Aufruhr in Second Life:
CopyBot kopiert Gegenstände

Heisse Titelgeschichte des virtuellen Reuter-Büros in Second Life: Ein Programm vernichtet reale Werte in der Cyberwelt.

Grosse Aufregung in der virtuellen Welt der MUD (Multi-User-Dimension) “Second Life”, die erst kürzlich nach einem New York Times Artikel in allen (realen) Blättern als das nächste grosse Ding gefeiert wird: Die Parallel-Ökonomie, in der täglich für hunderttausende von US-Dollars nicht existierende Ländereien und Gegenstände gehandelt werden, hat ein Krebsgeschwür. Ein OpenSource-Programm erlaubt es, jegliche Gegenstände in der Cyberwelt zu kopieren, wie das (reale) Reuters-Büro in der virtuellen Welt berichtet. Das ist deshalb äusserst problematisch, weil das “Spiel” tatsächlich eine Art Parallelwelt darstellt, in der mit echtem Geld virtuelle Dinge gehandelt werden, die andere erschaffen haben.

In Second Life kann jeder Spieler mit einer Art 3-D-Baukasten Gegenstände erschaffen, über die er dann gewissermassen ein Urheberrecht besitzt. Es gibt inzwischen alles von Kleidung bis zu Fahrzeugen, und vielfach geben die Schöpfer dieser Werke ihre Arbeit nicht einfach frei, sondern versehen sie mit einem Kopierschutz und verkaufen sie an andere Spieler.

Wenn hier nun mit einem einfachen Programm jedermann diese Objekte kostenlos kopieren kann, droht der gesamten Volkswirtschaft der Untergang – ausser den Besitzern des Spiels, denn Linden Lab verkauft Grundstücke (und hat erst kürzlich eine Landpreiserhöhung um zwei Wochen aufschieben müssen, weil die neuen Benutzer Amok gelaufen sind).

Cory Doctorow von BoingBoing wirft die spannende Frage auf, was LindenLab jetzt tun soll: Einerseits könnte der Betreiber der Server einen Sperrmechanismus für Drittprogramme einbauen und CopyBot damit den Garaus machen – aber das haben die SL-Gründer bisher vermieden. Es würde sie nämlich auch zu einer Art “nichtgewählter” Regierung machen (die sie ohnehin sind) und ihre Allmacht betonen.

Wenn sie aber gar nichts unternehmen, sehen Abertausende der SL-Benutzer, die teilweise erkleckliche Beträge in die Ausrüstung in der Zweitwelt gesteckt haben ebenso betrogen wie diejenigen, welche die Objekte erschaffen haben und auf ein (virtuelles) Einkommen hofften.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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