Und wieder mal eine fragwürdige Studie von ArgYou.com

Andreas Göldi, 8. Februar 2007 um 23.24 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Marktforschung ist eine merkwürdige Disziplin. Ihre Vertreter geben sich immer sehr seriös und wissenschaftlich, und es ist darum für die Kunden extrem schwierig, zwischen seriösen Forschern und Scharlatanen zu unterscheiden. Und wer schon in der Praxis mit Marktforschung zu tun hatte, weiss: Für fast jede Behauptung findet man eine passende Studie. Und zur Not lässt man sich eine anfertigen.

Die Marktforschungsfirma ArgYou.com hatte ich hier vor längerer Zeit schon einmal aufgrund ihrer Methoden kritisiert, die meiner Meinung nach ausgesprochen fragwürdig sind. Ich hatte in meiner Zeit als Berater schon einige Male mit den Arbeitsresultaten von ArgYou zu tun und war immer erstaunt darüber, wie man so etwas als seriöse Forschung (zumindest mit den von der Firma angepriesenen Aussagen) verkaufen kann.

ArgYou misst technische Dinge wie die Häufigkeit von Begriffen oder Dokumentenformaten (PDF, html, …) auf Websites und leitet daraus Aussagen über die Zielgruppengerechtigkeit einer Website ab. Beispiel: Einmal hat die Firma festgestellt, dass e-Government-Websites mehr PDFs und e-Mail-Adressen enthalten als früher und aus dieser weitgehend belanglosen Tatsache messerscharf geschlossen, dass diese Sites jetzt bürgernaher geworden sind. Das ist etwa so, wie wenn man den nächsten Fussballweltmeister aufgrund der Trikotfarben der Mannschaften vorhersagen wollte.

ArgYou tritt in der Öffentlichkeit meist in Erscheinung mit einer regelmässig durchgeführten Studie über die “Wirksamkeit von Kantonswebsites”. Während diese Untersuchungen am Anfang bei den Kantonen noch viel Aufmerksamkeit fanden, stehen inzwischen viele den Resultaten äusserst kritisch gegenüber. Die Fachzeitschrift Netzwoche berichtete in ihrer Ausgabe 03/2006 ausführlich über diese Studien (Artikel leider nicht online zugänglich) und deckte unter anderem auf, dass die von ArgYou behauptete Zusammenarbeit mit Google gar nicht existiert.

Heute liess die Firma ArgYou die Presse von ihrer neusten Untersuchung wissen: Pikanterweise hat man die Internetauftritte von Schweizer Web-Dienstleistern untersucht, also der Firmen, die eigentlich meisterliche Websites für sich selbst produzieren sollten.

» weiterlesen

New York Times:
In fünf Jahren nicht mehr auf Papier?

Andreas Göldi, 8. Februar 2007 um 20.47 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Arthur Sulzberger Jr., Herausgeber der New York Times, gibt eigentlich keine Interviews. So viel zum Thema “Eat your own dog food” in der Medienbranche. Auf dem WEF in Davos liess er sich in Anwesenheit von Journalisten aber doch einige Statements zu seiner Firma und deren Zukunft entlocken.

Die New York Times ist klar eines der globalen Leitmedien und zudem ein Konzern, der im Online-Bereich relativ erfolgreich ist. Bereits hat die Online-Variante der Times mehr Leser (1.5 Mio.) als die gedruckte Ausgabe. Trotzdem ist die Firma unter massivem Druck und musste gerade kürzlich einen grossen Abschreiber auf ihre diversen Beteiligungen verdauen. Sulzbergers Aussagen zeigen auch, wie verunsichert derzeit Zeitungskonzerne selbst mit dem Kaliber einer NYT sind.

Sulzberger sieht sein Hauptprodukt jedenfalls unabhängig vom Transportmedium:

“I really don’t know whether we’ll be printing the Times in five years, and you know what? I don’t care, either.”

Eine mutige Aussage für einen Zeitungskönig. Sulzberger meinte sogar, dass sich die NYT in einer Wandlungsphase befindet, die erst enden wird, wenn die Zeitung nicht mehr auf Papier erscheint. Durch die viel niedrigeren Kosten des Onlinemediums im Vergleich zum Printprodukt geht Sulzberger davon aus, dass Medienkonzerne trotz der niedrigeren Internet-Umsätze gleich viel verdienen können.

Zum Thema Zukunftsentwicklungen:

“We live the Internet world. We have, for example, five people working in a special development unit, whose whole job is to initiate and develop things in the electronic world - Internet, cellular, whatever comes. And do you know who our biggest customer is, at the level of the group? Google!”

Na ja, dass ein Entwicklungsteam mit fünf Mann gegen ein paar zehntausend Informatiker bei Google, Yahoo und Konsorten viel zu bestellen haben werden, darf man wohl bezweifeln. Dass Google der grösste Kunde sein soll, bezieht sich vermutlich darauf, dass auf der NYT-Site viele Google Ads geschaltet sind. Da fragt man sich dann nur, wer da genau an wem verdient.

