medienlese – der Wochenrückblick

Weil er sich so gerne in der Zeitung sieht, fälschte ein 25jähriger Schweizer namens Juan Isidro Casilla ein Gucci-Inserat und platzierte dieses in der SonntagsZeitung und in der Abendzeitung Heute. Kaum war der Fall aufgeflogen, meldete sich Casilla beim Zürcher Lokalsender Tele Züri. Er entschuldigte sich dort in einer Talkshow für “den Scheiss, den ich gemacht habe” und erklärte sein Verhalten mit einer schwierigen Kindheit. Er wolle nun eine Psychotherapie beginnen. Später verkaufte er seine Story RTL für zweitausend Euro, das jedenfalls erzählte er einem Redaktor der NZZ am Sonntag. Seine Mutter wird im betreffenden Artikel ebenfalls zitiert: “Juan war immer schwierig und er machte immer Zirkus. Er hat sich gerne verkleidet.” Der nicht direkt vom Fall betroffene Tages-Anzeiger sah “die Taten als Performance zur allgemeinen Belustigung.” Der Blick fand viele weitere Jobs und Anzeigen von Casilla und wertete seinen Wohnortswechsel nach Zürich so: “Die Anonymität der Grossstadt ist das beste Umfeld für einen Schwindler”. Als dieser den Blick las, konnte er drei Tage nicht arbeiten.

Nzz.ch meldete, dass man sich in Zukunft für nur 8 Euro eine ganze Nummer des NZZ Folio vorlesen lassen kann, was Hörer gegenüber Lesern zu 3.33 mal besseren Kunden macht, denn eine Einzelausgabe des Folios, inklusive einer Montagsausgabe der NZZ, kostet nur 2,40 Euro. Der Kabelnetzbetreiber Cablecom kündigte einen Vertrag mit dem Haussender von Mike Shiva, dem Schweizer TV U1, wogegen eiligst eine Petition einberufen wurde. Cablecom sucks, schrieb die Werbewoche. SF-Chefredaktor und Blogger Ueli Haldimann gab zu, hie und da gerne frecher oder polemischer zu sein. “Aber jedes Wort im Blog wird als offizielle Äusserung des Schweizer Fernsehens gewertet, weil viele Journalisten nicht begriffen haben, was ein Blog ist.” Bundesrat Christoph Blocher gab zu, weder einen Computer, noch eine Schreibmaschine, noch eine Rechenmaschine bedienen zu können. Stattdessen sagte er, er sei stolz, SMS verschicken zu können und glaube nicht, dass Leute, die alles sähen und hörten, informiert seien.

Die Oscars wurden verteilt und alle freuten sich über denjenigen an den Film “Das Leben der anderen“. Nur nicht die Welt, die war der Meinung, der Film habe keinen Preis verdient. Zum besten Pressefoto des Jahres 2006 wurde bekannt, dass die Abgebildeten gar keine superreichen Kriegstouristen sind, sondern ganz normale Bürger: “Das hier ist der Libanon, wir laufen immer so herum“. Die Süddeutsche Zeitung stand angeblich für eine Milliarde Euro zum Verkauf. Die Titanic dachte über Jan Ullrichs Rücktritt nach und es wurde nach dem Blog-Messias gesucht. Jetzt.de erzählte Werbespots nach und fragte sich, ob die American-Apparel-Werbung sexistisch sei. Spreeblick.com launchte adical und leumund.ch blog2.biz. Spiegel.de offerierte Rettung für Cyber-Loser und Klaus J. Stöhlker machte sich Sorgen um Frank A. Meyer. Dänu Boemle starb.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. mds
    schrieb am 28. Dezember 2007 um 04:58 Uhr (#)

    Wow, Juan Isidro Casilla hat es nun sogar in die «101 Dumbest Moments in Business» von «Fortune» geschafft! (siehe http://money.cnn.com/gall…t.fortune/index.html)

  2. mds
    schrieb am 28. Dezember 2007 um 04:59 Uhr (#)

    (per http://money.cnn.com/gall…best.fortune/28.html gelangt man direkt zum Beitrag über Juan Isidro Casilla)

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