Tatsache:
Jetzt erwischt es auch FACTS
Von 17:52:44 Uhr heute Abend datiert das PDF der Medienmitteilung, in der der Zürcher Tamedia-Verlag die Einstellung des Nachrichtenmagazins FACTS bekannt gibt.
Titel in Grossbuchstaben scheinen ein schlechtes Omen zu sein: Nach dem 18 Jahre alten “CASH” von Ringier vor fast genau drei Wochen hat es nun also das 12 Jahre alte “FACTS” erwischt. Einerseits ist es sicher kein Zufall, dass diese beiden derben Einschläge die Schweizer Medienlandschaft so kurz nacheinander trafen – wenn die das machen, sollten wir vielleicht auch noch schnell – andererseits wundert man sich als Beobachter schon etwas, weil man denken sollte, auf dem Wochenzeitungsmarkt habe trotz generell anderer inhaltlicher Ausrichtung zwischen den beiden am Donnerstag erscheinenden Blättern ein gewisser Wettbewerb um Leser und Inserenten geherrscht.
Die Fakten zur Einstellung von der Tamedia:
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In den 12 Jahren nur in einem Jahr keine Verluste geschrieben – das haben wir bei CASH schon so ähnlich gehört, obwohl das immerhin in den fetten Neunzigern schwarze Zahlen geschrieben haben soll.
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Insgesamt 53 Stellen, 64 Mitarbeitende betroffen, interne Lösungen werden gesucht – das klang vor drei Wochen auch zuerst sehr ähnlich, wobei die Redaktion hier im Blog anderes berichtete.
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Letzte Ausgabe am Donnerstag, 28. Juni – hier hat Tamedia die sportliche Vorlage von Ringier (vier Rest-Ausgaben nach Einstellungsmeldung) noch halbiert; neben dem schon fertigen Blatt von morgen darf/muss die Redaktion nur noch eine einzige weitere Ausgabe machen. Am 28. Juni begehen beide Magazine ihren “Letzten” gemeinsam.
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Die Abonnenten werden verhökert und kriegen neue Angebote für die Restlaufzeit, die Inserenten kriegen attraktive andere Platzierungen – mit dem Teil kriegen wir bald schon Routine.
Einen einzigen Pluspunkt verbuchen die aus der Werdstrasse gegenüber denen aus der Dufourstrasse: Tamedia versucht nicht, das dauerhafte kaufmännische Debakel als strategisch-zukunftsträchtige Neuerung zu verschwurbeln. Das Communiqué heisst “Einstellung des Nachrichtenmagazins FACTS” (im Gegensatz zu “CASH Gruppe setzt auf die digitalen Kanäle”). Ein schwacher Trost, aber trotzdem Dank im Namen aller Euphemismusgeschädigten.
Aus den Schweizer Online-Redaktionen sind noch nicht viele Kommentare zu lesen, vorerst begnügt man sich mit Copy/Paste der Agenturmeldung. (“Immerhin streckt das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» seine Fühler in die Schweiz aus”, steht daher in allen Texten.) Ein paar eigene Gedanken haben bisher nur die Büronachbarn von “20 Minuten” gemacht, aber die hatten vermutlich auch etwas Vorsprung.
Was hört man sonst noch? Wir sind dran.
(Aufmerksame Leser von medienlese.com erfuhren die Breaking News schon 21 Minuten nach der Mitteilung, als unser Leser mds in einem knappen Kommentar darauf hinwies; immerhin eine halbe Stunde vor dem Newsletter-Versand des Klein Reports von 18.39 Uhr.)
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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Jährlich sieben Millionen Franken Verlust hat Facts produziert. Ringier wie auch Tamedia sehen für wöchentlich erscheinende General-Interests keine Zukunft mehr. Die Schweiz ist eben (grössenmässig) nicht Deutschland.
Das kann man hier lesen:
http://comedia.ch/57.html…amp;cHash=a2e7d1e145
Übrigens: Der Hauptgrund, weshalb der Spiegel einen Split-Versuch wagt, muss bei den stolzen Inseratepreisen gesucht werden, die hierzulande noch immer berappt werden.
Irgendwie finde ich es geradezu morbid, dass das in den letzten Atemzügen liegende FACTS noch einen letzten Skandal über Porno drehende Schüler liefern will. Siehe hier
http://das-subjektive.ch/…iner-bombe-abtreten/
Nach zahlreichen Neuausrichtungen wusste gar niemand mehr, was eigentlich drin ist – im Facts. Vielfach wurde das Blatt weiterhnin mit dem reisserischen Geschichten der “Geburtsjahre” In Verbindung gebracht. Es hätte keine Reaktion mehr gegeben, auch wenn man den “New Yorker” in den Facts-Umschlag gesteckt hätte. Man hätte das Blatt vor Jahren einstellen sollen – ein halbes Jahr Pause – und untern neuem Namen ein Nachrichtenmagazin lancieren sollen – komplett ohne Kolumnen und Lifestyle Wischiwaschi. Aber im Nachhinhein ist man immer schlauer.
Schlimm ist, dass nun ein rechtes politisches Kampfblatt (Weltwoche) ohne Gewinnambitionen, das von Finanzabzockern gestopft wird, freies Feld hat. Lesenswert (lachenswert) sind die Besserwissereien vom konverertierten Weltwoche-Jünger Schawinski auf persoenlich.com (das man neuerdings nicht mehr kommentieren kann).
Herr Holzwart, man kann sich sicherlich über die Weltwoche geteilter Meinung sein. Sie ein rechtes politisches Kampfblatt zu nennen ist aber übertrieben, bloss weil diese unpopuläre Themen wie den Sozialmissbrauch anprangert.