Twitter-Klon bei eBay – geht es jetzt richtig los?

Der erst vor wenigen Wochen gestartete Twitter-Klon dukudu.de steht bei eBay zum Verkauf. Diese Nachricht allein ist wenig verwunderlich. Dass nicht alle der mittlerweile mutmaßlich zehn in Deutschland existierenden “Was machst Du”-Plattformen überleben können, daran besteht kein Zweifel. Beachtlich hingegen ist der Preis für das Projekt, der bereits jetzt – sechs Tage vor Ende der Auktion, bei 7550 Euro liegt. Es ist nicht abzusehen, in welche Sphären sich die Gebote noch bewegen werden.

Da es dukudu.de nicht mal einen Monat im Netz ausgehalten hat, konnte weder eine Markenbekanntheit noch eine große Zahl von eingehenden Links aufgebaut werden. Das Angebot hat unzählige Konkurrenten (Frazr, texteln, faybl, 1you, wamadu, dasbeep, Baluuu, sloggen) und der Unternehmensblog klägliche drei Einträge. Google gibt der Domain dukudu.de einen PageRank von 2. Die Suche nach ihr ergibt 2600 Resultate. Auch die 14 Bookmarks bei del.icio.us und die 42 Links bei Technorati können wenig beeindrucken. Der Domainname als solches ist einem erfolgreichen Webangebot wenig dienlich und kann sehr leicht verwechselt werden.

Laut Angebotsbeschreibung hat allein die Entwicklung von dukudu.de mehr als 25.000 Euro gekostet. Abgesehen davon, dass unklar bleibt, wie dieser Wert zustande kommt, so sagt das wenig über die Qualität und Zukunftsaussichten des Dienstes aus. Wenn ich fünf Milliarden Euro in die Entwicklung einer Rakete investiere, die die Menschen zum Saturn bringt, dann bedeutet das nicht gleich, dass es sich um ein funktionierendes, sinnvolles Projekt handelt. Was dem Käufer also bleibt, ist das zugegeben sehr ansprechende Design und das von den Gründern selbst entwickelte “Mikroblog-Hosting System mit Community-Funktionalität”.

Warum ist jemand also bereit, für das Projekt einen vermutlich fünfstelligen Betrag auszugeben? Entweder reicht das Schlagwort “Web 2.0″ in der eBay-Beschreibung aus, um Menschen oder Unternehmer anzusprechen, die “schon immer mal mit einem eigenen Web-2.0-Dienst Millionär werden wollten”. Oder das Kalkül der Käufer (und natürlich auch des Verkäufers) besteht darin, dass sich die Meldung über die Auktion viral im Netz verbreitet, die Blogosphäre völlig vereinnahmt und es möglicherweise sogar zu Spiegel Online & Co schafft – als die erste “richtige Web-2.0-Plattform”, die bei eBay verkauft wurde. Auch wenn dann ein Teilziel mit diesem Beitrag und solchen in anderen Blogs (hier, hier und hier) bereits erreicht wurde, bleibt die Frage offen, ob sich diese Bekanntheit der Domain lange Zeit halten kann und die gewonnen, eingehenden Links nachhaltig sind. Zudem hat eine virale Verbreitung der Auktion die Folge, dass mehr Menschen auf diese aufmerksam werden. Der ein oder andere wird dadurch mitbieten, somit steigt der Preis.

Für mich ist klar: Das Projekt zu kaufen, ist kein kluger Schritt. Für die Gründer dagegen wird sich der Deal auszahlen. Die Frage ist nun: Werden andere Jungunternehmer, die durch den Web-2.0-Hype zur Gründung eines entsprechenden Dienstes animiert wurden, auf den Zug aufspringen und versuchen, ihre Projekte ebenfalls gewinnbringend zu verkaufen? Möglicherweise werden wir nun eine gesunde Konsolidierung des Marktes erleben, bei dem am Ende übrig bleibt, was sich durchgesetzt hat und nachgefragt wird.

Mich interessiert Eure Meinung.

Update: Nun hat es dukudu.de zu TechCrunch geschafft.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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12 Kommentare

  1. eBay
    schrieb am 20. Juni 2007 um 20:20 Uhr (#)

    Ja, bei eBay is schon so ziemlich viel los.
    Erst mit Google und jetzt sowas.. :)

  2. Yannick Eckl
    schrieb am 20. Juni 2007 um 22:18 Uhr (#)

    Nun sinds schon 9000 Euro!

  3. Rafa
    schrieb am 21. Juni 2007 um 01:17 Uhr (#)

    Bei eBay wird doch mittlerweile eh alles verhöckert und die Anzahl der neueingestellten Auktionen geht immer weiter zurück. Ich denke, dass sich die Leute so langsam einigermaßen besinnen werden und aufhören für Mist so hohe Preise zu zahlen.

