Blogs sind komplett irrelevant

Es war ein Sonntagabend kurz vor neun, als ich auch ein Blog haben wollte. Um kurz nach neun hatte ich eines, es stand nichts drin. Ich schrieb einen Eintrag. Es gab keinen Chefredakteur, keinen Duden, keine ?60 Zeilen mehr ist nicht drin!?-Ansagen: bloggen fühlte sich an wie Urlaub, nur mit Tastatur. Bis zehn Uhr hatte mein Blog drei Einträge und zwei Fotos. Ich wartete, nichts geschah. Ein Zähler zeigte an, dass mein Blog bisher elfmal aufgerufen wurde. Das war ich selber. Nach dem Zähneputzen schaute ich ein zwölftes Mal nach, las meine Einträge, sah mir die Fotos an, fühlte mich gut unterhalten und ging ins Bett. Am nächsten Tag kam ich erst am Abend dazu, mein Blog zu öffnen, das ich unberührt vorfand. Ich schrieb einen zaghaften Eintrag, mit dem Vermerk, dass ich in den nächsten Tagen nicht bloggen könne, da ich verreisen musste, und entschuldigte mich für diesen Umstand. Der Zähler zeigte vierzehn Aufrufe. Zurückgekehrt von der Reise öffnete ich noch im Mantel mein Blog und schrieb erleichtert: Bin wieder da! Nichts geschah. Nur der Zähler hatte eins weiter gezählt. Ich schrieb keine weiteren Einträge und lud keine Fotos mehr hoch, gewöhnte mir vor verlängerten Wochenenden und bei Bettlägerigkeit aber an, mich kurz in meinem Blog abzumelden. Das bin ich meinen Lesern doch schuldig.

So enden die 9 Thesen zur Blogosphäre von Tobias Moorstedt bei jetzt.de. Die hier beschriebene Erfahrung machen viele, die mit Bloggen beginnen. Sie schreiben einen oder zwei Beiträge, merken, dass sie nicht wahrgenommen werden und stellen ihre Tätigkeit frustriert wieder ein.

Aber ist denn etwas anderes zu erwarten? Hat schon jemand eine Zeitung oder eine Zeitschrift lanciert, ohne jemanden davon etwas zu sagen? Sich irgendwo auf eine Wiese gestellt mit hunderttausend gedruckten Exemplaren und gewartet, bis jemand vorbeikommt?

Es ist wahr: So bleibt Bloggen unerfolgreich. Schade nur, dass der daraus entstandene Frust auch noch ausführlich dokumentiert wird und zur These #9, die für mich übersetzt “Blogs sind komplett irrelevant” heisst, auch noch andere dazu kommen, die alle mehr oder weniger in dieser anfänglichen Enttäuschung gründen.

Wie oft, wenn alte Medien Blogs als Thema aufgreifen, ist dabei viel Unsinn zu lesen, unter anderem wird die Behauptung aufgestellt, es seien “alle korrupt”, sogar Blogger (#7) und Auflage wird mit Zugriffen verglichen (siehe auch hier). Mein Tipp: Noch einen Text schreiben, aber diesmal nach zweihundert Blog-Einträgen und nicht nach zwei.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. monarch
    schrieb am 4. Dezember 2006 um 15:25 Uhr (#)

    Wie wärs mit “erfolglos” statt “unerfolgreich”?

    Nur, damit hier wenigstens ein Kommentar mehr steht ;-)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 4. Dezember 2006 um 15:30 Uhr (#)

    Vielen Dank für den konstruktiven Kommentar. Geändert im Text wird jetzt aber zum Trotz nichts. ;-)

  3. monarch
    schrieb am 4. Dezember 2006 um 19:22 Uhr (#)

    Ich sags ja: Blogger sind uneinsichtig, verbohrt und dialogresistent ;-)

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