Web 2.0 hält Einzug im Gesundheitssektor

Martin Weigert, 18. März 2007 um 23.33 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Das Schlagwort Web 2.0 hält langsam Einzug in Bereiche, die bisher eher von konservativen und weniger innovativen Onlinestrategien geprägt waren. Darauf macht das schwedische Magazin Internetworld in seiner aktuellen Ausgabe aufmerksam und nennt als Beispiel das Gesundheitswesen, das insbesondere in den USA verstärkt die Vorzüge sozialer Netzwerke und von Nutzern generierter Inhalte erkennt.

Speerspitze dieser Entwicklung ist die Plattform Revolution Health, ein Mammutprojekt des AOL-Gründers Steve Case, welches den Nutzern umfangreiche Informationen über das gesamte Spektrum an Gesundheits- und Krankheitsthemen bieten soll. Neben Ärzten und andere Medizin-Experten sind es vor allem die User selbst, die die Inhalte für die Seite liefern. Die Patienten haben die Möglichkeit, Ärzte in bester eBay-Manier zu bewerten, in Blogs über ihre Erfahrungen mit bestimmten Krankheiten zu schreiben, Profilseiten anzulegen und sich in Foren gegenseitig Ratschläge zu geben.

Revolution Health ist seit Ende Januar im Netz und hat über 300 (!) Angestellte. Die Marschroute ist damit klar: Mit Social Networking, User Generated Content und rund 500 Millionen Dollar aus Steve Cases Privatvermögen im Rücken (!!) will die Site ihrem Namen alle Ehre machen und das US-amerikanische Gesundheitswesen revolutionieren.

In Deutschland stecken ähnliche Angebote noch in den Kinderschuhen oder beschränken sich bisweilen auf eine sehr klassische Form der Userbeteiligung, nämlich das gute alte Forum. Allein bei zwei der größten deutschen Portale zum Austausch über medizinische Themen, med1.de und netdoktor.de, schreiben täglich tausende User in unzähligen Foren über ihre Probleme oder stellen Fragen.

Das Potential für erweiterte Services rund um Nutzerbeteilung ist damit definitiv vorhanden und wird sicherlich in absehbarer Zeit auch genutzt werden. Sinn macht es! Mit dem Öffnen anderer Seitenbereiche für die User abseits der Foren erhält deren Content mehr Relevanz und scheinbare Wichtigkeit und kann außerdem besser in die bestehende Struktur und Rubrizierung eines Webangebotes eingefügt werden. Ob dies aus ärztlicher/medizinischer Sicht erstrebenswert ist, steht auf einem anderen Blatt, aber aufhalten können die Damen und Herren in Weiß diese Entwicklung nicht.

Gute Aussichten also für ein Videoportal zur Dokumentation von körperlichen Beschwerden. Wie da wohl die Tag Cloud aussehen würde?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Das Problem mit dem User Generated Content

Martin Weigert, 16. März 2007 um 19.22 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Alle lieben User Generated Content. Die Nutzer, die auf diesem Weg an lustige Videos, unterhaltsame Blogs und informative Rezensionen kommen. Die Unternehmen, die immer mehr Möglichkeiten für die Website-Besucher schaffen, um in irgendeiner Form eigene Inhalte zu posten. Und natürlich auch die Medien, die jeden Tag darüber schreiben.

Doch schlecht ist es, wenn alle User Generated Content haben wollen, aber niemand da ist, der ihn generiert. Für die Big Player wie YouTube, Wikipedia und andere etablierte Anbieter ist dies zwar kein Thema, mit dem sie sich beschäftigen müssen. Doch für manch ein kleineres Webangebot, das nun “auch endlich beim Web 2.0 dabei sein möchte”, stellt es sich komplizierter dar, die Nutzer zum Schreiben, Posten und Hochladen von Inhalten zu animieren.

