medienlese – der Wochenrückblick

Manchmal lohnt es, Regionalzeitungen zu lesen. Zum Beispiel die Mittellandzeitung vom 16.06.2007 auf Seite 25. Die Journalistin Fränzi Zulauf schwört dort, eine wahre Geschichte zu erzählen. Und die hat, wenn sie wahr ist, wirklich alles in sich. Und nur noch nicht den Weg in die weltweiten Newsticker gefunden. Sie geht so: Auf einem Ausflug einer Kindergartenklasse in den Basler Zoo geht ein Mädchen verloren, was eine sofort eingeleitete, aber vorerst erfolglose Suchaktion zur Folge hat. Das Kind taucht plötzlich wieder auf, jedoch verschmutzt und schlammverschmiert von oben bis unten. Auf Fragen, was denn passiert sei, antwortet es nicht, sondern presst nur stumm die Lippen aufeinander. Zurück im Heimatdorf nimmt die Mutter das Kind gelassen entgegen – es ist ja nichts passiert, meint sie, und ein Bad werde den Dreck schon wieder abwaschen. Aufgeklärt wird der Fall eine Stunde später – im Rucksack befindet sich ein lebender kleiner Pinguin. Der dann sofort wieder in den Zoo zurückgebracht wird.

Patrick Frey, Schauspieler und Verleger, schrieb im Kulturplatz-Blog: “Ich glaube mittlerweile auch , dass Blogger nicht einfach irgendwelche durchschnittlichen Leute sind, sondern eine Art Glaubensgemeinschaft bilden, die über die ganze Welt verteilt miteinander kommunizieren. Ein bisschen wie früher die Freaks mit dem CB-Funk”. Ein anderer Gastblogger, der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber, gab Roger Schawinski ein Interview und sah das etwas anders: “Ein Blog ist ein guter ‘Speakers Corner’ im Internet: Kein Geschwafel, sondern pointierte Äusserungen, Kommentare und Denkanstösse. Die Politik lebt davon, dass man sich zu Wort meldet.”

NZZ Online wurde 10 Jahre alt und der Klein Report schrieb: “NZZ online verwandelt sich immer mehr in ein virtuelles Shoppingcenter”. Die taz veränderte ihren Online-Auftritt, was viele in tiefe Verwirrung stürzte. Zum Glück wurde das neue Layout im Lauf der Woche im Satireheft Titanic erklärt. Der Beobachter relativierte einen Artikel von 20 Minuten über Hunde mit Burn-Out-Syndrom. Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel kritisierte (nur für Abonennten) die Vergabe des Zürcher Journalistenpreises und stellte die “irreführend bis falschen Recherchen” der NZZ-am-Sonntag-Journalisten Charlotte Jacquemart und Daniel Hug im Fall Swissfirst in Frage. “Die Frage muss erlaubt sein, ob sich die Branche einen Gefallen tut, wenn sie sich in Selbstbeweihräucherungen ergeht auf der Grundlage fragwürdiger Leistungen.” Persoenlich.com erfand mit Ruth Denner eine neue Politikerin und Heute entdeckte die Spirale des Grauens im neuen Sihlcity-Parkhaus. “Wer das einmal erlebt hat, der kommt nie mehr hierher”, sagte ein betroffener Vater.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. mm
    schrieb am 18. Juni 2007 um 06:50 Uhr (#)

    die frage ist, wird der pinguin diese entführung verkraften können? ;o)

  2. Jan Derrer
    schrieb am 3. Oktober 2008 um 14:12 Uhr (#)

    Der Pinguin-Diebstahl ist eine schöne Geschichte. Aber eben nur eine Geschichte. Diesen urbanen Mythos gibt es in verschiedenen Versionen.

    In Zürich kursiert der Mythos ebenfalls. Natürlich passierte die Geschichte in der Zürcher Version im Zürcher Zoo. Eine Kindergärtnerin besuchte mit ihrer Klasse den Zürcher Zoo. Ihr fiel nach dem Zoobesuch auf der Rückreise ein Junge auf, weil Wasser aus seinem Rucksack tropfte. Sie sah nach und fand den Pinguin. Sie bemerkte dann auch noch, dass der Kindergärtner zerkratzte Unterarme hatte.

    Und in den USA ereignete sich der angebliche Pinguin-Diebstahl in Boston. Die Hauptrolle spielte in dieser Version ein 12-jähriger autistischer Junge:
    http://urbanlegends.about…-tale-resurfaces.htm

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