Munitions-Lieferungen

Ö-Schau – die Medienwoche in Österreich

Beherrschendes Thema in der Alpenrepublik in der vergangenen Woche: die Eurofighter. Nichts polarisiert die Österreicher derzeit mehr, nicht einmal der frisch reformierte ORF. Die Flieger – auch dominantes Thema im vergangenen Wahlkampf – sind von der (siegreichen) SPÖ zum Nummer-1-Feindbild erkoren worden, das getilgt werden muss. Gleich, zu welchem Preis.

Nachdem in der vergangenen Woche Geldflüße von EADS-Lobbyisten Erhard Steininger an die Firma der Ehefrau von Airchief Erich Wolf (einen der Hauptverantwortlichen beim Beschaffungsvorgang) bekannt wurden, scheint die Idealvorstellung – Ausstieg aus dem Vertrag und Abbestellung der Kampfjets – näher denn je.
Die Krone zeigt sich wieder mal von ihrer raffinierten Seite und schwadroniert über die Verfehlungen von Wolf, dem offenbar “die Sensibilität” dafür fehle, was “mit dem Beruf vereinbar ist und was nicht”. Nachdem auch noch undifferenziert darauf hingewiesen wurde, dass Wolfs Aussagen schon im Untersuchungs-Ausschuss zu den Eurofightern “niemand glauben” wollte, besinnen sich die Redakteure auf einen Umstand, der, je öfter auf ihn verwiesen wird, sich in seiner Wirkung verkehrt: “Aber natürlich darf Wolf nicht vorverurteilt werden. Es gilt die Unschuldsvermutung.”
Die Presse wiederum meint, dass die Entscheidung für den Eurofighter Typhoon “nicht der Weisheit letzter Schluss” sei. Jedoch: “Ganz blöd” war die Präferenz für den EADS-Flieger dann doch nicht. Trotz allem biete sich laut dem Kommentar für die Kanzlerpartei die Möglichkeit, ein paar der zuletzt betretenen Fettnäpfchen vergessen zu machen: “Die SPÖ wäre ja auch wirklich selten vertrottelt, würde sie jetzt, nach der peinlichen Nachgiebigkeit bei Studiengebühr und Erbschaftssteuer, nicht die Chance wittern, endlich einen ganz großen Treffer zu landen. Alfred, der Abfangjägerkiller – das würde Gusi (Bundeskanzler Gusenbauer; Anm. Red), der sich über den Tisch ziehen lässt, vergessen machen”.
Der Standard ortet eine gewisse Ironie angesichts der finanziellen Verhältnisse der zusammenhängenden Geschäfte: “Es ist schon skurril: Eine Überweisung von 87.600 Euro droht einen Zwei-Milliarden-Euro-Vertrag zum Platzen zu bringen.” Die Grünen glauben ebenso wie die SPÖ bereits fest an die Möglichkeit eines Ausstiegs, und auch die konservative ÖVP – unter deren Kanzlerschaft 2002 die Anschaffung beschlossen wurde – “zaudert und hadert schon”.
Während also allerorts nach Schuldigen und Schuldzuweisungen gesucht wird, gehen die Salzburger Nachrichten bereits einen Schritt weiter und errechneten die Kosten für einen allfälligen Prozess, sollte die Republik den Vertrags-Aussteig anstrengen. “Bei einem Rechtsstreit um den kompletten Vertragsausstieg bei einem Streitwert von 1,9 Mrd. Euro würden sich allein die Gerichtskosten in der ersten Instanz auf über 23 Mio. Euro belaufen”.

Vergessen wird auch nicht, darauf hinzuweisen, wer das dann begleichen darf: “Zu zahlen hätte dieser der Kläger und in weiterer Folge die unterlegene Prozesspartei.”

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

6.4.2009, 0 Kommentare6 zur re:publica'09:
Frauen, Freaks oder Geeks

Der Abschluss der re:publica'09 in den Blogs: Wenn Frauen bloggen, kein Status Quo mehr, kein Bock auf Recherche, die Vorträge als Videos online.

3.4.2009, 0 Kommentare6 zur re:publica'09:
Leerlauf, Internetgemüse, Babykotze

Tag 2 der re:publica'09 in den Blogs: Was treibt die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege? Warum ist das Babykotze-Panel genau richtig? Wann richten die Blogger ihren Fokus auf die Probleme unserer Zeit?

2.4.2009, 0 Kommentare6 zur re:publica'09:
Klowände, Augenringe, Hosenträger

Der Tag 1 der re:publica'09 in den Blogs: Helden in Hosenträgern, eine internetferne Elite, Augenringe. Und immer noch: Klowände.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Gute Seiten: Blog und Lesezirkel für Magazine

28.4.2009, 4 KommentareGute Seiten:
Blog und Lesezirkel für Magazine

Sie nennen es Holzmedienclub: Auf "Gute Seiten" dreht sich alles um unabhängige Magazine und ihre Macher, ausgesuchte Hefte werden über eine Zinothek verliehen - und es wird gefeiert.

Bye-bye Programmies: Im Internet gibt’s was zu sehen

3.2.2009, 10 KommentareBye-bye Programmies:
Im Internet gibt’s was zu sehen

Von einfachen Listen bis zu multimedialen Communities mit individueller Planung: Wie das Fernsehprogramm aus dem Internet die gedruckten Programmzeitschriften ersetzt.

Alles über Magazine: Zehn Blogs über Zeitschriften

19.1.2009, 6 KommentareAlles über Magazine:
Zehn Blogs über Zeitschriften

Wir stellen zehn Blogs vor, die sich mit Magazinen und Zeitschriften beschäftigen – mit schöner Gestaltung glänzender Seiten wie mit dem Wandel der Printbranche.

Printartikel online weiterempfehlen: Paperboy erkennt über  180 Zeitungen aus D-A-CH

10.10.2011, 4 KommentarePrintartikel online weiterempfehlen:
Paperboy erkennt über 180 Zeitungen aus D-A-CH

Mit Paperboy können Inhalte aus den Print-Versionen von Tageszeitungen per Smartphone in hochaufgelöster digitaler Form weiterempfohlen werden. Jetzt expandiert der Dienst aus Zürich in D-A-CH und weltweit.

Paper Pile: Applikation macht aus  RSS-Feeds eine iPad-Zeitung

26.5.2010, 15 KommentarePaper Pile:
Applikation macht aus RSS-Feeds eine iPad-Zeitung

Nicht jeder mag die Listendarstellung herkömmlicher RSS-Reader. Die iPad-Anwendung Paper Pile stellt beliebige Feeds im Format einer traditionellen Zeitung dar.

Fusion in der Schweiz: Tamedia übernimmt Edipresse

3.3.2009, 3 KommentareFusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

2 Kommentare

  1. martin
    schrieb am 13. April 2007 um 09:07 Uhr (#)

    für mich aus der schweiz wäre der “frisch reformierte orf” jetzt doch wesentlich spannender gewesen.. ;)

    ich habe im tv immer die ankündigung gesehen, konnte aber sonst eigentlich keine veränderung feststellen. was ist denn da gemacht worden?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Christian Horvath
    schrieb am 13. April 2007 um 09:12 Uhr (#)

    Hallo Martin, die Anregung wird aufgenommen. Ein Kompendium über den reformierten ORF ist quasi schon in Arbeit.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.