Und wieder mal eine fragwürdige Studie von ArgYou.com
Marktforschung ist eine merkwürdige Disziplin. Ihre Vertreter geben sich immer sehr seriös und wissenschaftlich, und es ist darum für die Kunden extrem schwierig, zwischen seriösen Forschern und Scharlatanen zu unterscheiden. Und wer schon in der Praxis mit Marktforschung zu tun hatte, weiss: Für fast jede Behauptung findet man eine passende Studie. Und zur Not lässt man sich eine anfertigen.
Die Marktforschungsfirma ArgYou.com hatte ich hier vor längerer Zeit schon einmal aufgrund ihrer Methoden kritisiert, die meiner Meinung nach ausgesprochen fragwürdig sind. Ich hatte in meiner Zeit als Berater schon einige Male mit den Arbeitsresultaten von ArgYou zu tun und war immer erstaunt darüber, wie man so etwas als seriöse Forschung (zumindest mit den von der Firma angepriesenen Aussagen) verkaufen kann.
ArgYou misst technische Dinge wie die Häufigkeit von Begriffen oder Dokumentenformaten (PDF, html, …) auf Websites und leitet daraus Aussagen über die Zielgruppengerechtigkeit einer Website ab. Beispiel: Einmal hat die Firma festgestellt, dass e-Government-Websites mehr PDFs und e-Mail-Adressen enthalten als früher und aus dieser weitgehend belanglosen Tatsache messerscharf geschlossen, dass diese Sites jetzt bürgernaher geworden sind. Das ist etwa so, wie wenn man den nächsten Fussballweltmeister aufgrund der Trikotfarben der Mannschaften vorhersagen wollte.
ArgYou tritt in der Öffentlichkeit meist in Erscheinung mit einer regelmässig durchgeführten Studie über die “Wirksamkeit von Kantonswebsites”. Während diese Untersuchungen am Anfang bei den Kantonen noch viel Aufmerksamkeit fanden, stehen inzwischen viele den Resultaten äusserst kritisch gegenüber. Die Fachzeitschrift Netzwoche berichtete in ihrer Ausgabe 03/2006 ausführlich über diese Studien (Artikel leider nicht online zugänglich) und deckte unter anderem auf, dass die von ArgYou behauptete Zusammenarbeit mit Google gar nicht existiert.
Heute liess die Firma ArgYou die Presse von ihrer neusten Untersuchung wissen: Pikanterweise hat man die Internetauftritte von Schweizer Web-Dienstleistern untersucht, also der Firmen, die eigentlich meisterliche Websites für sich selbst produzieren sollten.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
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