Einblicke in die Medien-Manipulation

Kleine Lektion zum Unterschied zwischen “Augenschein” und “Berichterstattung”

Deutliche Worte eines irakreisenden US-Politikers: Nach drei Tagen in Bagdad weiss Ron Nehring, Vizepräsident der kalifornischen Republikaner bereits, welch verzerrte Sicht der Dinge die seit Monaten oder Jahren “eingebetteten” Journalisten dem US-Volk präsentieren.

Nehring nach einem Besuch im Parlament:

“Alle, die ich getroffen habe sind gute Leute, ehrlich daran interessiert, ein neues Land für eine neue Generation zu bauen. Das unterscheidet sich stark von dem, was wir im TV sehen, wo üblicherweise die Spaltung der Gesellschaft und die Schwierigkeiten bessere Einschaltquoten garantieren als Berichte über Fortschritt.”

Der übliche journalistische Terminus für Reiseberichtlein ohne tiefer gehende Recherche heisst “Augenschein”. Journalisten kennzeichnen damit transparenterweise Kurzreportagen im Bewusstsein, dass oberflächliche Eindrücke interessant, aber häufig weit von der Realität entfernt sind.

Drei Tage nach seiner Medienschelte steckt Nehring in Bagdad im Chaos fest und fängt an, Quoten zu bolzen:

“Seit meiner Ankunft hier am letzten Sonntag ist mein Gepäck verloren gegangen, Autobomben sind ausserhalb des Gebäudes explodiert wo ich referierte, Mörserfeuer war immer wieder zu hören, Flüge wurden abgesagt, und jetzt herrscht sogar Unklarheit darüber, wann ich überhaupt die Möglichkeit haben werde, nach Kalifornien zurückzukehren.”

Letzteres hat den wackeren Politiker wohl seine positive Sicht kurzfristig einbüssen lassen. Inzwischen ist Nehring aber gemäss LA Times auf dem Weg nach Hause.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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