medienlese – der Wochenrückblick

Knutschi Knuddel Knut, ein noch junger Eisbär aus einem Berliner Zoo, öffnete allen die Augen weit, erhöhte allen die Stimme um ein paar Hertz, formte allen die Lippen zu einem Trichter und liess allen die Hände in die Höhe schnellen – er war der Star der Woche. Der Jahreszeit gerecht und auch weil keine anderen spannenden Themen da waren, kreuzten 500 Journalisten auf, um dem Ereignis, dass ein Jungtier nach einer Bakterienquarantäne das erste Mal ins Freie gelassen wird, beizuwohnen. Natürlich beugte sich die Presse auch in diesem Fall nur dem Willen des Volkes, das, einmal angefixt von zuckersüssen Bildern, kaum genug kriegen konnte. Warum das so ist, erklärte ein Diplompsychologe: “Wir unterliegen alle dem Kindchenschema. Wenn wir ein Tier mit großen Augen und Ohren sehen oder ein Baby, setzt ein Fürsorgereflex ein. Das ist genetisch verankert. Knut ist außerdem noch weiß. Das wirkt auf uns ehrlich, rein und unschuldig. So einen wollen wir beschützen – in Zeiten, wo vieles schlecht, böse und brutal ist. Dass er sterben sollte und seine Mutter verloren hat, ist noch mal ein Extrabonus.” Blick und Heute boten kurzfristige Pilgerreisen an. Auch andere Tiere waren in den Fall verwickelt: Aus Frankfurt bot Affe Sirih Fernhilfe an. Blick enthüllte, dass es auch in der Schweizer Gemeinde Oberbussnang im Kanton Thurgau putzige Tiere gibt und präsentierte vier Lämmchen. Und glaubt man der Bild-Zeitung, blieb Pandabärin Yan-Yan aus Eifersucht auf Knut das Herz stehen.

Der Kleinreport berichtete, ohne sich an der Veranstaltung zu erkennen zu geben, über das Blogcamp in der Zürcher ETH. An der re:publica soll das nicht möglich sein: “Für Pressevertreter steht ein begrenztes Kontingent an Akkreditierungen zur Verfügung. Pressevertreter erhalten ausschließlich bei Akkreditierung über dieses Formular sowie schriftliche Freigabe durch die Veranstalter kostenlosen Zugang zur re:publica. Die Vorlage eines Presseausweises an den Veranstaltungstagen genügt nicht, es werden keine Ausnahmen gemacht”.

Auf sanften Druck der Süddeutschen Zeitung korrigierte Günter Grass seine Aussage, dass die deutsche Presse entartet sei. “Im Übrigen” sagte er: “Was ich bei euch Journalisten beobachte, ist die Unfähigkeit, sich selbstkritisch zu sehen. Ihr sitzt in den warmen Redaktionsstuben mit den mächtigen Auflagen im Hintergrund und fühlt euch da sicher. Aber es gibt Gegenstimmen”. Das Tages-Anzeiger schrieb über eine Internetstudie, die 1’000 Schweizer Passanten fragte, was sie denn für Websites besuchen. Das wurde da und dort in Frage gestellt, unter anderem, weil die Homepage der Universität Lausanne in den Top Ten erschien. Ein Kommentar an anderer Stelle und zu einem anderem Eintrag stellte fest: “Das Schlimmste ist, dass ehemals gut gemachte Produkte wie der Tagi meinen, sich der grassierenden Verronorpisierung anpassen zu müssen, um modern zu sein.”. Ronorp‘s Wisi schrieb derweil über Heute‘s Claudia. Kathrin Passig gab zu, keine deutschen Blogs zu lesen und media.slug.ch kam zurück. Der Trainer der Schweizer Fussballer hielt an einer Pressekonferenz eine geöffnete Bierdose in der Hand (unter dem Tisch) und Juan Isidro Casilla erzählte, sogar die New York Times habe über seinen Fall geschrieben – die Meldung sei herumgegangen “wie Heu”.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. leu
    schrieb am 1. April 2007 um 19:41 Uhr (#)

    Also ich weiss nicht was das soll mit dem Kleinreport. Der hat sich schon korrekt angeschrieben als er eingetroffen ist und sich auch vorgestellt.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 2. April 2007 um 08:26 Uhr (#)

    Vielen Dank für die Aufklärung, hier der Beweis. Nur weil sich jemand nicht bei mir persönlich meldet, heisst das noch nicht, dass er anonym dort ist. Ich entschuldige mich für die Unterstellung.

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