Rote Köpfe

“Rote Köpfe wegen Selbstmörder-Hochhaus” heisst es heute bei 20minuten.ch. Im Text ist zu lesen, dass regelmässige Selbsttötungen durch den Sprung von einem Hochhaus in Zürich dem Umfeld Angst machen. Man kann sich gut vorstellen, wie unter den Anwohnern ein allgemeines Unbehagen entstanden ist, gegen das sie nun mit einer Forderung nach Netzen ankämpfen wollen. Wo genau es zu roten Köpfen gekommen ist, in meinem Verständnis eine Kontroverse, die in einen emotional geführten Streit mündet, wird aber nicht klar.
Das Beispiel zeigt, dass die Verbreitung der Wendung, ob passend oder nicht, längst inflationäre Ausmasse angenommen hat. “Rote Köpfe”, meist in der Wendung “sorgt für rote Köpfe” oder “sorgen für rote Köpfe” schreiben Schweizer Journalisten gerne, wenn es um eine irgendeine Kontroverse geht. Und offenbar nur Schweizer Journalisten.
Wir haben eine ungenaue und willkürliche Google-Recherche durchgeführt:
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- 60 Einträge bei blick.ch
- 62 Einträge von nzz.ch
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- 125 Einträge bei 20min.ch
Im Vergleich dazu andere deutschsprachige Zeitungen:
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- 3 Einträge bei spiegel.de
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- 4 Einträge bei orf.at
- 5 Einträge bei kurier.at
Ein schönes Beispiel ist der Eintrag bei orf.at. Eingesetzt wird die Wendung, als erklärt wird, was in den Schweizer Medien steht.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

















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soweit ich gestern verstanden habe, dürfen die schweizer medien nicht mehr so häufig über suizide berichten, da diese häufig ansteckend wirken…
Der 1 Dollar für das Bild bei iStockPhoto hat sich echt gelohnt, ich erschreck mich jedes Mal wieder. :-)
Die Analyse zeigt zwei Dinge: 1. Bei der Wendung handelt es ganz offensichtlich um einen Helvetismus Das mag man mögen oder nicht. Schlimm ist es jedenfalls kaum. Frei nach dem Motto all news is local, all language is local könnte man dies gar als Beweis für die Verbindung der Medien mit der Schweiz heranziehen. 2. 20minuten.ch publiziert mehr Artikel als persoenlich.com.
Ich glaube nicht, dass Ronnie sich gegen Helvetismen wenden wollte (er hat im Büro Zugriff auf ein schönes Buch, das ich neulich geschenkt bekommen habe; dort stehen allerdings die roten Köpfe nicht als Helvetismus drin), sondern aufzeigen wollte, dass insbesondere 20 Minuten überaus oft und gern zu dieser Metapher greift.
Helvetismus hin oder her. Ich wette, ohne jetzt die Beiträge von 20min.ch genauer durchzulesen, dass über die Hälfte der Wendungen fragwürdig eingesetzt sind. Kurz: In Kalifornien regnet es so oft, wie es in Schweizer Medien echte rote Köpfe gibt. Gegen lokalen Sprachgebrauch habe ich nichts einzuwenden.
Sehr gut, ein Buch. Die roten Köpfe müssen dringend in die Neuauflage!
“Rote Köpfe” ist halt so schön kurz, das passt ohne umzubrechen in die kürzesten Zeilen. Man stelle sich vor, man müsste immer “Meinungsverschiedenheiten” schreiben.