Handelsblatt.com veröffentlichte heute die zusammenfassenden Ergebnisse einer Umfrage unter den Lesern der eigenen Website und denen von WiWo.de, dem Onlineangebot der WirtschaftsWoche. Klares Ergebnis: Produktbewertungen, Rezensionen und andere Kauftipps werden von mehr als 80 Prozent der User gern genutzt. Doch weniger als die Hälfte der Befragten ist bereit, selbst mit der eigenen Meinung oder Erfahrung beizutragen.

Der Handelsblatt.com-Artikel zitiert “Peter Wiedekamm”, den Vorstand des Institutes Novomind, welches hinter der Umfrage steht: «Es ist nunmal so, dass nur eine Minderheit bereit ist, Zeit und Mühe zu investieren, ohne dafür einen direkten Mehrwert zu bekommen«.

Erfolgreiche Sites haben gezeigt, dass User Generated Content durchaus funktionieren kann, und dass damit Millionen Nutzer zum Mitmachen angeregt werden können. Das heißt aber nicht, dass es ein Selbstläufer ist.

Der Nutzer möchte zumeist einen (attraktiven) Mehrwert. Bei Youtube und Wikipedia ist dies aufgrund der Größe und Bekanntheit der Community hauptsächlich Credibility. Weniger bedeutende Sites ohne eine spezialisierte Zielgruppe müssen jedoch mehr bieten, um Nutzer zu binden und nachhaltig zum generieren von Content zu bewegen. Denn wenn es dann erst einmal angelaufen ist und Paul, Lisa und Anton bereits dabei sind, fangen Netzwerkeffekte an zu wirken. Dann möchten auch Sarah, Marcus und Max Mustermann mitmachen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

StudiVZ:
Vertragsstrafen für Fehlverhalten in den neuen AGBs

Michael Osl, 16. März 2007 um 11.25 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die neuen AGBs von StudiVZ haben es in sich: Bei Fehlverhalten wie Angabe von falschen Daten, Anmeldung obwohl man kein Student ist (oder war) oder bei einer Doppelanmeldung soll der Benutzer eine Vertragsstrafe bezahlen und eine Unterlassungserklärung abgeben.

Besonders teuer werden “elektronische Angriffe” durch Hacker und Crawler - hier wird eine Vertragsstrafe von mindestens 6.000 Euro fällig, berichtet golem.de

Das law blog bezweifelt allerdings die Gültigkeit einer solchen Klausel.

Für “Hackangriffe” ist das noch einigermaßen nachzuvollziehen - Auch wenn diese nicht erfolgreich sind können diese durch erhöhte Serverlast hohe Kosten beim Betreiber verursachen, aber Vertragsstrafe und Unterlassungserklärung für falsche Benutzerdaten … finde ich doch etwas übers Ziel hinausgeschossen - wie wäre es einfach, in einem solchen Fall den Account zu löschen und gut ist?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Simple as StudiVZ

Martin Weigert, 15. März 2007 um 21.05 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Dieser Tage habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich das Besondere an StudiVZ? 1,8 Millionen registrierte Nutzer allein auf der deutschsprachigen Plattform - dafür muss es doch einen besonderen Grund geben? Um diesen herauszufinden, habe ich mich nun auch angemeldet, um einfach mal ein bisschen zu stöbern. Und ich habe eine Erkenntnis gewonnen: Es muss die Einfachkeit, die Textbasiertheit, das Fehlen jedweder revolutionärer Techniken und Funktionen sein, was StudiVZ zu diesem Erfolg verholfen hat.

Sowohl die Startseite als auch sämtliche Mitgliederseiten hätten schon Teil einer Community aus dem Jahr 2000 gewesen sein können. Und wären schon damals nicht innovativ gewesen. Es gibt keine Flash-Gimmicks, abgesehen von den dafür vorgesehen Bereichen keine Fotos und Bilder, und eigentlich rein gar nichts, was einen überraschen könnte. Man sucht danach, aber man findet nichts.

Und genau genommen kann man nicht einmal von textbasierter Darstellung sprechen, denn selbst Text gibt es nicht mehr als nötig. Das, was dann aber doch zu lesen ist, bedient sich einer äußerst einfachen, teilweise teeniehaften Sprache. Gesucht wird mit der “Super-Suche”, das Postfach heißt “Nachrichtendienst” und Kommaregeln werden nicht immer genau genommen.

