Wenn VCs sich selbst bedienen:
YouTube-Eigner kassieren ordentlich

Andreas Göldi, 8. Februar 2007 18:09 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Googles Akquisition der führenden Videosite YouTube hat vor einigen Monaten Schlagzeilen gemacht, nicht zuletzt durch den aussergewöhnlich hohen Kaufpreis von $1.65 Mia. Klar, YouTube ist zweifelsfrei (von den Userzahlen her) sehr erfolgreich und unzweifelhaft ein kulturelles Phänomen unserer Zeit. Aber bis heute blieb die Firma eine Antwort auf die naheliegenden Frage nach dem Businessmodell schuldig. Und diese Gretchenfrage ist einer Antwort in den letzten Tagen auch nicht näher gerückt. Derzeit liegt sich YouTube nämlich mit Viacom und Universal in den Haaren, weil diese Medienkonzerne die Entfernung illegal hochgeladener Clips ihrer Sendungen verlangt haben. Und man fragt sich immer mehr, ob diese Mischung von mässig interessanten Amateurvideos und haarigen rechtlichen Problemen wirklich $1.65 Mia. wert war?

Die

wsj.com/article/SB117089693021001682.html?mod=home_whats_news_us”>gestern bekannt gewordenen Auszahlungen an die YouTube-Eigner werfen etwas mehr Licht auf den Deal: Die beiden Gründer bekommen je ca. $320 Mio., was für knapp zwei Jahre Arbeit ja eigentlich eine ganz faire Entschädigung ist. Und auch etwa ein Dutzend der übrigen YouTube-Angestellten sind seit gestern mehrfache Millionäre. Da kann man echt nur gratulieren.

Noch schöner profitiert aber eine andere Partei: Die legendäre Venture-Capital-Firma Sequoia Capital, die bei YouTube sechs Monate vor dem Deal mit einem Investment von $11.5 Mio. eingestiegen war. Sequoia kriegt jetzt eine Auszahlung von $442 Mio., was wohl als einer der besten Deals überhaupt in die VC-Geschichte eingehen dürfte. Das ausführliche SEC-Filing zeigt im Detail, wer sonst noch alles im Hintergrund mitprofitiert, unter anderem diverse Pensionskassen und Universitätsstiftungen, und lustigerweise hat selbst Yahoo-Gründer Jerry Yang noch ein paar Dollar verdient.

Alles prima also? Na ja, auf rein moralischer Ebene vielleicht doch nicht so ganz. Rein zufällig sitzt Sequoias Ober-VC Michael Moritz nämlich in Googles Board of Directors und hat damit ein gewichtiges Wort mitzureden bei der Strategie der Suchmaschinenfirma. Sequoia war einer der ersten Financiers von Google und ist immer noch einer der grössten Aktionäre, und damit hat die VC-Firma natürlich sehr viel Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Hat Sequoia womöglich Google zum YouTube-Kauf gedrängt, um daran selbst ordentlich zu kassieren?

Kann ja eigentlich nicht sein. Die Verhandlungen haben nämlich angeblich immerhin eine ganze Woche gedauert, das reicht ja locker für eine sorgfältige Prüfung der Transaktion. Und gemäss dem letzten Quartalsbericht von Google hat sich Michael Moritz sogar in den Ausstand begeben, als der YouTube-Kauf im Board besprochen wurde. Da sind wir aber froh über so viel Korrektheit.

Auch noch interessant: Der zweite einflussreiche VC in Googles Board, John Doerr, vermutlich wohl das einzige echte Gegengewicht zu Sequoia, hat rein zufällig am Tag der YouTube-Akquisition und auch schon in den Wochen davor fleissig Google-Aktien verkauft, im Wert von Dutzenden von Millionen.

Was da ganz genau im Hintergrund lief, werden wir wohl nie wissen. Aber es sieht verdächtig aus nach “Sequoia kauft sich selber eine Firma mit anderer Leute Geld ab, während eine VC-Krähe der anderen kein Auge aushackt.”. Na, dann wünschen wir mal weiterhin gute Geschäfte.

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