Web 2.0 hält Einzug im Gesundheitssektor

Das Schlagwort Web 2.0 hält langsam Einzug in Bereiche, die bisher eher von konservativen und weniger innovativen Onlinestrategien geprägt waren. Darauf macht das schwedische Magazin Internetworld in seiner aktuellen Ausgabe aufmerksam und nennt als Beispiel das Gesundheitswesen, das insbesondere in den USA verstärkt die Vorzüge sozialer Netzwerke und von Nutzern generierter Inhalte erkennt.

Speerspitze dieser Entwicklung ist die Plattform Revolution Health, ein Mammutprojekt des AOL-Gründers Steve Case, welches den Nutzern umfangreiche Informationen über das gesamte Spektrum an Gesundheits- und Krankheitsthemen bieten soll. Neben Ärzten und andere Medizin-Experten sind es vor allem die User selbst, die die Inhalte für die Seite liefern. Die Patienten haben die Möglichkeit, Ärzte in bester eBay-Manier zu bewerten, in Blogs über ihre Erfahrungen mit bestimmten Krankheiten zu schreiben, Profilseiten anzulegen und sich in Foren gegenseitig Ratschläge zu geben.

Revolution Health ist seit Ende Januar im Netz und hat über 300 (!) Angestellte. Die Marschroute ist damit klar: Mit Social Networking, User Generated Content und rund 500 Millionen Dollar aus Steve Cases Privatvermögen im Rücken (!!) will die Site ihrem Namen alle Ehre machen und das US-amerikanische Gesundheitswesen revolutionieren.

In Deutschland stecken ähnliche Angebote noch in den Kinderschuhen oder beschränken sich bisweilen auf eine sehr klassische Form der Userbeteiligung, nämlich das gute alte Forum. Allein bei zwei der größten deutschen Portale zum Austausch über medizinische Themen, med1.de und netdoktor.de, schreiben täglich tausende User in unzähligen Foren über ihre Probleme oder stellen Fragen.

Das Potential für erweiterte Services rund um Nutzerbeteilung ist damit definitiv vorhanden und wird sicherlich in absehbarer Zeit auch genutzt werden. Sinn macht es! Mit dem Öffnen anderer Seitenbereiche für die User abseits der Foren erhält deren Content mehr Relevanz und scheinbare Wichtigkeit und kann außerdem besser in die bestehende Struktur und Rubrizierung eines Webangebotes eingefügt werden. Ob dies aus ärztlicher/medizinischer Sicht erstrebenswert ist, steht auf einem anderen Blatt, aber aufhalten können die Damen und Herren in Weiß diese Entwicklung nicht.

Gute Aussichten also für ein Videoportal zur Dokumentation von körperlichen Beschwerden. Wie da wohl die Tag Cloud aussehen würde?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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