zurückweisen kann – noch leichter gewänne mich die Zeitschrift eigentlich nur als Abonnenten, wenn sie gar kein Geld mehr von mir verlangte und mir statt eines frankierten Antwortcouverts für den Check gleich die Zeitschrift und eine “Opt-Out”-Karte zustellen würde…

Wir haben an dieser Stelle in den Kommentaren im Zusammenhang mit der Auflage von Schweizer Zeitschriften und ihrer Überlebensfähigkeit schon über die Auflagenbolzerei diskutiert. In Helvetien wacht die “WEMF AG für Werbemedienforschung” über die “Transparenz im Medien- und Werbemarkt” und führt Statistiken über die Auflage aller Blätter.

Dabei gibt es klare Regeln, was an Gratisabos zulässig ist (irgendwo um die fünf Prozent sind akzeptabel und werden mitgezählt, inzwischen sollen auch Online-Zugriffe in die Auflage einfliessen -wer mehr weiss, bitte kommentieren). Vor den Zählaktionen hauen deshalb viele Publikationen noch schnell eine Aktion mit befristeten 2-monats-Abos raus und dergleichen).

Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich die grosse Ausnahme bin in den USA, die tatsächlich aufgrund journalistischer Tätigkeit den sogennanten “Professional Discount” kriegt:

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Es scheint sich um eine Standard-Bezeichnung zu handeln, was auf die Existenz einer Regelung hinweist – aber was genau ein “Professional” ist (im allgemeinen Sprachgebrauch ein “Berufstätiger” und in Dating-Annoncen die Aufforderung an abhängende Lebenskünstler, sich nicht bei einer anspruchsvollen Dame zu melden, die materielle Errungenschaften zu den wichtigen Eigenschaften eines potentiellen Partners zählt) weiss ich bislang nicht, werde mich aber erkundigen.

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Vielleicht bei der New York Reviews of Books, die mir doch auch mehr als 70% Rabatt gewährt (und ein David Levine Mousepad – exklusiv für “Professionals”).

Keinen irgendwie benannten, sondern einfach einen Rabatt gewährt mir übrigens das Magazin von “National Geographic”, wobei ich im Gegenzug von unabhängigen Zeitschriften-Vekäufern immer wieder mit vermeintlichen Rechnungen beglückt werde, die sich bei näherem Hinsehen als Verlängerung des Abos auf die nächsten drei Jahre entpuppen. So kann, wer die günstigen Aboabrechnungen unbesehen bezahlt, leicht zum NG-Abonnenten bis ans Lebensende werden.

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Wobei hier wohl anzumerken wäre, dass bereits der reguläre Preis für dieses extrem aufwändig gemachte Magazin einer Alibi-Übung gleichzukommen scheint. Bei einer Auflage von 5,468,471 (fünfeinhalb Millionen) gemäss Mediaweek.com verwundert das indes nicht sonderlich. Mehr Auflage haben unter den Publikums-Periodika nur das Magazin (22,7 Mio) und das Bulletin (22,7 Mio) der AARP, der “American Association of Retired Persons”, einer Nonprofit-Lobbygruppe für Pensionäre; ferner das Sammelsurium-Heft “Readers Digest” (10,2 Mio), der “TV-Guide” (9 Mio), das Taschenbuch mit dem wöchentlichen TV-Programm, und das monatlich erscheinende “Better Homes and Gardens” mit 7,3 Mio. Ich hab von denen noch keine “Professional Rate” angeboten gekriegt.

Jedenfalls spare ich allein mit den abgebildeten Angeboten von Publikationen, die ich auch tatsächlich konsumieren möchte, insgesamt 507 Dollar (132.97 statt 640 pro Jahr) oder ziemlich genau 80%.

Viel unterscheidet diese Magazine nicht von den Gratisblättern, die in der Schweiz florieren. Jedenfalls preislich.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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  1. Ami
    schrieb am 4. Januar 2008 um 20:54 Uhr (#)

    Jetzt abstimmen: http://tausendkleinedinge…post-des-jahres.html

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