Amerikanische Printmedien:
Durchhalteparolen für $75 Mio.
Die Printmedien in den USA machen gerade ziemlich harte Zeiten durch. In den letzten Tagen häuften sich wieder mal die schlechten Nachrichten. Um nur einige zu nennen:
- Time Inc., der grösste Zeitschriftenverlag mit Titeln wie “Time” und “People”, entlässt fast 300 Angestellte, viele davon im redaktionellen Bereich. Die Redakteure von Time sollen in Zukunft ihre Stories allein produzieren und nicht mehr wie bisher in kleinen Teams von Korrespondenten. Das mag ja billiger sein, aber ob es auch die Qualität der Berichterstattung erhöht?
- Die New York Times Company schreibt $800 Mio. auf die Bewertung ihrer kleineren Titel ab. Diese Zeitungen, die primär im Nordosten Amerikas erscheinen (u.a. der renommierte Boston Globe) wurden von der NYT einst für etwa $1.4 Mia. gekauft. Die Reste dieser misslungenen Investition will man nun möglichst bald verkaufen. Interessiert ist unter anderem Managerlegende Jack Welch, der sich den Boston Globe vermutlich als persönliches Beweihräucherungsorgan anschaffen will, nachdem die Presse sonst oft gemein war zu ihm.
- Die Umsätze aus Printanzeigen fielen im 3. Quartal 2006 um 2.6% gegenüber dem Vorjahr. Klingt nicht nach viel, aber angesichts des sonst relativ positiven Werbemarktes ist es enttäuschend. Auch die Prognosen sind düster: Selbst die optimistischsten Vorhersagen gehen nur gerade davon aus, dass die Printmedien ihre Anzeigenumsätze knapp halten können.
Dem allgemeinen Verdruss will die Zeitungsbranche nun entgegentreten. Und zwar nicht etwa mit Produktinnovationen, höherer Qualität oder mehr Leserorientierung, sondern … mit einer Werbekampagne.
Satte $75 Mio. will der Verband der Zeitungsverleger ausgeben, um den dummen Inserenten klar zu machen, dass es den Zeitungen ja wirklich gut geht, eigentlich. Und dass man doch bitte wieder mehr Printanzeigen schalten sollte.
Dabei kommen überzeugende Slogans zum Einsatz wie zum Beispiel “The Internet is the best thing to happen to newspapers since the paper boy.”
Genau. Man muss die Dinge nur positiv sehen, auch wenn die Situation scheinbar schwierig ist. Macht George W. ja auch beim Irakkrieg mit Erfolg.
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