medienlese – der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 13. Mai 2007 19:25 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Zwei Themen dominierten die Woche: Erstens das zensierte und zu einer Debatte führende Posting von Alan Posener auf debatte.welt.de, in dessen Nachfeld diese kleine Photoshoparbeit auftauchte und die Süddeutsche ihre Leser über die Existenz einer “Copy- & Paste-Taste” informierte. Zweitens fand der ESC, der Eurovision Song Contest, statt. Dazu wurde tagelang an Excel-Tabellen rumgeschraubt und livegebloggt. DJ Bobo, der siegen wollte wie Lordi und im Halbfinale ausschied, sagte auf die Frage, was er machen würde, wenn er im Halbfinale ausscheiden würde: “Ich würde mich zurückziehen. Und ganz grundsätzlich über meine weitere Karriere nachdenken. Ich würde mit meiner Familie in eine Gegend fahren, wo mich niemand kennt.” Heute-online.ch schrieb: “Seine Ehefrau Nancy hatte von Anfang an vor dem Contest gewarnt, doch DJ Bobo wollte nicht auf die Tänzerin und Mutter seiner beiden Kinder hören.” Ein Text, der eigentlich auch bei blick.ch zu finden sein sollte, handelt es sich doch dabei um eine Zusammenarbeit der beiden Ringier-Portale. Bei blick.ch steht aber nur noch dieser kleine Text. Immerhin ringt man sich zu diesem Satz durch: “Nun hat die Stunde der Wahrheit tatsächlich geschlagen und wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir erneut unter «ferner liefen» klassiert sind.” Alles in allem eine herbe Niederlage sowohl für Blick als auch für DJ Bobo, haben sie doch die ganze Kampagne für die Eurovision 07 gemeinsam geplant. Spiegel Online schrieb über die Siegerin aus Serbien: “Eine Frau aus einem von Gewalt und Hass zerrütteten Land, singt sich die Seele aus dem Leib, im Hintergrund steht ihr buchstäblich eine Gruppe Mitleidender bei”. Eine ausführliche Website mit enorm vielen Videos zum ESC bietet songcontest.ch. Man kann sich dort entweder den körperfremden weissen Rock von Céline Dion (1988, 137 Punkte) ansehen, den gelukigen Rudi Carrell (1960, 2 Punkte) oder die Haserl und die Bärn von Alf Poier (2003, 101 Punkte).

Klaus Augenthaler, früher verantwortlich für aussergewöhnliche Tore, organisierte eine aussergewöhnliche Pressekonferenz. In nur 42 Sekunden stellte und beantwortete er vier Fragen. Danach verliess er den Raum. Der Grund dafür dürfte in den Gerüchten liegen, dass sich das Management seines Vereins von ihm trennen will. Selbst wenn einmal mehr der Abstieg des VfL Wolfsburg verhindert werden konnte. Ein anderes Gerücht besagte, dass hinter einer neuen Gratiszeitung, die in Schweizer Haushaltungen geliefert werden soll, der Holtzbrinck-Verlag steht. Wie auch immer das herauskommt – solche Videos könnten zunehmen, wenn viele Gratiszeitungen um wenige Leser buhlen. Der Sonntags-Blick änderte den Namen seiner unpopulären Beilage. Sie sieht nun gemäss Kleinreport so aus: “72 Seiten dick, mit fliessenden Übergängen zwischen Inseraten und redaktionellem Teil.”

Deutsche Blogger wurden vom Magazin Cicero auf die Liste der 500 bedeutendsten noch immer lebenden Intellektuellen gesetzt. Betroffen davon: Stefan Niggemeier, Rang 284 und Thomas Knüwer, Rang 336. IMG 3151Die ARD machte sich über tanzende Rentner lustig und Tony Blair sagte “Bonjour à tous!“. Echte Sprayer aus der Szene machten in Berlin einen Workshop mit Managern. Für zwei Stunden kontrollierte Rebellion zahlten ihre Konzerne dafür insgesamt 2000 Euro. Der Verein Schweizer Hanffreunde (VSHF) brachte einen Text unter in der Berner Zeitung und Weltwoche-Redaktor Thomas Widmer erlebte bei der Verleihung eines Journalistenpreises die Endzeit. Unter anderem darum, weil “auch nach fast zwei Stunden Verleihungsspektakel immer noch weder Wein noch etwas Essbares auf dem Tisch stand”.

Hintergrund der Schlagzeile “Papst kauft Viagra-Fabrik” (Bild) ist übrigens gemäss Berliner Kurier eine angebliche Kaufabsicht der Bruderschaft “Figli dell’Immacolata Concezione” einer Pfizer-Fabrik. Sie wolle so rund 300 Jobs retten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Zoes Dragblog
    schrieb am 13. Mai 2007 um 21:22 Uhr (#)

    Unser Roger Cicero ist nicht viel weiter gekommen. Glücklicherweise müssen wir ja nicht erst durch den Vorentscheid. Ansonsten hätten wir wohl auch keine Chance aus Finale

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