Die gesamte Seite wirkt unschuldig, uninnovativ und simpel. Und wir lernen: Genau das ist offenbar das Mittel zum Erfolg! Simple as Google, simple as StudiVZ. Bei den Machern der gerade mit Venturekapital von Bertelsmann gelaunchten Community Bloomstreet hat man davon offensichtlich noch nichts gehört.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Oliver Samwer im Interview mit der FAZ

Michael Osl, 15. März 2007 um 19.33 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

FAZ.net bringt ein interessantes Interview mit dem Internet-Unternehmer Oliver Samwer, in welchem er unter anderem sagt, dass wir uns mit Web 2.0 nicht in einer Blase, sondern einer aggressive Wachstumsphase befinden. Das Interview gibt es hier.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

web.de bringt in Kürze UndDu.de an den Start

Michael Osl, 15. März 2007 um 9.08 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Unter http://unddu.de/ will das Karlsruher Unternehmen web.de ab 19. April eine neue Web 2.0-Plattform lancieren. Ersten Informationen zufolge handelt es sich hierbei um ein Kontaktportal á la StudiVZ oder Xing, das jedoch im Gegensatz zu diesen nicht auf bestimmte Personenkreise zugeschnitten sein soll. Jeder Benutzer kann dabei entscheiden, wer Zugriff auf seine Seiten haben soll.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Venture Capital:
Sechs magere Jahre

Andreas Göldi, 14. März 2007 um 14.37 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Jungunternehmer neigen gern dazu, heimlich auf Venture-Capital-Firmen zu schimpfen. Klar, man braucht sie, um Startups zu finanzieren, aber ist es nicht eigentlich ungerecht, dass die VCs dicke Gewinne einstreichen, während die armen Unternehmer die eigentliche Arbeit machen? Und wo ist eigentlich das “Venture” in Venture Capital, wenn VCs zunehmend nur noch in todsichere Erfolgsstories investieren und nicht in wirklich risikoreiche Startups?

Don Dodge stellt auf seinem Blog eine interessante Rechnung auf, die die VC-Realität erheblich düsterer darstellt. Demzufolge haben VCs und Business Angels (also private Investoren) zwischen 2001 und 2006 in den USA im Durchschnitt $40 Mia. pro Jahr investiert, aber nur Exits für durchschnittlich $18 Mia. geschafft. Das heisst, da wurden nicht etwa nur magere Renditen erwirtschaftet, sondern reichlich Geld in den Sand gesetzt.

Nun ist Venture Capital eine recht langfristig angelegte Sache, und darum kann man Investments und Exit-Erlöse im gleichen Jahr nicht gegenüberstellen. Aber trotzdem sehen die meisten VCs gern einen Exit nach spätestens fünf Jahren. Und auch damit sieht’s nicht gut aus: 2001 wurden $62.1 Mia. investiert, und im dafür theoretisch gewünschten Exit-Jahr 2006 nur knapp $22 Mia. erlöst. Ganz offensichtlich waren die letzten paar Jahre also ausgesprochen mager für Venture Capital. Insbesondere können VCs nicht mehr auf die spektakulären Börsengänge von einst zählen: Nur etwa ein Drittel der Exit-Erlöse wurde 2006 mit IPOs generiert.

Übermässiges Mitleid mit den Top-VCs ist allerdings fehl am Platze: Erstens landen die grossen Gewinne meistens bei den Top 20% der VC-Firmen, während die kleinen Player oft ganz leer ausgehen. Und zweitens folgte diese magere Phase auf eine spektakuläre Zeit der gigantischen IPOs, wo sich VCs dumm und dämlich verdient haben. Konkreter: Im Jahr 1999 wurden Exits für $56 Mia. erzielt, 2000 gar für $87.9 Mia., bis 2002 schrumpfte der Markt dann auf kümmerliche $7 Mia. Auf eine 10-Jahres-Perspektive gerechnet (die typische Laufzeit eines VC-Fonds) gleicht sich das alles einigermassen aus.