Wenn VCs sich selbst bedienen:
YouTube-Eigner kassieren ordentlich

Andreas Göldi, 8. Februar 2007 um 18.09 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Googles Akquisition der führenden Videosite YouTube hat vor einigen Monaten Schlagzeilen gemacht, nicht zuletzt durch den aussergewöhnlich hohen Kaufpreis von $1.65 Mia. Klar, YouTube ist zweifelsfrei (von den Userzahlen her) sehr erfolgreich und unzweifelhaft ein kulturelles Phänomen unserer Zeit. Aber bis heute blieb die Firma eine Antwort auf die naheliegenden Frage nach dem Businessmodell schuldig. Und diese Gretchenfrage ist einer Antwort in den letzten Tagen auch nicht näher gerückt. Derzeit liegt sich YouTube nämlich mit Viacom und Universal in den Haaren, weil diese Medienkonzerne die Entfernung illegal hochgeladener Clips ihrer Sendungen verlangt haben. Und man fragt sich immer mehr, ob diese Mischung von mässig interessanten Amateurvideos und haarigen rechtlichen Problemen wirklich $1.65 Mia. wert war?

Die » weiterlesen

Steve Jobs fordert:
Gebt die Musik frei

Andreas Göldi, 7. Februar 2007 um 0.15 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Einen Mangel an strategischer Raffinesse kann man Apple-Chef Steve Jobs wirklich nicht vorwerfen. Apple ist insbesondere in Europa zunehmend unter Druck, weil das Kopierschutzsystem “FairPlay”, das Apple im iPod verwendet, proprietär und geschlossen ist. Die Konsumenten müssen bei Apple-Produkten bleiben, wenn sie ihre im iTunes-Store gekauften Musiktitel weiter hören wollen. Das schränkt die Konsumenteninteressen zu sehr ein, meinen insbesondere Politiker in Frankreich und Norwegen. Darum soll Apple gezwungen werden, FairPlay auch an andere Hersteller zu lizensieren.

In einem langen langen offenen Brief auf der Apple-Website wehrt sich Steve Jobs nun persönlich und schiebt den schwarzen Peter weiter — zur Musikbranche. Nur die ist nämlich der Grund dafür, schreibt Jobs, dass iTunes überhaupt DRM-geschützte Musik verkauft. Apple ist vertraglich gezwungen, den Kopierschutz zu verwenden und muss zudem, sollte dieser einmal geknackt werden, mit Softwareupdates für einen erneuten Schutz sorgen.

» weiterlesen

Wal-Mart Video Store:
Technologie ist eben Glückssache

Andreas Göldi, 6. Februar 2007 um 21.35 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Der amerikanische Billigmarkt-Gigant Wal-Mart ist heute mit der Beta-Version seiner neuen Video-Download-Website ans Netz gegangen. Das ist für die Videobranche im Prinzip natürlich ein recht grosses Ereignis, denn Wal-Mart dominiert in den USA den Verkauf von DVDs durch sein riesiges Volumen. Dass ausgerechnet dieser mainstreamigste aller Mainstream-Händler jetzt auch online verkauft, ist bemerkenswert, zumal Wal-Mart es auch geschafft hat, die meisten grossen Filmstudios für sein Angebot zu gewinnen.

Leider hat Wal-Mart das mit der Technik aber scheinbar noch nicht so ganz raus. Der Videostore sieht auf Firefox (PC und Mac) nämlich so aus:

Nur auf Internet Explorer läuft die Site richtig.

» weiterlesen

Amerikanische Printmedien:
Durchhalteparolen für $75 Mio.

Andreas Göldi, 4. Februar 2007 um 9.53 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Printmedien in den USA machen gerade ziemlich harte Zeiten durch. In den letzten Tagen häuften sich wieder mal die schlechten Nachrichten. Um nur einige zu nennen:

  • Time Inc., der grösste Zeitschriftenverlag mit Titeln wie “Time” und “People”, entlässt fast 300 Angestellte, viele davon im redaktionellen Bereich. Die Redakteure von Time sollen in Zukunft ihre Stories allein produzieren und nicht mehr wie bisher in kleinen Teams von Korrespondenten. Das mag ja billiger sein, aber ob es auch die Qualität der Berichterstattung erhöht?
  • Die New York Times Company schreibt $800 Mio. auf die Bewertung ihrer kleineren Titel ab. Diese Zeitungen, die primär im Nordosten Amerikas erscheinen (u.a. der renommierte Boston Globe) wurden von der NYT einst für etwa $1.4 Mia. gekauft. Die Reste dieser misslungenen Investition will man nun möglichst bald verkaufen. Interessiert ist unter anderem Managerlegende Jack Welch, der sich den Boston Globe vermutlich als persönliches Beweihräucherungsorgan anschaffen will, nachdem die Presse sonst oft gemein war zu ihm.
  • Die Umsätze aus Printanzeigen fielen im 3. Quartal 2006 um 2.6% gegenüber dem Vorjahr. Klingt nicht nach viel, aber angesichts des sonst relativ positiven Werbemarktes ist es enttäuschend. Auch die Prognosen sind düster: Selbst die optimistischsten Vorhersagen gehen nur gerade davon aus, dass die Printmedien ihre Anzeigenumsätze knapp halten können.

Dem allgemeinen Verdruss will die Zeitungsbranche nun entgegentreten. Und zwar nicht etwa mit Produktinnovationen, höherer Qualität oder mehr Leserorientierung, sondern … mit einer Werbekampagne.

» weiterlesen

 
blogoscoop slug