Krawallblogger Niklaus Meienberg

Niklaus MeienbergWeil heute nix los ist und es draussen so trübe regnet, lassen wir mal Niklaus Meienberg Blattkritik machen. Zum kurzen Text wissen sollte man, dass Meienberg seit 1976 beim Tages-Anzeiger Schreibverbot hatte. Hätte es damals Blogs gegeben – vermutlich hätte er sie genutzt (und wäre wohl in der Schublade Krawalltexter gelandet).

Er sagte in einer Radiosendung 1981:

In den grossen Zeitungen kommt das Leben nicht mehr zu Wort, das heisst, man darf das Leben nicht mehr spüren und auch nicht mehr gründlich darüber nachdenken, sonst wird es gefährlich, und dann tätscht es. Die Sprache in den Blättern ist total kaputt, und eine gförchige Langeweile schlabbert durch diese Buchstabenplantage. Über die wichtigen Sachen bekommt man keine oder wenig Information, und die Artikel müssen so gemacht sein, dass sie kein Gefühl bewirken und mit den Gefühlen natürlich auch keine neuen Gedanken. Humor, Frechheit, Sarkasmus, Ironie sind sowieso verboten. Die Sprache im Textteil wird immer mehr beherrscht von der Sprache im Inseratenteil, so dass dieser klebrige Einheitsbrei über das ganze Blatt und über alle Blätter schwappt. Wenn zufällig doch noch ein lebendiger Artikel ins Blatt hineinrutscht, wird der Journalist sofort bestraft statt belohnt. Die grossen Journalisten der Vergangenheit könnten heute in der Schweiz kaum mehr irgendwo schreiben, weil sie nicht auf dem Boden der publizistischen Grundhaltung gestanden sind. (…) Die Redaktoren unserer Zeitungen sind meistens nur noch Verwalter der grausamen Ordnung, die sich in ihren Köpfen ausbreitet und die auch in unserer Gesellschaft grassiert. Wenn man brav ist, wird man zeichnender Redaktor, und wenn man ganz brav ist, wird man Chefredaktor mit einem Bombenlohn. Dafür muss man aufs Maul hocken, aber das fällt den meisten nicht schwer, weil ihre Mäuler gar nichts mehr zu sagen haben.

Aus der Biographie “Meienberg” von Marianne Fehr, S. 294/295.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Printartikel online weiterempfehlen: Paperboy erkennt über  180 Zeitungen aus D-A-CH

10.10.2011, 4 KommentarePrintartikel online weiterempfehlen:
Paperboy erkennt über 180 Zeitungen aus D-A-CH

Mit Paperboy können Inhalte aus den Print-Versionen von Tageszeitungen per Smartphone in hochaufgelöster digitaler Form weiterempfohlen werden. Jetzt expandiert der Dienst aus Zürich in D-A-CH und weltweit.

Paper Pile: Applikation macht aus  RSS-Feeds eine iPad-Zeitung

26.5.2010, 15 KommentarePaper Pile:
Applikation macht aus RSS-Feeds eine iPad-Zeitung

Nicht jeder mag die Listendarstellung herkömmlicher RSS-Reader. Die iPad-Anwendung Paper Pile stellt beliebige Feeds im Format einer traditionellen Zeitung dar.

Fusion in der Schweiz: Tamedia übernimmt Edipresse

3.3.2009, 3 KommentareFusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

2 Kommentare

  1. gebsn
    schrieb am 8. Februar 2007 um 13:31 Uhr (#)

    Meienberg lesen ist erste und vornehmste Bürgerpflicht.

  2. sultan
    schrieb am 10. Februar 2007 um 11:20 Uhr (#)

    ja, da stimme ich GEBSN voll und ganz zu. heute kaum vorstellbar, dass er mal regelmässig für die weltwoche geschrieben hatte!

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.