OJ Simpson’s Bestseller-Geständnis
Der Ex-Schauspieler, der seine Frau nicht ermordet hat, lässt sich über sein Buch “Falls ich es getan hätte” interviewen.

Am 30. November soll OJ Simpsons Buch in den Handel kommen (“If I did it”), und bereits spekuliert Amerika, was den des Mordes freigesprochenen Sportler / Schauspieler dazu bewogen haben könnte, ein derart konfuses Buch zu veröffentlichen.
Die eine Hälfte ist überzeugt, dass der Mann ganz einfach spinnt. Die andere denkt, er sei nicht ganz richtig im Kopf. Und alle bestellen sofort online.
OJ’s Werk liegt in diesem Moment auf Rang 32 der Verkaufsliste von Amazon.com – ausschliesslich via Vorbestellungen – passend zwischen einem Ehe-Ratgeber und einem Kochbuch.
Schlimmer noch als das Buch scheint aber das einzige Interview, das der gesellschaftlich geächtete Simpson dem TV-Sender Fox (aus dem Hause Murdoch) gewährte. Befragt wird er darin übrigens von Judith Regan. Sie ist – was für ein Zufall! – die Herausgeberin des Buchs. Bunt vor Neid, springt die Regenbogenpresse mit Hasstiraden auf ihren Frontseiten auf den rollenden Mega-Verkaufszug auf.
Braucht OJ Geld? Kaum. Zwar ist er nach seinem Freispruch vor dem Strafgericht von einem Zivilgericht zur Zahlung von 32 Millionen Dollar an die Hinterbliebenen seiner Exfrau und ihres Freundes verknurrt worden (was ein zivilrechtlicher Schuldspruch ist und die Geschichte noch bizarrer erscheinen lässt). Aber bezahlt hat er nichts, denn sein ganzes Vermögen ist in einem Pensionsfond angelegt, aus dem OJ heute angeblich 25’000 Dollar monatlich bezieht.
Will OJ sein Gewissen reinwaschen? Siehe oben: Das hätte er vor Gericht schon tun können. Dabei hätte er zwar seine Freiheit eingebüsst, aber mal ehrlich: Bisher muss der Mann nach dem Prozess in Kalifornien gelebt haben wie Salman Rushdie in Teheran. Immerhin – jetzt könnte er gestehen, denn nach US-Recht kann er nach einem ersten Freispruch nicht mehr vor Gericht gestellt werden.
Will OJ sich mit einem Negativen Positiv reinwaschen? Das ist die beste Theorie, die ich bisher gefunden habe: Jonswift kommt zum Schluss, dass OJ ganz einfach eine derart lächerliche Beschreibung des Tathergangs gibt, dass jedermann überzeugt ist, er könne es nicht gewesen sein. Der Plan ist raffiniert und bietet anderen viel Raum für ähnliche Bücher.
- “Sollte ich schwul sein” von Tom Cruise;
- “Nähmen wir mal, ähm, an dass ich – ich meine: Sie könnten davon ausgehen…das ist ja klar! – ich könnte keinen graden Satz sagen” von Edmund Stoiber;
- “Würden wir die Weltherrschaft anstreben” von Larry Page und Sergey Brin;
- “Wenn ich den Irakkrieg als Goldgrube für Halliburton benutzt hätte” von Dick Cheney;
- “Falls ich ein verkappter Konservativer wäre” von Tony Blair.
Wir bitten um weitere rein hypothetische Vorschläge.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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