(J)Ö-Schau – die Medienwoche in Österreich
Der Amoktorkler
Bombastisches tat sich diese Woche im Wiener Pressehaus: ein 57-jähriger versuchte mittels Bombendrohung, die von seiner Tochter geleisteten Kostgeldzahlungen nachdrücklich einzufordern. Dabei ging der Traum eines Journalisten in Erfüllung.
Krone-Reporter Michael Jeannée war am Mittwoch de facto Zeitzeuge seiner eigenen Apotheose. Nachdem sich ein Mann im Pressehaus, in dem auch die Kronen Zeitung untergebracht ist, mit einer Bombendrohung bemerkbar machte, wollte er Jeannée sprechen. Dieser, Lieferant von täglicher Post, die er in der Krone absondert, sah sich bereits mit seinem Traum konfrontiert.
“Balsam auf meine Reporter-Seele, die – ich sag´s ganz offen – in den letzten 40 Jahren von so einer Situation geträumt hat: Aug in Aug mit einem Geiselnehmer oder Bomber, das Zeitungs-Zünglein an der Waage, das die Tragödie zu einem guten Ende bringt.”
Dass es nicht so weit kam, dafür sorgte die heimische Polizei. Wobei der “Attentäter” nicht allzu viel an taktischer Raffinesse an den Tag legte. Immerhin hatte er um 5 Uhr früh bereits reichlich Alkohol im Blut, was vermutlich in punkto taktischer Winkelzüge und überraschender Wendungen eher hinderlich ist. Während also die Krone um ihr Haus und ihre Mitarbeiter – vermutlich auch in dieser Reihenfolge – fürchtete, sah sich Österreich dazu veranlasst, aus dem Amokläufer einen Amoktorkler zu machen – “Krone-Bomber war sturzbetrunken”, hieß es. Die ersten Pressefotos vom fest genommenen Bombendroher legten jedenfalls solch einen Schluß nahe, meint Günter Traxler im Standard.
Was sich sonst noch tat: Hartnäckig versucht ein ehemaliger Verlagsmanager, gegen die Marke Österreich vorzugehen – mittlerweile ist der Prozess beim obersten Patentgericht gelandet. Und der Präsident des europäischen Menschenrechtsgerichtshofes, Jean-Paul Costa, sieht angesichts der andauernden Prozesse gegen Österreich – das Land, nicht die Zeitung – eine Schwäche des Systems betreffend freier Meinung und freies Wort, wie die Salzburger Nachrichten berichten.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.























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