Die Debatte um deutsche Web-2.0-Kopien und ihr Nutzen

Das viele erfolgreiche Web-2.0-Projekte in Deutschland ihre Vorbilder in den USA haben, ist für alle am Internetgeschehen interessierten Nutzer hier zu Lande keine Neuigkeit mehr. Doch nun wird darüber auch auf der anderen Seite des Atlantiks diskutiert. Erst vor einigen Tagen veröffentlichte Mashable eine Liste der sieben dreistesten Web-2.0-Kopien, auf der drei deutsche Dienste zu finden waren (Frazr, StudiVZ und wamadu). Gestern widmete sich mit Techcrunch dann auch der wohl bekannteste Internet- und Web-2.0-Blog in den USA dem Thema. Die Kernaussage: Deutschland befindet sich in mitten eines Internet-Hypes, deren schillernde Hauptdarsteller Webangebote sind, die sich ihre Ideen zum großen Teil bei US-amerikanischen Vorbildern geholt haben.

Auch wenn es keine große Ehre für Deutschland ist, statt als Innovator als Nachahmer wahrgenommen zu werden, so hat die aktuelle Diskussion dennoch etwas Gutes: Zum ersten Mal überhaupt erfahren deutsche Websites eine so große Beachtung in den USA. Auch wird zwar über einen gewissen Drang zum Nachahmen geschrieben, doch gleichzeitig drauf hingewiesen, dass viele der vermeintlichen “Kopien” ihre Sache richtig gut machen. Allein die Tatsache, dass die von Techcrunch geplante Reihe über die Internetentwicklung in verschiedenen Regionen der Welt mit Deutschland startet, zeigt die Bedeutung, die man dem bevölkerungsreichsten Land Europas auch im Internet zumisst.

Wenn man bedenkt, wie viele Internet-Neugründungen in Deutschland derzeit jede Woche starten und wie aktiv Investoren sich an diesen beteiligen, so scheint es, als würde Deutschland die nach dem New-Economy-Crash verloren Jahren derzeit im Vorspulmodus nachholen. Und nach der Flaute ist die in Deutschland traditionell wenig vorhandene Risikobereitschaft noch weiter gesunken. Dass man sich bei einem Neustart dann an Angeboten orientiert, die woanders bereits erfolgreich, jedoch auf dem hiesigen Markt nicht verfügbar sind, ist nachvollziehbar. Doch die Phase des Kopierens wird vorübergehen, der Mut kommt zurück. Und auch wenn Deutschland keine acht Twitter-Nachahmer benötigt – die Tatsache, dass alle nach dem Beginn des Twitter-Hypes im März entstanden – innerhalb von nur zwei Monaten – macht deutlich, wie viel Potential und Gründungswille in den Deutschen steckt. Dieses muss lediglich für andere Zwecke genutzt werden, als den User zu fragen, was er gerade macht. Aber dieses “Problem” wird sicher der Markt regeln.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Misses Linkfire
    schrieb am 20. Mai 2007 um 18:20 Uhr (#)

    Ich denke auch, dass sich hier der Markt immer noch im Wachstum befindet. Mister Wong ist ja schließlich auch erst vor einem Jahr an den Markt gegangen und war als delicious-Konkurrenz eine der 1. Web2.0 Buden in D. Dann kamen die News-Communitys, Video-Portale und jetzt der Rest.

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