Sonntagsblick und der Gehirnschlag von Beat Breu

Ein Facts-Bericht deckt auf, dass der SonntagsBlick so tut, als wäre eine vier Jahre alte Story eben erst geschehen. Auch die Gratiszeitung 20 Minuten berichtet über journalistische Mängel in der Bezahlzeitung SonntagsBlick.

Es war die einzige Story der letzten Monate in Blick und SonntagsBlick, die mich aufhorchen liess. Aha, ein Exklusiv-Bericht über einen gesundheitlichen Unglücksfall von Beat Breu (Hirninfarkt). Eine klassische Boulevard-Meldung über einen ehemaligen und allseits bekannten und beliebten Schweizer Radprofi, der immerhin zweimal die Tour de Suisse und einmal die Tour-de-France-Königsetappe auf die Alpe d’Huez gewonnen hatte. Doch was berichtet uns nun Facts (leider nicht online verfügbar)?

«SonntagsBlick» verkauft vier Jahre alte Story über Beat Breu als News

Dazu liegt die die Vermutung, dass Beat Breu für die Geschichte bezahlt wurde, nicht fern.

Geht man daran, sich online ein paar Fakten dazu zu holen, findet man schnell heraus, dass unter blick.ch, dem Onlineportal der Sonntagszeitung SonntagsBlick, nur unverfängliche Beat-Breu-Geschichten zu finden sind, insgesamt nur sechs an der Zahl. Das heisst: Entweder wurden sie nie online gestellt oder, naheliegender, nach dem Facts-Bericht gelöscht.

Bei swissdox.ch, der Datenbank, in der alle in der Schweiz erscheinenden Print-Texte gesammelt werden, sieht die Lage anders aus:

Beat Breu Hirnschlag

Ganze fünf Texte aus dem SonntagsBlick werden angezeigt, einer aus dem Blick, und offenbar ist auch der Tages-Anzeiger auf diesen alten Hut reingefallen. Ob dazu im mir leider nicht zugänglichen Facts-Text auch etwas steht?

Online zu finden hingegen sind die Zeilen der Glücks-Post, der Promi-Postille für Senioren aus dem Ringier-Verlag (wo u.a. auch der SonntagsBlick erscheint). Könnte gut sein, dass dieser Text beim elektronischen Aufräumen der Peinlichkeiten vergessen ging. Wann genau der Hirnschlag passierte? Die Glücks-Post meint: Mit 48. Stimmen jedoch die Angaben in der Wikipedia, dann ist Beat Breu, geboren am 23.10.1957, im Moment noch immer 49. Das Facts hingegen hat aufgedeckt, dass die Story schon vier Jahre alt ist und ihm der Hirnschlag im Jahr 2003 widerfuhr. Da war er entweder 45 oder 46.

Wie auch immer, es steht noch mehr in der Glücks-Post:

Breu staunt noch heute über die so plötzliche und totale Veränderung des Körpers. «Unglaublich, wie blitzartig das ging», resümiert er im «SonntagsBlick». «Ich hätte für immer ein Tubel sein können.»
Ein Schlaganfall kann zum Tod führen. Für die meisten ist es deshalb ein Wunder, dass sie überlebt haben. Auch wenn sie vieles wieder lernen müssen.

Da bleibt uns nur noch die Frage, wie lange Boulevard-Bezahlzeitungen, die den Lesern einen derart alten Käse verkaufen wollen, überleben.

20min.ch, das Onlineportal hin der von vielen als niveaulos klassifizierten und als Untergang des Journalismus bezeichneten Gratiszeitung 20 Minuten, hat die Sachlage rund um den Faux-Pas sauber zusammengefasst. Befragt wurde dabei SonntagsBlick-Chefredaktor Marc Walder, für den der Fall damit erledigt ist, dass seine Zeitung in einem letzten Anhängsel das Datum des Unglücksfalls doch noch publiziert hat. Er stellt eine Bezahlung von Beat Breu in Abrede:

«Der ‘SonntagsBlick’ zahlt mit Sicherheit kein Geld für Geschichten. Scheckbuchjournalismus betreiben wir nicht.»

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. SoBli-Online
    schrieb am 26. Mai 2007 um 14:11 Uhr (#)

    Nur zur allgemeinen Beruhigung Ronnie, das vermeintlich Naheliegende hat nicht stattgefunden. Der Beat Breu Story war gar nie online gestellt.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 26. Mai 2007 um 14:26 Uhr (#)

    Schade, aber ok. Dann muss ich wohl auch glauben, dass blick.ch nie eine Personality-Story von Beat Breu (die es, seit blick.ch existiert, sicher gegeben hat), online gestellt hat.

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