medienlese – der Wochenrückblick

Ein kurzer Text unter dem Titel “Schrebergärtliguguus” (sowas wie “Kleingarten-Unsinn”) auf der neu lancierten Website des Magazins, in der die Schweizer Blogszene als “herzig” und die deutsche als “saftig” bezeichnet wurde, sprach Schweizer Blogger persönlich an. Um mit dieser Aktion nicht selbst am Pranger stehen zu müssen, zitierte Magazin-Techniker Oliver Reichenstein einen befreundeten Programmierer, Moritz, der Schweizer Blogger vor allem als “Hobbypolizisten, die kleinlich irgendwelche Nichtigkeiten kritisieren” sieht. Matthias von metablog.ch sah das nicht so: “Aber was ich hier produziere, und was unzählige andere CH-Blogs liefern, finde ich interessant und gehaltvoll.” Andere Blogger konnten und wollten die Vorwürfe nicht ganz so klar dementieren, sei es aus Feigheit, aus der Angst, sich zu exponieren, weil es stimmt, weil man den Anwurf gar nicht gelesen oder weil man sich davon nicht angesprochen fühlte. Reichenstein schränkte seine ernsthaften Blog-Empfehlungen später wieder ein. Mit nicht ganz so schlecht meinte er die englischen Blogs.

Die Frankfurter Rundschau erschien erstmals im Tabloid-Format und die Schweizer Wirtschafts-Wochenzeitung Cash wurde eingestellt. Der Chefredaktor des gebührenabhängigen Schweizer Fernsehens schrieb, der Verlag TA-Media sei offenbar nicht fähig, innovativ zu sein und wachse nur dank Zukäufen – ein Vorwurf, den TA-Media lieber nicht kommentieren wollte. Samuel Reber wurde neuer Redaktionsleiter von Blick Online und die Netzeitung berichtete, das Weblog Spreeblick twittere gegen die G8. Klaus J. Stöhlker, prominenter Zürcher PR-Berater, fragte sich, wie schön Angelina Jolie sei: “Der Hollywood-Star hat eine Mädchenfigur, aber magere Arme, aus denen die Adern hervortreten, wie auch auf der Stirn. Die Arme sind tätowiert wie die einer Seemannsbraut. Das Gesicht, auch beim Lachen, deutlich gestresst. Nett die Haare, wenn sie echt sind, aber irgendwie wirkt sie unharmonisch; vielleicht liegt darin der Reiz.”

Eine ältere Frau betrat vor ein paar Tagen plötzlich das WOZ-Grossraumbüro und verlangte sehr laut einen geschützten Arbeitsplatz. Wie Ruth Wysseier berichtete, rief sie aufgeregt, sie wolle sich eingliedern. Und keine IV mehr. Als man ihr absagte, ging sie, unverständliche Beschimpfungen brummend, wieder raus. Clap wollte eine Vanity Fair kaufen beim Zeitschriftenhändler und fand heraus, dass dieser jene “a bisserl bläd” finde. Nach einer ihm am Rande aufgefallenen Anhäufung von subjektiv als negativ eingestuften Beiträgen bloggender Journalisten fragte sich Robert Basic, ob diese alle nur Zicken seien und ob man die Blogosphäre in die Deprisphäre umbenennen müsse. Der Blogdenunziant analysierte: “Deutschlands Superblogger führen beinahe allesamt ein Doppelleben. Im ersten Leben sind sie der Reaktionen untertan. Im zweiten polemisieren und schwadronieren sie als streitlustige und erhitzte Blogger”. Blick wurde vom Presserat wegen Texten aus der im Mai 2006 erschienenen Serie “So fidel treibens Schweizer IV-Rentner in Thailand” gerügt und nach 20 Minuten ging ein Freiburger Satire-Blog hart an die Grenze der Legalität. Ein Reporter von RTL erklärte sich dazu bereit, einen Monat nach Berlin-Marzahn zu gehen und dort das Leben eines Hartz-IV-Bezügers zu leben. Mit 345 Euro pro Monat.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Pascal
    schrieb am 7. Juni 2007 um 20:45 Uhr (#)

    Zum “Schrebergertliguguus”; ich habe mich auch dazu geäussert. Ich gab dem Artikel von Reichenstein recht. Hier.

    Es wundert mich deshalb, weshalb mein Text hier keine Erwähnung fand. Schade eigentlich, dass es immer dieselben sind, die erwähnt werden…

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