Neue Forschung:
Kürzere E-Mails machen erfolgreich
Der Zusammenhang zwischen IT-Einsatz und Produktivität ist seit langem ein Rätsel. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Solow stellte einmal resigniert fest: “You can see the computer age everywhere but in the productivity statistics”. Und tatsächlich, so mancher CIO (und CEO) fragt sich: bringen die massiven Investitionen in Informationstechnologie überhaupt etwas?
Ich habe hier am MIT in Boston gerade das Vergnügen, einen Kurs bei Erik Brynjolfsson zu absolvieren, dem heimlichen Erfinder des “Long Tail” und einem der führenden Forscher auf dem Gebiet der IT-Produktivität. Sein neustes Forschungspapier zu diesem Thema ist bemerkenswert. Brynjolfsson und seine Kollegen Aral und Van Alstyne untersuchten über fünf Jahre hinweg eine Firma (im Bereich “Executive Search”, im Volksmund auch “Headhunter” genannt) und ihre Kommunikationsmuster im Detail. Mit dieser umfangreichen Studie förderten sie einige wirklich interessante Ergebnisse zutage. Vieles davon “weiss” man intuitiv, aber bisher wurden diese Dinge noch nie empirisch aufgezeigt.
Die Forscher untersuchten, welches Kommunikations- und IT-Verhalten den Erfolg individueller Mitarbeiter (gemessen am direkt erzeugten Umsatz und der individuellen Entlöhnung) förderten. Natürlich ist die Situation bei einer Executive-Search-Firma recht speziell, aber jede Consultingfirma, Investmentbank oder Anwaltskanzlei funktioniert ähnlich, und die meisten Ergebnisse lassen sich wohl auch auf andere Typen von Firmen übertragen.
Herausgefunden wurde unter anderem folgendes:
- Die Informationsüberflutung, unter der wir alle zu leiden glauben, ist keine absolute Sache.
Die Mitarbeiter der untersuchten Firma empfanden ihre Informationslast ganz unterschiedlich. Mit der Anzahl der empfangenen E-Mails hatte das nichts zu tun, sehr wohl aber mit mangelhaften IT-Kenntnissen und der fehlenden Unterstützung durch Sekretariate. Besonders relevant war die Antwortzeit der Kollegen: Je mehr Zeit die sich nämlich für eine Reaktion lassen, desto überfluteter fühlt man sich. Woraus wir lernen: Schnelles Antworten auf E-Mails reduziert den Stress für alle Beteiligten.
- Die erfolgreichsten Mitarbeiter schrieben kurze E-Mails mit einem klaren, einzelnen Thema. Darauf erhielten sie schneller eine Antwort, und damit konnte die Arbeit schneller vorangehen.
- Besonders erfolgreich waren diejenigen, die ihre E-Mails zeitlich gut strukturiert bearbeiten, also nicht gleich sofort reagieren, sondern z.B. drei Mal am Tag ihre Inbox abarbeiten. Zu welcher Tageszeit man das macht, war aber egal.
- Starke IT-Nutzung beschleunigt die Arbeit nicht, aber ermöglicht mehr Multitasking. Die erfolgreichsten Mitarbeiter der Firma jonglierten mit mehr Projekten gleichzeitig und nutzten E-Mail stärker als ihre Kollegen, weil man damit verschiedenste Kommunikationspartner effizienter bedienen kann. Aber Achtung: Zu viel Multitasking reduziert die Produktivität dramatisch. Man kann sich die Produktivitätskurve als umgedrehtes “U” vorstellen, und darauf muss man das Optimum finden.
- Entscheidend für den Erfolg ist die soziale Vernetzung, egal ob über E-Mail oder andere Wege. Die erfolgreichsten Mitarbeiter unterhielten viele Kommunikationsbeziehungen zu unterschiedlichsten Partnern, insbesondere solche ausserhalb des eigenen Unternehmens.
- Mitarbeiter, die ihre Informationen bereitwillig mit anderen teilten, waren nicht nur wirtschaftlich erfolgreicher, sondern fühlten sich bei der Arbeit auch noch glücklicher.
- Zuguterletzt noch etwas aus der Abteilung “Nerd-Diskriminierung”: Mitarbeiter, die die internen Informationssysteme (Datenbanken etc.) intensiver nutzten, steuerten zwar überdurchschnittlich viel Umsatz bei, wurden aber schlechter bezahlt.
Insgesamt schlossen die Forscher, dass es wichtiger ist, wie man IT einsetzt, als wie viel man davon hat. Das haben wir doch irgendwie immer schon geahnt. Als nächstes will das Forschungsteam in Zusammenarbeit mit dem MIT Media Lab auch noch das “physische” Netzwerk einer Firma erfassen, also die formellen und informellen Meetings, die den ganzen Tag so stattfinden. Dazu kriegen die Probanden einen Intelligent Badge verpasst, der ständig die Position der jeweiligen Person erfasst. Alles auf freiwilliger Basis, versteht sich.
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