Blick-Blogkritiker bloggt anonyme Beschimpfungen

Gestern schrieb Blick-Journalist Marcel Zulauf, Blogger sollten “Anstand und Respekt wahren”. Doch medienlese.com weiss: Herr Zulauf führt selbst ein Blog, mit dem er seinen Forderungen nur ansatzweise gerecht wird.

Schimpf und Schande heisst das Weblog, in dem er, zusammen mit drei nicht sehr aktiven Mitbloggern, seit über einem Jahr die Welt stilvoll beschimpft. “Zulu”, so sein Nickname, enerviert sich über allerlei. Ein paar Zitate aus dem Blog:

Der rechtsaussen Karriere-Journalist Roger Köppel – SVP-Freund, Ex-Weltwoche Chefredaktor und nun Boss der Welt – spricht im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Mannesmann-Prozesses von einem schlechten Zeichen für die deutsche Wirtschaft.

Der liebe Herr Köppel ist definitiv nicht mehr Normal.

Sie kanns, sie hats geschafft: Madonna kauft sich ein Negerbübchen aus Malawi und spielt den Gutmenschen. Und die Medien spielen das widerwärtige Spiel mit und berichten wohlwollend darüber.

Moment, das waren Worte von Zulus Mitbloggern. Zulu selbst schreibt:

Es ist verdammt schoen hier und hat auch nur wenige Touristen. Dafuer gibt es eine ganze Reihe geldgeiler Thais, die mich mit ihren Scheiss Minibussen immer aergern und bescheissen. Aber wenigstens gerate ich durch diese Arschloecher nicht vollends ins Schwaermen.

Und dann sind da diese wirklich oberdoofen Goldküsten-Weiber mit ihren Scheiss-Offroad-Karren.

Endlich ist es wieder kalt genug für hunderte absolut identisch aussehender Zürcher Frauen zwischen 16 und 32 um ihre Röhrli-Jeans in ihre Stiefel zu würgen. Um ihre kurzen Jäckchen über ihre in drei Lagen getragenen T-Shirts zu ziehen und dennoch ein Stück Bauch hervorblitzen zu lassen.

Kennen Sie auch solche Mitmenschen: Sie behaupten, bleiben stur, pochen auf ihre Meinung. Und noch wenn es schwarz auf weiss vor ihnen liegt, dass sie Käse erzählen, weichen sie nicht ab. Ich kenne jemanden, der genau so ist. Und manchmal denke ich nicht sehr schöne Sachen über diese Person.

Die Kulturschickeria
War soeben im Kino RiffRaff. Sie zelebrierte sich dort nach einer Filmpremiere, fand sich toll und unwiderstehlich. Was bin ich froh, dass ich mit diesen Menschen beruflich nichts mehr zu tun habe.

Höchststrafe
Der ganze schlimme Traum geht so: Ich baue Scheisse und muss als Money-Girl verkleidet in der Blöden von Roman Kilchsperger moderierten Sendung «deal or No deal» mit einem Koffer bis zuletzt im Studio stehen.

Eine Erklärung, warum er selber bloggt, kann man hier nachlesen. Der Schimpf-und-Schande-Blog scheint sowas wie ein emotionales Überlaufventil zu sein, und auch wenn ich es nicht regelmässig lesen würde, so ist es doch kein schlechtes Blog.

Es ist jedermanns Recht, anonym ein Blog zu führen. Es verwirrt nur etwas, wenn jemand in einem Kommentar für die grösste Schweizer Zeitung genau auf das ureigene Spannungsfeld “Medienprofi vs. Blogger” zu sprechen kommt. Wie schrieb Marcel Zulauf gestern:

Das ist nicht weiter schlimm. Aber dennoch ist es nicht gut. Denn Profis, die sich sonst strikt an journalistische Kriterien halten, lassen plötzlich die gebotene Sorgfalt und Distanz vermissen. Sie machen Stimmung als Meinungsmacher und setzen somit ihre journalistische Rolle, ihre neutrale Sichtweise aufs Spiel.

Das würde ich nicht sagen. Vielmehr sollte Blick dem durchaus blogbegabten Mitarbeiter eine Plattform geben, auf der er seine Begabungen umsetzen kann. So würden anonym keine Kräfte mehr verschwendet.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. anonyme email
    schrieb am 29. April 2007 um 12:11 Uhr (#)

    Das ist halt eben typisch Blick Journalist! Die moechten noch viel mehr Schund schreiben und deshalb bloggen Sie auch damit sie den zusaetzlichen Schund den sie im Blick nicht abdrucken koennen dann noch auf ihrem Schun Blog von sich geben koennen!

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