Web-2.0-Bubble:
War das jetzt schon wieder alles?
Während in Europa die Web-2.0-Welle mit einigen spektakulären Deals erst so richtig in Fahrt kommt, scheint sich die ganze Bubble-Herrlichkeit in den USA schon wieder langsam aufzulösen. Die einschlägigen Blogs wie Techcrunch, Valleywag oder VentureBeat berichten jedenfalls immer häufiger über bankrott gegangene Startups, ausgeschiedene Gründer und geplatzte Venture-Deals. Links und rechts passieren zwar noch ein paar kleinere Akquisitionen, aber die (heisse) Luft scheint insgesamt schon ziemlich raus zu sein aus der Bubble. Das ging ja schnell…
In der äusserst überhitzten Online-Video-Branche scheint der Kater nach dem riesigen Youtube-Deal besonders stark zu sein.
So langsam stellt man fest, dass die Welt keine 120 praktisch identischen Videosites braucht, und der grösste zu erwartende Deal ist mit der Youtube-Akquisition wohl auch schon passiert. Kein Wunder, dass sich viele Gründerteams und ihre Investoren nach neuen Jagdgründen umsehen. Und Google ist immer noch eine Antwort darüber schuldig, wie man denn mit Online-Video ausreichend Geld zu verdienen gedenkt.
Ein weiteres Indiz: Das Time Magazine hat kürzlich “You” und damit implizit Web 2.0 zur Person des Jahres gekürt. Wir erinnern uns: Ende 1999 wurde Amazon-Gründer Jeff Bezos Mann des Jahres, und kurz danach ist die Web-1.0-Welle gekippt. Wenn die Mainstream-Zeitschriften einen Trend endlich bemerken und für wichtig befinden, ist er wirklich im Mainstream angekommen. Und damit so gut wie tot.
Nun ja, tot zumindest aus der Sicht der Silicon-Valley-Community mit ihrer kurzen Aufmerksamkeitsspanne. Natürlich fängt das ganze für den Mainstream-User erst so richtig an interessant zu werden, denn die grosse Mehrheit der Internet-Benutzer hat wohl noch nie ein Video hochgeladen, einen Blogeintrag verfasst, einen Tag gesetzt oder sich online sozial vernetzt. Otto und Lieschen Normaluser sind noch nicht im Web 2.0, sondern müssen die Möglichkeiten von User-generated Content und Social Networking überhaupt erst noch kennenlernen. Und das wird noch etliche Jahre dauern.
Das ist eine schlechte Nachricht für Unternehmer, die einfach nur die Welle reiten wollten, denn das dafür relevante Zeitfenster scheint sich jetzt zu schliessen. Die Web-2.0-Bubble, falls sie denn wirklich schon vorüber sein sollte, war (leider oder zum Glück?) nicht sehr spektakulär. Bis auf die Milliardendeals von Skype und Youtube ist eigentlich nicht so viel Grossartiges passiert. Kein Vergleich mit der letzten Bubble und ihren Dutzenden von IPOs, spektakulären Mergern und absurden Businessplänen. Dafür dürfte die Landung aber auch längst nicht so hart werden.
Gut ist diese Entwicklung für Unternehmen, die seriöse Produkte und Dienstleistungen anbieten wollen, statt nur auf den schnellen Exit zu spekulieren. Web 1.0 hat die Infrastruktur gebaut, auf der heute Unternehmen wie Google, eBay und Amazon (sowie viele zehntausende von kleineren Firmen) gutes Geld verdienen. Web 2.0 ist hingegen mehr auf Anwendungen, Content und Interaktion fokussiert und vielleicht darum nicht ganz so gross geworden. Denn Anwendungen sind nicht so kapitalintensiv zu bauen wie Infrastrukturen, und darum sind die Gewinne schwieriger zu schützen.
Aber auf jeden Fall darf man sich nicht wundern, wenn das Thema Web 2.0 nach all der Hysterie jetzt bald auf breiter Front in Ungnade fallen wird. Das ist eben normaler Teil des Hype Cycle, durch den jede neue Technologie durch muss.
Viele Firmen (auch populäre) werden verschwinden, andere werden dafür entdecken, wie die neuen Technologien und Prinzipien noch sinnvoller und lukrativer eingesetzt werden können. Die Gewinner der Web-1.0-Welle waren auch nicht unbedingt die Pioniere wie Netscape, sondern oft Firmen wie Google, die ziemlich spät zur Party kamen. Es gibt eigentlich keinen Grund dafür, dass das diesmal anders sein sollte.








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