medienlese – der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 20. Mai 2007 16:39 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Der Rückblick auf die vergangene Woche: Diesmal mit einem Unverständnis auslösenden Telepolis-Artikel, einem Fotografen anrempelnden Sarkozy und einer nur an eines denkenden Zora Off.

Für Telepolis schrieb Alexa Weyrauch-Pung ohne erkennbaren Anlass einen erstaunlich nichtssagenden, inhaltsarmen und fröhlich durcheinandergewürfelten Artikel, in dem sie die Toleranz “im Deutschland der Blogger” förmlich herausforderte. Sie schrieb darin über “diverse Dons und Verwirrte” und verwendete das Wort “Bloggerfängerei” sowie das Wort “Bloggerland” im Zusammenhang mit dem Wort “abgebrannt”. Einigen Bloggern war es, Toleranz hin oder her, nicht möglich, gelassen zu reagieren und sahen darin gar den Versuch, herauszufinden, “wie lange es dauert, bis alle Blogger auf den Barrikaden sind”: Der Schreiberin Arbeitgeber wurde “Schweinejournalistenverein Heise” genannt, gewisse Kommentatoren fanden den Text “tüpisch frau mit doppelnamen: unbefriedigte emanze kotzt sich in der öffentlichkeit aus” und wieder andere sahen darin schon im Frühling gefüllte Sommerlöcher oder schrieben nichts mehr als: “Was für ein gestammelter Unsinn!”. Pottblog.de konstatierte, dass es für Telepolis billiger geworden wäre, wenn sie den Sermon auf “Ich mag keine Blogs” zusammengekürzt hätten. Nicht ganz entschieden werden konnte die Frage, ob das Niveau des Texts eher auf der Stufe der 3. Klasse oder eher auf der Stufe der 10./11. Klasse anzusiedeln sei. Fazit: “Auf einem gut besuchten Weblog hättest Du es mit diesem Artikel und seiner löchrigen Argumentationskette jedenfalls sehr, sehr schwer.” Und:”Aber bitte nicht so banal: das kann ja jeder Blogger besser ;)”. Eine längere Analyse des Textes bei fixmbr.de.

Die NZZ bemerkte “harmlose Versuche” von Schweizer Medien, “die neuen Möglichkeiten der interaktiven Internet-Publizistik zu testen”. Dagegen aber auch: “Der vierten Gewalt sitzt nun die fünfte im Nacken, die Web-2.0-Gemeinde.” Philip Steffan erzählte, wie der letzte Woche Wogen schlagende Blogeintrag von Alan Posener vom Netz genommen wurde: “Am Vormittag klingelte bei der Kollegin das Telefon, ein Gespräch, das nur einige Sekunden dauerte. Dann war Poseners Artikel offline”. Die Werbewoche schrieb zum Amtsantritt von Nicolas Sarkozy: “Nach der feierlichen Zeremonie im Elysée Palast marschierte der kleine Mann direkt und mit enormem Tempo auf die jubelnde Zuschauermenge zu, ohne dabei nach links und rechts zu blicken. Es schien ihn nicht weiter zu kümmern, dass Fotografen um ihn herum reihenweise zu Boden fielen”.

Der Kleinreport schrieb zum Ausbau der Webangebote der Schweizer Abendzeitung Heute: “Abendzeitung «Heute» wird interaktiv“. Eine seltsame Einschätzung, läuft doch beispielsweise das Blog “Zora off” schon länger auf dem Internetangebot der Zeitung, begleitet von einer Anzahl kritischer und unkritischer Kommentare, die stetig hochgehalten werden. Denn kaum flachte die Aufmerksamkeit etwas ab, handelte die Bloggerin und schrieb: “Dann nämlich lechzt unsereiner nach Berührung und Schwanz. Ja, derart lange ohne Sex denkt man nur an eins: Schwanz. Punkt.” Was prompt 27 Kommentare einbrachte. Darunter einer von einer Kommentatorin mit dem Namen “Verärgerte Mutter Erika”. Sie schrieb: “Ich werde mich mit einem eingeschriebenen Brief bei der Redaktion und beim Stadtrat beschweren, und sehe eure Zeitung ab nun mit anderen Augen.” Zoras Chef, Bernhard Weissberg, gratulierte seinem Team zum einjährigen Jubiläum: “Ärzte müssen heute gut informierten Patienten Red und Antwort stehen; Banker wissen oft weniger als ihre Kunden; und Journalisten haben das Monopol auf News-Vermittlung verloren. Das ist so, also treten wir ein in diese veränderte Welt.”

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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