Trotz allem fragt man sich, ob sich da nicht eine grössere Konsolidierung in der VC-Branche ankündigt. Es sieht nicht danach aus, als ob der IPO-Markt wieder zu Internet-Bubble-Niveaus zurückkehren würde. Und auf die Dauer werden die Investoren kaum willens sein, solche schlechten Resultate zu akzeptieren.

Hier im MIT-Umfeld (wo ich mich derzeit aufhalte), das stark von VC-Firmen beackert wird, spürt man zumindest eine ziemlich grosse Nervosität. Viele der grossen VC-Firmen fangen an, mit neuen Methoden zu experimentieren, aber bisher noch mit wenig sichtbarem Erfolg. Wer weiss, vielleicht müssen sich Startups bald nach anderen Finanzquellen umsehen.

Was treiben eigentlich “Digital Natives” im Internet?

Andreas Göldi, 8. März 2007 um 14.40 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Sie sind Gegenstand vieler aktueller Businesspläne und Objekt der Begierde in der Werbebranche: Die “Digital Natives“, die nach 1980 geborene junge Zielgruppe, die sich nicht mehr an eine Zeit ohne Handy und Internet erinnern kann. Darum verhält sich diese Altersgruppe auch (angeblich) in ihrem Medienkonsum ganz anders als die älteren demographischen Segmente und ist darum Gegenstand vieler Spekulationen.

Eine neue Studie von “Youth Trends” (abrufbar bei eMarketer.com) hat nun untersucht, welche Websites junge Amerikaner zwischen 17 und 25 Jahren bevorzugt besuchen.

Die weitaus dominierende Website bei jungen Frauen wie Männern ist das studentenorientierte Social Network Facebook, dessen deutsche Kopie » weiterlesen

Warren Buffett:
Ade, Du gute alte Zeitungs-Zeit

Andreas Göldi, 8. März 2007 um 14.03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Dass Warren Buffett ein ausgesprochen kompetenter Investor mit einem exzellenten Sinn für wirtschaftliche Trends ist, braucht man wohl kaum gross auszuführen. Sonst wäre er kaum der zweitreichste Mann der Welt.

Wenn so jemand plötzlich seine Einstellung einer ganzen Branche gegenüber ändert, lässt das aufhorchen. Erst recht dann, wenn er selber massgebliche Beteiligungen in dieser Branche hält. Und Buffett tut genau das mit der Zeitungsbranche.

In seinem legendären jährlichen “Chairman’s Letter” schreibt der Mitbesitzer von Washington Post und Buffalo News:

“When Charlie [Munger] and I were young, the newspaper business was as easy a way to make huge returns as existed in America. As one not-too-bright publisher famously said, ‘I owe my fortune to two great American institutions: monopoly and nepotism.’ No paper in a one-paper city, however bad the product or however inept the management, could avoid gushing profits.

The industry’s staggering returns could be simply explained. For most of the 20th Century, newspapers were the primary source of information for the American public. Whether the subject was sports, finance, or politics, newspapers reigned supreme. Just as important, their ads were the easiest way to find job opportunities or to learn the price of groceries at your town’s supermarkets.

[...]

Now, however, almost all newspaper owners realize that they are constantly losing ground in the battle for eyeballs. Simply put, if cable and satellite broadcasting, as well as the internet, had come along first, newspapers as we know them probably would never have existed.”

Autsch.

Buffett geht davon aus, dass in Zukunft mehr und mehr Zeitungsunternehmen von “Non-economic Buyers” gekauft werden, also von Leuten, die eine Zeitung nicht aus ökonomischen Gründen, sondern zwecks Steigerung der eigenen Prominenz besitzen wollen. In Amerika passiert schon seit langer Zeit das gleiche mit Sportteams: Weil die meisten Basketball-, Football- und Baseballvereine aus eigener Kraft nicht überleben können, sind sie zum teuren Hobby reicher Leute geworden.

(via Medienspiegel)

 
blogoscoop slug