    Das gilt jetzt nicht unbedingt für den hier vorgestellten Dienst, sondern auch allgemein. Wenn ich höre, dass bei eBay irgendetwas neues eingestellt wird, dann wundert mich das ehrlich gesagt nicht mehr. Und ob es eine gute oder schlechte Wahl war, ist eigentlich fast immer Glückssache und von ziemlich vielen Umständen abhängig. In diesem Fall scheint es sich gelohnt zu haben. Schande dem, der noch nicht angefangen hat von einer Web 2.0-Blase zu sprechen und der behauptet, dass dieses Mal ja alles total anders sei.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Juni 2007 um 09:13 Uhr (#)

    Also ein wenig anders ist es doch schon, oder? Viele Seiten und Dienste haben viel Potential und ein Geschäftsmodell, das durchaus funktionieren kann. Und dann gibt es Trittbrettfahrer, die ohne Frage etwas auf dem Kasten haben – denen aber der unternehmerische Spirit, die Marketingkenntnis etc fehlen. Solche Leute können zwar einen Twitter-ähnlichen Dienst in einer Woche programmieren, verlieren dann aber auch schnell die Lust.

  5. bebal
    schrieb am 21. Juni 2007 um 10:24 Uhr (#)

    Was ist mit dem Argument des Gruppenkonzeptes von Robert Basic. Reicht das nicht zur Abgrenzung gegenüber den anderen Klonen und um erfolgreich zu sein?

    BTW: Bei der Überschrift des Postings “Twitter-Klon bei eBay” dachte ich zuerst an die Integration einer “Twitter-Funktion” bei eBay, was eigentlich auch keine schlechte Idee wäre.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Juni 2007 um 10:37 Uhr (#)

    Unabhängig davon, ob das Gruppenkonzept eine Killerapplikation ist oder nicht, so können andere Twitter-Dienste diese innerhalb kürzester Zeit ebenfalls einbauen. Einen wirklichen USP sehe ich darin nicht.

    Na dann schick Dein Konzept zu eBay ;)

  7. twitterboy
    schrieb am 21. Juni 2007 um 11:47 Uhr (#)

    Die Gruppenfunktion gibt es bei WaMaDu z.B. schon und auch FrazR arbeitet daran.

    Ich hab selber einen Twitterclone programmiert und fand das irgendwie geil… aber irgendwann will man auch mal den Leuten mehr als nur 150 Zeichen schreiben und das widerspricht ja dann schon wieder dem Twitterprinzip.

    Man kommt wohl besser eine “stinknormale” Web2.0-Community zu starten und einfach nur eine Shoutbox auf die Startseite einzubauen…

  8. Martin
    schrieb am 21. Juni 2007 um 12:23 Uhr (#)

    Interessante Metamorphose! Twitter als Vorstufe eines Social Networks.

  9. twitterboy
    schrieb am 21. Juni 2007 um 21:00 Uhr (#)

    Ja man kann daraus natürlich ein “fetteres” Netzwerk aufbauen.

    Allerdings:

    - die Texte müssen dann auch mal länger als 140 Zeichen sein dürfen
    - die Leute müssen mehr Infos wie PLZ, Singlestatus usw. über sich liefern

    Das dann nachträglich zu verlangen kommt immer bischen blöd…

  10. stephan
    schrieb am 25. Juni 2007 um 19:11 Uhr (#)

    vielleicht ist die aktion auch nur ein werbegag!? rund 8.000 klicks (zahl der seitenaufrufe der auktion) würden bei adsense schon was kosten. dazu das medieninteresse das es mit etwas glück gibt. dies soll keine unterstellung sein, sondern nur der erste eindruck der kam als ich sah, das der name des höchstbietenden ausgeblendet ist.

  11. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. Juni 2007 um 22:11 Uhr (#)

    Du meinst, dass das Projekt von einer “involvierten Person” selbst gekauft wird? Möglich wäre es tatsächlich. Wie hoch läge die eBay-Gebühr bei z.B. 20.000 Euro?

    Die Linkpopularität ist auf jeden Fall stark gestiegen: http://popuri.us/?u=http%3A%2F%2Fwww.dukudu.de

  12. stephan
    schrieb am 26. Juni 2007 um 10:31 Uhr (#)

    “Du meinst, dass das Projekt von einer “involvierten Person” selbst gekauft wird?”
    gekauft werden könnte! war nur ein gedanke.

    also ich bin kein ebay-fan und kenne mich nicht aus. wenn ich die provisionstabelle richtige verstehe, müsste bei einem verkauf für 20k euro eine provision von euro 420,50 anfallen.
    http://pages.ebay.de/help/sell/fees.html

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