Venture Capital:
Sechs magere Jahre

Jungunternehmer neigen gern dazu, heimlich auf Venture-Capital-Firmen zu schimpfen. Klar, man braucht sie, um Startups zu finanzieren, aber ist es nicht eigentlich ungerecht, dass die VCs dicke Gewinne einstreichen, während die armen Unternehmer die eigentliche Arbeit machen? Und wo ist eigentlich das “Venture” in Venture Capital, wenn VCs zunehmend nur noch in todsichere Erfolgsstories investieren und nicht in wirklich risikoreiche Startups?

Don Dodge stellt auf seinem Blog eine interessante Rechnung auf, die die VC-Realität erheblich düsterer darstellt. Demzufolge haben VCs und Business Angels (also private Investoren) zwischen 2001 und 2006 in den USA im Durchschnitt $40 Mia. pro Jahr investiert, aber nur Exits für durchschnittlich $18 Mia. geschafft. Das heisst, da wurden nicht etwa nur magere Renditen erwirtschaftet, sondern reichlich Geld in den Sand gesetzt.

Nun ist Venture Capital eine recht langfristig angelegte Sache, und darum kann man Investments und Exit-Erlöse im gleichen Jahr nicht gegenüberstellen. Aber trotzdem sehen die meisten VCs gern einen Exit nach spätestens fünf Jahren. Und auch damit sieht’s nicht gut aus: 2001 wurden $62.1 Mia. investiert, und im dafür theoretisch gewünschten Exit-Jahr 2006 nur knapp $22 Mia. erlöst. Ganz offensichtlich waren die letzten paar Jahre also ausgesprochen mager für Venture Capital. Insbesondere können VCs nicht mehr auf die spektakulären Börsengänge von einst zählen: Nur etwa ein Drittel der Exit-Erlöse wurde 2006 mit IPOs generiert.

Übermässiges Mitleid mit den Top-VCs ist allerdings fehl am Platze: Erstens landen die grossen Gewinne meistens bei den Top 20% der VC-Firmen, während die kleinen Player oft ganz leer ausgehen. Und zweitens folgte diese magere Phase auf eine spektakuläre Zeit der gigantischen IPOs, wo sich VCs dumm und dämlich verdient haben. Konkreter: Im Jahr 1999 wurden Exits für $56 Mia. erzielt, 2000 gar für $87.9 Mia., bis 2002 schrumpfte der Markt dann auf kümmerliche $7 Mia. Auf eine 10-Jahres-Perspektive gerechnet (die typische Laufzeit eines VC-Fonds) gleicht sich das alles einigermassen aus.

Trotz allem fragt man sich, ob sich da nicht eine grössere Konsolidierung in der VC-Branche ankündigt. Es sieht nicht danach aus, als ob der IPO-Markt wieder zu Internet-Bubble-Niveaus zurückkehren würde. Und auf die Dauer werden die Investoren kaum willens sein, solche schlechten Resultate zu akzeptieren.

Hier im MIT-Umfeld (wo ich mich derzeit aufhalte), das stark von VC-Firmen beackert wird, spürt man zumindest eine ziemlich grosse Nervosität. Viele der grossen VC-Firmen fangen an, mit neuen Methoden zu experimentieren, aber bisher noch mit wenig sichtbarem Erfolg. Wer weiss, vielleicht müssen sich Startups bald nach anderen Finanzquellen umsehen.

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