Doll gefeuert
Das titelt die Bild-Zeitung heute (für die unkundigen Leser: Es geht um Fussball). Wie Bild zu dieser Information kommt, ist unklar. Es steht da:
Nach Abpfiff tagen Vorstand und Aufsichtsrat. Dolls letzte Worte zu den Journalisten: ?Wir sehen uns morgen.” Da wusste er bereits, dass er weg ist. Noch offen ist, wer sein Nachfolger wird.
Wie spiegel.de schreibt, soll sich neben der Bild-Zeitung einzig der NDR ebenfalls auf eigene Quellen berufen. Bei ndr.de ist aber nicht viel mehr zu lesen:
Der Vorstand des Hamburger SV will heute offiziell die Trennung von Trainer Thomas Doll bekannt geben. Nach Informationen von NDR 90,3 fiel die entsprechende Entscheidung in der vergangenen Nacht.
Auch hier ist nicht klar, wer wann was zu wem gesagt hat. Kein Zitat kann angegeben werden, keine Quelle. Folglich: Niemand hat nichts zu niemandem gesagt.
Aber Doll ist raus, ob er oder sein Verein das will oder nicht. Denn die Bild-Zeitung hat es geschrieben, die Meldung ist überall durch und in der Lage, in der sich der Verein befindet (letzter Tabellenplatz), wäre ein verspätetes Dementi eine sehr waghalsige Aktion. Denn: Es bedeutete Krieg gegen die Bild-Zeitung und eine Jagd auf jene Leute, die jetzt noch am von der Boulevardzeitung unmöglich gemachten Trainer festhielten, wäre sicher. Das wissen die Schreiber der Zeitung, das wissen die Manager vom HSV. Also wird Doll entlassen werden, egal, ob das ursprünglich die Strategie des HSV war.
Um 9.45 Uhr macht es dann auch hsv.de offiziell. Besser früher als später, richtig. Trainerentlassungen, wie sie zurzeit in der Bundesliga an der Tagesordnung sind, können einer Mannschaft neue Impulse geben, ebenfalls richtig. Aber wie sinnvoll sie sind nach zwei gespielten Spielen in der Rückrunde, kurz nach all den strategischen Vorbereitungen in der Winterpause, den Trainingslagern, den Trainingsspielen, kann schon mal hinterfragt werden. Aber vielleicht sind die ja auch gar nicht so wichtig.
Edit, 10:10 Uhr: Der Einstieg des Texts auf bild.t-online.de, in dem steht, dass Doll der Entschluss vom Vorstand mitgeteilt wurde, stand meiner Meinung nach heute Morgen noch nicht da. Beweisen kann ich nichts, leider, aber so ist das mit vielen Texten online, zum Beispiel mit dem von ndr.de, wo ich eine Änderung bei einem Seitenreload gut beobachten konnte. Man liest etwas, verlinkt es und wenn man die Seite später besucht, dann steht etwas ganz anderes da.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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Ein weiterer Fall, wo die Medien die Realität schaffen, anstatt abzubilden. Wer BILDblog aufmerksam verfolgt, weiss, was für eine fragwürdiges Realitätsverständnis bei der Axel-Springer-Zeitung herrscht.
Wie auch immer, dem Problem mit den veränderten Online-Texten wäre einfach beizukommen: Einfach einen Screenshot machen und das Bildchen in den Text einfügen. Machen ja zB Niggemeier und Kollegen bei BildBlog ja genau so.
Hab ich eben verpasst diesmal. Leider.