Fernsehdeutschland “lernt” über Second Life

In meinem Beitrag “Digitale Spaltung: Wenn der Begriff «Blog» für fragende Blicke sorgt” vom 30. April hatte ich erwähnt, dass viele der heutigen “Offliner” durch die Massenmedien nahezu abgeschreckt werden, das Internet zu nutzen. Für jemanden, der sich noch nie mit den Vorteilen des Webs auseinander gesetzt hat, besteht dies Dank einer häufig einseitigen Berichterstattung der klassischen Medien hauptsächlich aus Viren, Killer-Spielern und Internet-Piraten. Und seit heute vermutlich auch noch aus Pädophilen. Die ARD deckte in ihrem “Report Mainz” um 21:45 die pädophilen Umtriebe von einigen Nutzern in Second Life auf. Zwei Filmautoren des Magazins haben offenbar mehrere Wochen lang (!) investigativ im virtuellen Raum recherchiert und sind dabei auf diese Vorgänge gestoßen (siehe Welt Online).

So verurteilenswert und menschenverachtend diese Vorfälle sind, so fragwürdig ist, ob man dies wirklich als “große Story” einem Mainstream-Millionenpublikum vorsetzen muss. Es ist anzunehmen, dass der größte Teil der Zuschauer weder Second Life selbst ausprobiert hat noch genau wiedergeben kann, was das überhaupt ist. Das wird sich nun natürlich ändern. Ich bezweifle allerdings, dass ein unnötiger Bericht wie dieser zu einer positiveren Einstellung der Generation Web 0.0 zur digitalen Welt führen wird. Davon abgesehen muss man sich die Frage stellen, inwieweit mehrwöchige “Recherchen” eines öffentlich rechtlichen Politmagazins im nach wie vor sehr bevölkerungsarmen Second Life gerechtfertig sind. Woanders nennt man das wohl “Spielen am Arbeitsplatz”.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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1.12.2008, 3 KommentareLinkwertig:
Reuters zieht Reporter von Second Life ab

Die Nachrichtenagentur Reuters hat im Second-Life-Wahn einen Reporter Vollzeit in die virtuelle Welt abgestellt. Und ihn jetzt wieder abgezogen.

25.3.2008, 8 KommentareWir haben uns vertan

Wired hat sich grundlegend geirrt – und gibt die falsche Einschätzung heute, mehr als zehn Jahre später, unumwunden zu: "We Were Wrong". Leider ist so eine transparente und ehrliche Berichterstattung noch die Ausnahme.

27.11.2007, 1 KommentareIm Test:
SLM - Das Second Life Magazin

Mit 3D-Avataren Websites besuchen: Weblin ist zurück

15.9.2011, 0 KommentareMit 3D-Avataren Websites besuchen:
Weblin ist zurück

Im Frühjahr 2009 führte die Insolvenz der Zweitgeist GmbH aus Hamburg zum vorläufigen Ende des 3D-Avatar-Dienstes Weblin. Jetzt hat ihn einer der zwei einstigen Gründer wiederbelebt.

25.11.2007, 5 Kommentaremaquari:
3D-Community mit Verlängerung in Blogs & Social Networks

19.10.2007, 9 Kommentareweblins Avatare werden zu Social-Network-Botschaftern

2 Kommentare

  1. Second Life Crazy
    schrieb am 7. Mai 2007 um 21:50 Uhr (#)

    Ich finde es gar nicht mal schlecht, wenn via Mainstream Medien endlich mal die breite Malle von den zwar vagen aber doch spannenden neuen Entwicklungen im Web erfährt…

  2. fliegerhorst
    schrieb am 14. Mai 2007 um 19:10 Uhr (#)

    ich finde es gut, dass derartige geschichten aufgedeckt und auch in den breiten medien aufgezeigt werden.

    die firma “linden labs” reagiert erst dank dieses tv-beitrags gegen die vorwürfe hier die augen zu verschließen. “man wissen von dem treiben, aber es seien in den letzten vier jahren nur eine handvoll vorkommnisse dieser art gemeldet worden”, so die linden labs mitarbeiterin in dem tv-beitrag.

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