Last.tv
Die grosse Zeit der Musikvideos waren die 80er des letzten Jahrhunderts. Diese Zeit reichte hinein bis in die 90er-Jahre, doch irgendwann stellte man als Zuschauer fest, dass die Sender, die sich angeblich dem Senden von Musikvideos verschrieben hatten, nur noch ab und zu mal ein Musikvideo sendeten. Und wenn man beim Zappen eins erwischte, dann war es von einer Band, die man weder sehen noch hören wollte. Die Musikvideos der Bands, die man sehen und hören wollte, liefen plötzlich auf Sendern, die man nicht empfangen und zu Zeiten, zu denen man unmöglich fernsehen konnte. Irgendwann gab man die Hoffnung endgültig auf und sah die doch bemerkenswerte Kunstform Musikvideo als gestorben oder, eher, ermordet an. Verdrängt von einem Ersatzprogramm mit durchschnittlich einem Schnitt pro Sekunde, bei dem die Werbung vom Inhalt nicht mehr zu unterscheiden war. Das einen langweilte mit doofen Herzblatt-Shows, ausführlichster Promi-Berichterstattung und viel BlingBling. Und einem zudem das Gefühl gab, furchtbar alt zu sein.
Jetzt sind die Musikvideos zurück. Das waren sie ja schon lange, nämlich auf youtube.com und anderen Videoportalen. Aber nun sind sie so zurück, dass man sie angenehm konsumieren kann. Auf last.tv, einem Player, der Musikvideos abspielt, die User auf YouTube geladen haben.
Gemacht wird das so: Man gibt seinen eigenen oder irgendeinen anderen last.fm-Username ein und dann spuckt der Player Videos aus, die zu diesem musikalischen Profil passen. Die Qualität der YouTube-Videos ist natürlich sehr unterschiedlich und oft auch einfach schlecht. Doch meistens ist die Soundqualität annehmbar, dazu wird man nicht von Werbung belästigt. Und ein echter Fan ist schon dankbar, überhaupt eine Aufnahme seiner Lieblinge vorzufinden.
In ein paar Jahren wird es wohl mehrere solcher Services geben, in den verschiedensten Ausrichtungen und mit massiv verbesserter Qualität. Und die traditionellen Musiksender, die schon lange keine Musiksender mehr sind, werden gucken müssen, wo sie bleiben. Vielleicht ist es die Strafe dafür, dass sie den Zuschauern die Musikvideos weggenommen haben. Einen Grund dafür habe ich nie gesehen, die aber offenbar schon.
Auf last.tv begegnen einem auch Überraschungen wie Aufnahmen von Beethoven-Konzerten, Karaoke-Versionen von Schubert-Liedern oder durch noch ungenaue Auswahl hereingerutschte Filmausschnitte. Viele der Aufnahmen sind auch einfach Konzert-Aufnahmen – teilweise mit dem Handy gemacht. Jedenfalls ist die Usability bestechend einfach – man zappt einfach weiter, wenn man genug gesehen hat und schon kommt etwas Neues, vielleicht etwas Interessantes. Kein langes Suchen, keine Downloads, einfach Bild und Ton im Player.
Die Site last.tv war offenbar zu teuer – man musste auf lasttv.net ausweichen. Trotzdem hat man sich dazu entschlossen, mit dem Namen last.tv anzutreten. Hoffen wir auf eine schnelle Entwicklung, der Start ist vielversprechend.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Danke für den Tipp. Von Viva kann ich mich dann wohl endgültig verabschieden, MTV kann ich hingegen wegen Family Guy, South Park und Dave Chapelle (da treten wenigstens ganz zu Schluss noch Musikgruppen auf) noch nicht aus dem Programmspeicher löschen.
Bitte. Ich bin auch begeistert. Je länger ich da zusehe, desto mehr gefällt mir das Programm. Noch ein paar Monate oder Jahre, dann klappt das dann auch mit der Qualität.
Hab’s ausprobiert. Ist wirklich dufte, allerdings muss ich unbedingt mein last.fm-Profil noch feintunen.
Ein echt guter Tipp. Bin auf der Suche nach Musikvideos, aber in möglichst guter Qualität. Da müsste es doch mittlerweile Online-Sender geben? So eine Art music-on-demand. Bin für jeden Tipp dankbar.